Beim Sport auf dem Rhein Müll kartieren

Konstanz (vn) – Outdoor-Aktivitäten dank einer App mit einem wissenschaftlichen Projekt zur Mikroplastik-Vermeidung kombinieren: Dafür will die Stiftung „Surfrider Europe“ Freiwillige gewinnen.

Projektleiter Antoine Bruge (rechts) erklärt vor einer Rafting-Tour die Funktionsweise der Smartphone-App. Foto: Surfrider Foundation Europe

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Projektleiter Antoine Bruge (rechts) erklärt vor einer Rafting-Tour die Funktionsweise der Smartphone-App. Foto: Surfrider Foundation Europe

Künstliche Intelligenz (KI) und eine App für Smartphones sollen dazu beitragen, bessere Daten zur Belastung von Rhein und Bodensee mit Mikroplastik zu erhalten. Dazu soll das Müllaufkommen möglichst aktuell erfasst werden. Dieses Ziel hat sich die Stiftung „Surfrider Europe“ gesetzt. Derzeit wird das Verfahren „Plastic Origins“ in einer 14-tägigen Expedition von der Rheinquelle bis zur Nordsee erprobt.
Müll landet oft in Seen und Flüssen, treibt zunächst an der Oberfläche und sinkt schließlich auf den Grund ab. „Gefährlich ist vor allem Plastikmüll, weil er sich mit der Zeit immer weiter zersetzt. Aus den Fragmenten wird irgendwann Mikroplastik“, warnt die 1990 gegründete Nichtregierungsorganisation „Surfrider Foundation“, die sich nach eigenen Angaben „für den Schutz der Ozeane, der Küsten, der Wellen und ihrer Nutzer“ einsetzt.

Studien bestätigen Belastung

Dass das Problem Mikroplastik im Rhein und im Bodensee besteht, ist durch Forschungen belegt worden, unter anderem durch eine Studie der Universität Bayreuth von 2018. Die Belastungen sind unterschiedlich hoch. Wegen fehlender EU-Normen und Grenzwerte ist eine Vergleichbarkeit schwierig. Und wie ist die Belastung aktuell? Dazu ist die Datengrundlage lückenhaft.

Hier setzt die „Plastic Origins“-App für Smartphones an, die in jedem App-Store heruntergeladen werden kann. Nutzer können damit Fotos oder Videos von im Wasser treibenden oder am Ufer identifizierten Abfällen aufnehmen. Das kann beim Sport auf dem Fluss sein sein oder beim Spaziergang am Ufer. Die KI soll die Abfallart (Flasche oder Fragment) und deren Zahl automatisch erkennen und mit einem Satellitennavigationsprogramm bis auf den Meter genau lokalisieren, damit der Müll eingesammelt werden kann. Die Daten fließen zudem in eine Europakarte ein, die die Abfallmenge je Uferkilometer berechnet. Die erfasste Müllmenge lasse Rückschlüsse auf Mikroplastikbelastungen zu, ist sich die Organisation sicher.

Antoine Bruge, Mitentwickler der App und Projektleiter bei den „Surfridern Europe“ aus Biarritz, sagt: „Die App hat den Vorteil, einen kontinuierlichen Überblick über das Müllaufkommen in Seen und Gewässern zu bekommen, um koordiniert und effizient bei der Entsorgung vorgehen zu können.“ Weiter sagt Bruge: „Unser Ziel ist die Mobilisierung begeisterter Outdoor-Sportler, die ihre Leidenschaft mit einem wissenschaftlichen Projekt verbinden wollen.“

Woher stammt der Müll genau?

Dass das Programm funktioniert, will ein zehnköpfiges „Surfrider“-Team beweisen. Es startete seine Expedition am 21. August an der Quelle und wird bis 5. September in mehreren Etappen mit Kanu- und Kajakfahren sowie Rafting bis zur Mündung unterwegs sein. Neben der Datenerhebung werden die erfassten Fragmente weiter untersucht, um die genaue Herkunft festzustellen. Die Bodensee-Stiftung und der Global Nature Fund unterstützen die Expedition.

In einem weiteren Schritt geht es den „Surfridern“ darum, Städte und Gemeinden an Seen und Flüssen zu sensibilisieren: „Kommunen können gestalten und Vorbild zugleich sein im Kampf gegen Mikroplastik und Müllverschmutzung“, erklärt Dimitri Vedel, Leiter des „Blue Lake“-Projekts der Bodensee-Stiftung. „Einfache Möglichkeiten wie Pfandsysteme, witterungsfeste Mülleimer und kontinuierliche Aufklärungsarbeit helfen bereits. Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Fund, stellt heraus: „Erfahrungen, die im Kampf gegen Mikroplastik helfen, müssen bekannt sein und in die tägliche kommunale Arbeit einfließen.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
26. August 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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