Beim Sektexperten Rowald Naber prickelt es

Bühlertal (BNN) – Der frühere Affentaler Kellermeister Rowald Naber produziert als geschäftsführender Gesellschafter einer Sektkellerei von bio bis alkoholfrei.

Qualitätskontrolle: Der Bühlertäler Rowald Naber ist in der „Sektkellerei am Turm“ in Speyer einer von drei geschäftsführenden Gesellschaftern. Foto: Karin Naber

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Qualitätskontrolle: Der Bühlertäler Rowald Naber ist in der „Sektkellerei am Turm“ in Speyer einer von drei geschäftsführenden Gesellschaftern. Foto: Karin Naber

Wo Sekt drauf steht, ist nicht selten Rowald Naber drin. Der 57-jährige Bühlertäler ist als einer von drei geschäftsführenden Gesellschaftern der „Sektkellerei am Turm“ mitverantwortlich dafür, dass Silvester-Partys im ganzen Land nicht auf dem Sekt-Trockenen sitzen bleiben. Alkohol muss dabei übrigens nicht zwingend Bestandteil des Getränks sein.

6,5 Millionen „Köpfe“ produziert die Sektkellerei Jahr für Jahr. „Köpfe“, darunter versteht der Fachmann Flaschen unterschiedlichster Größen und verschiedensten Inhalts, vom Perlwein über Sekt bis zu aromatisierten Getränken. Mit 70 Prozent dominiert der Sekt, wovon 90 Prozent auf die Lohnversektung entfallen. Die Aufträge kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus Österreich und den Benelux-Ländern. Der Schwerpunkt liegt aber weiterhin auf den Anbaugebieten im deutschen Südwesten – inklusive Baden und natürlich der nördlichen Ortenau. „Nahezu alle Winzergenossenschaften von hier lassen bei uns versekten“, sagt Naber, den das auch mit seinem beruflichen Vorleben verbindet.

Nach der Weinküferlehre in Neuweier und dem Studium der Getränketechnologie war er 1990 als zweiter Kellermeister zur Winzergenossenschaft Affental gekommen, sammelte für kurze Zeit Erfahrungen bei einem mobilen Lohnversekter und kehrte als erster Kellermeister nach Affental zurück. 1997 stieg er bei Baden-Royal in Steinbach in die Sektbranche ein, noch im gleichen Jahr ging es weiter zur „Sektkkellerei am Turm“ im pfälzischen Deidesheim; heute ist das Unternehmen in Speyer zuhause.

„Das ist mir noch nicht auf die Zunge gekommen.“

Im kommenden Jahr wird Naber seit einem Vierteljahrhundert in der perlenden Branche zuhause sein. Vieles hat sich in dieser langen Zeit geändert. Das Unternehmen ist gewachsen, von acht auf 38 festangestellte Mitarbeiter, von einer auf drei Füll- und Etikettierlinien, die Produktionsmenge hat sich vervierfacht, Naber sah Trends kommen und manchen auch wieder gehen. Aktuell ist das in der Prickelbranche Rosé-Prosecco. Der Fachmann spricht hier von einer Nische, die er selbst aber noch nicht betreten habe: „Das ist mir noch nicht auf die Zunge gekommen.“

Ein bedeutendes Segment ist für Naber das Bio-Segment geworden. Als er im Dezember 1997 zur „Sektkellerei am Turm“ kam, habe es den Begriff Bio-Sekt noch gar nicht gegeben. Als vermutlich erster Lohnversekter Deutschlands habe die Kellerei 1998 für ein Weingut in Rheinhessen Bio-Wein zu Bio-Sekt ausgebaut, sagt Naber: „Mittlerweile machen wir etwa 20 Prozent unseres Gesamt-Umsatzes mit der Verperlung und Versektung von Weinen, die nach Bio-Richtlinien der verschiedensten Verbände hergestellt wurden.“

Zu einem wichtigen Thema entwickelt sich auch alkoholfreier Sekt. Dabei ist es genau das nicht: Sekt. Der braucht eine zweite Gärung, die hier nicht stattfindet. Der bezeichnungsrechtlich korrekte Ausdruck, so viel Zeit muss sein, lautet „schäumendes Getränk aus alkoholfreiem Wein“. Vor allem die großen Sektkellereien hätten sich mit der Einführung alkoholfreier Varianten Marktanteile sichern können – eine Entalkoholisierungsanlage ist sehr teuer, auch die „Sektkellerei am Turm“ hat sich keine angeschafft. Mittlerweile gebe es aber Firmen, die die Entalkoholisierung im Lohn anbieten, womit das Segment auch für Weingüter und Winzergenossenschaften interessant werden könnte, meint Naber. Sein Unternehmen arbeitet mit einem entsprechenden Betrieb zusammen und füllt das Produkt ab.

„Früher war Sekt ein Aperitif zu besonderen Festen und Anlässen“

Versektet wird in Speyer das komplette Sortenspektrum: „Das Lieblingskind ist aber nach wie vor der Riesling, gefolgt von den Burgunder-Sorten und Chardonnay.“ Doch auch die Zukunft grüßt bereits. Dass die Sektkellerei im Bereich der klassischen Flaschengärung bereits ab 800 Litern eine individuelle Versektung anbieten kann, ist sie auch Ansprechpartner in der Versektung von Rebsorten, die demnächst vielleicht auf Grund des Wandels im Klima und des Pflanzenschutzes für die deutschen Anbaugebiete interessant werden. Explizit nennt Naber pilzwiderstandsfähige Sorten (im Fachjargon PiWis) wie Johanniter und Souvignier gris: „Die können für die Erzeugung von hochwertigen Sekten durchaus interessant sein.“

Während des Verkaufs vor Weihnachten und Silvester kann sich der Sektmacher im Dezember schon etwas entspannen. Die meisten Grundweine einer Ernte werden in den Monaten Januar bis März im darauffolgenden Jahr zur Versektung angeliefert. Bei der Mindestherstellungsdauer von sechs Monaten bei der Tankgärung und neun Monaten bei der Flaschengärung könne man sich leicht ausrechnen, wann Produktionsspitzen auftreten. „Wenn wir im Dezember Stress hätten, dann hätten wir in den Monaten zuvor geschlafen“, lacht Naber. Ganz ohne Stress geht es aber auch nicht. Die Corona-Pandemie hat auch hier durch gestörte Lieferketten bei bestimmten Produkten zu Engpässen geführt, und das werde wohl auch im kommenden Jahr noch im ein oder anderen Bereich so sein.

An Sekt aber werde es nicht mangeln, nicht an Silvester und auch nicht an anderen Tagen. Längst ist er nicht mehr nur die Ausnahme: „Früher war Sekt ein Aperitif zu besonderen Festen und Anlässen, heutzutage ist Sekt ein fast täglicher Begleiter zu vielen Gelegenheiten“, weiß Naber. Und so ist der Experte das ganze Jahr über mit seinen Produkten präsent, auf denen Sekt steht und oft Rowald Naber drin ist.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Wilfried Lienhard

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Erstellt:
31. Dezember 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 42sec

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