Bekannter Ausnahmemusiker aus Gaggenau

Gaggenau (er) – Die große Leidenschaft von Reinar Krennrich ist die Musik. In seinem Leben war der Gaggenauer in verschiedenen Orchestern aktiv. Am Samstag feiert er seinen 90. Geburtstag.

Einst ein viel gefragter Musiker: Reinar Krennrich aus Gaggenau feiert am Samstag seinen 90. Geburtstag. Foto: Elke Rohwer

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Einst ein viel gefragter Musiker: Reinar Krennrich aus Gaggenau feiert am Samstag seinen 90. Geburtstag. Foto: Elke Rohwer

„Mach‘ eine Sache richtig oder gar nicht.“ So lautet das Motto, nach dem Reinar Krennrich sein Leben bisher ausrichtete. Besonders die älteren Gaggenauer verbinden mit ihm so manche Erinnerung, entweder durch seine sportlichen Erfolge, vor allem aber durch seine zahlreichen Auftritte als Ausnahmemusiker. Am heutigen Samstag feiert Reinar Krennrich seinen 90. Geburtstag.

Die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte er in Ottenau, die folgenden fünf Jahre lebte er mit seiner Familie in Rastatt. Als sein Vater 1938 im Gaggenauer Rathaus eine Anstellung als Buchhalter bekam, zog die Familie zurück ins Murgtal. Seine Mutter fand bald schon eine Anstellung als Kassiererin im Kaufhaus Guggenheim, später Bracht, gegenüber der Stadtkirche. In Gaggenau besuchte Krennrich zunächst vier Jahre die Volksschule, anschließend die Realschule, die zu der Zeit in der späteren Gastwirtschaft „Alte Schul“ eingerichtet war. Da sein Vater das Schulgeld von 20 Reichsmark nicht aufbringen konnte, setzte sich sein Lehrer für ihn bei der Stadtverwaltung ein und erreichte, dass ihm dieses erlassen wurde.

Im August 1945 bekam er im Benzwerk Gaggenau eine Anstellung als Hilfsarbeiter in der Elektroabteilung, später wechselte er ins Büro, wo er bis zu seinem Ruhestand 1992 „als Elektroingenieur ohne Studium“ tätig war.

In jungen Jahren erfolgreicher Sportler

Bis zu seinem 24. Lebensjahr spielte Sport in seinem Leben eine große Rolle. Besonders die Leichtathletik hatte es ihm angetan. „1953 war ich der schnellste südbadische Mittelstreckenläufer über 1.500 und 3.000 Meter“, sagt Krennrich stolz. „Für Baden nahm ich auf Bundesebene an vielen Wettbewerben teil. Einer meiner Höhepunkte war der Lauf beim Deutschen Turn- und Sportfest in Leipzig vor 35.000 Zuschauern.“

Abseits vom Sport galt seine große Leidenschaft schon immer der Musik. Mit 15 Jahren begann er Trompete zu spielen, doch erst mit 24 Jahren nahm er Unterricht bei Walter Gleissle, seinerzeit Solo-Trompeter beim Südwestfunk. Reinar Krennrich übte täglich zwei Stunden auf der Trompete. Die Technik des „drucklosen Ansatzes“ prägte seine Spielweise. Hierbei wird das Mundstück nicht an die Lippen angepresst, sondern mit gespitzten Lippen und gewölbter Zunge gegen den Gaumen gepresst.

1970 gründete er in Gaggenau eine Big Band, die er sechs Jahre lang leitete. „Bei Konzerten war die Jahnhalle mit 800 Zuhörern oft besetzt bis auf den letzten Platz.“ Ab 1976 schloss sich der passionierte Musiker dann der Big Band Baden-Baden an, einer semi-professionellen Band unter der Leitung von Werner Baumgart. Die Band zählte damals zu den besten Big Bands jener Zeit und spielte bei zahlreichen namhaften Anlässen, zum Beispiel beim Deutschen Filmball in München, bei politischen Veranstaltungen sowie im angrenzenden Ausland. Als sich die Big Band auflöste, spielte er zunächst bei der Stadtkapelle in Rastatt und gründete dort die Big Band Rastatt, die er einige Jahre leitete.

Daneben engagierte sich Reinar Krennrich oft in mehreren Musikprojekten gleichzeitig. Als Trompeter war er sowohl beim SWF als auch bei Kirchenkonzerten gefragt. „Ich habe in so circa jeder Kirche zwischen Offenburg und Bruchsal schon einmal gespielt.“ Darüber hinaus machte er mit verschiedenen Kapellen an Wochenenden Tanzmusik, etwa im „Corporal’s Club“ in Söllingen, aber auch in der Jahnhalle und der Gambrinushalle in Gaggenau sowie im „Lauinger“ in Malsch. 15 Jahre lang unterrichte er im Fach Trompete, zehn Jahre davon an der Gaggenauer Musikschule. Bis zu seinem 74. Lebensjahr war er 30 Jahre lang aktives Mitglied der Stadtkapelle Gernsbach. Aus gesundheitlichen Gründen musste Krennrich vor acht Jahren das Trompetespielen an den Nagel hängen.

Herumsitzen kommt für ihn nicht infrage. Täglich trainiert er eine Stunde im Fitnessstudio Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit. Neben der täglichen Lektüre des Badischen Tagblatts gehört die SWR-Sendung „Kaffee oder Tee“ zum Tagesprogramm des leidenschaftlichen Pfeifenrauchers. Seinen Geburtstag begeht der Vater von zwei Söhnen und Opa von drei Enkeln im kleinen Kreis mit seiner Frau Gerda.

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Erstellt:
28. August 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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