Beliebtes Gourmet-Hopping von Schloss Eberstein aus

Gernsbach (ham) – Das Restaurant von Bernd Werner in Schloss Eberstein „verteidigt“ seit 16 Jahren seinen wichtigen Guide-Michelin-Stern. Und das Murgtal bleibt ein „Genusstal“.

Sterne-Koch Bernd Werner hat auf Schloss Eberstein alles österlich dekoriert. Der putzige Strohhase auf dem Wagen kommt natürlich nicht in die Pfanne. Foto: Hartmut Metz/BT

Sterne-Koch Bernd Werner hat auf Schloss Eberstein alles österlich dekoriert. Der putzige Strohhase auf dem Wagen kommt natürlich nicht in die Pfanne. Foto: Hartmut Metz/BT

„Heimischer Rehrücken mit Steinpilzen, Rote-Bete-Crunch und Selleriepüree“ ist eines von 60 neuen Gerichten, die Bernd Werner mit seinem Team um Chefkoch Andreas Laux in der Pandemiezeit kreierte. Ob es der Tester vom Guide Michelin orderte und wieder den begehrten Stern dafür verlieh, ist nicht überliefert – sicher ist nur: Dem „Schlossherrn“ Werner läuft bei seinem neuen Lieblingsgericht Rehrücken das Wasser im Munde zusammen.

Dass die französische Bibel der Gourmets zum 16. Mal in Folge Werners Restaurant mit einem Stern adelte, macht den 54-Jährigen „stolz“. Als der gebürtige Offenburger vor 17 Jahren das alte Gemäuer Burg oberhalb von Gernsbach übernahm, hatte er „nicht damit gerechnet, so schnell“ einen Stern zu erkochen. „Das war eine Überraschung!“, erinnert sich Werner und freut sich noch mehr, dass sein Team diese „Ehre seitdem verteidigte“.

Letzteres ist wirtschaftlich wichtig: „Den Stern zu verlieren, wäre schon ein Rückschlag“, gesteht Werner unumwunden mit Blick murgabwärts, wo „Raubs Landgasthof“ in Oberndorf ebendies zu beklagen hat. An der Ausnahmestellung des Murgtals ändert das freilich wenig: Acht Sterne notiert der Guide Michelin allein in Baiersbronn (das BT berichtete). Zusammen mit dem einen in Gernsbach sind es neun und damit ist laut Werner „für alle Gäste das Murgtal ein Genusstal. In anderen Gegenden muss man 300 Kilometer fahren, um so viele Sterne genießen zu können – bei uns kann man sogar alle mit der Stadtbahn erreichen“.

Gutes Miteinander mit den Platzhirschen

Konkurrenz-Denken zu den Baiersbronner Platzhirschen in der „Traube Tonbach“ und zum „Bareiss“ pflegt Werner nicht – im Gegenteil: „Wir arbeiten auf vielen Ebenen zusammen und schicken uns gegenseitig die Gäste. Es gibt viele, die ihr Gourmet-Hopping hier bei uns im Schloss inmitten von Weinbergen und wegen der Nähe zu Baden-Baden starten. Nach einer Nacht in unserem Hotel ziehen sie weiter, um das außerordentliche Angebot in Baiersbronn, mit Kulinarik und Wellness für eine Woche zu genießen.“ Als Alternative gibt es außerdem im Ortsteil Schwarzenberg das Romantik-Hotel von Jörg Sackmann, dessen Restaurant „Schlossberg“ ebenfalls mit einem Stern dekoriert ist.

„An Geld dafür mangelt“ es gemäß Werner nicht. Nach den zwei Jahren der Enthaltsamkeit und des Sparens während der Pandemie gönnten sich die Leute wieder etwas. Nach zwei Wochen Pause, die auf Schloss Eberstein zum Dekorieren und Renovieren genutzt wurden, war am Wochenende „Werners Restaurant“ von Freitag bis Sonntag komplett ausgebucht, sieht sich der Gernsbacher in seinen Ausführungen bestätigt. Wer mit schmalerem Geldbeutel ausgestattet ist, kann sich seit vergangenen Mittwoch bei ihm in der „Schloss-Schänke“ wieder bedienen lassen.

In den Zeiten der Lockdowns lag sein Team nicht auf der faulen Haut. Der Spitzenkoch kreierte 60 neue Gerichte. Weil auch andere Kollegen in der Zwangspause die Muße hatten, ihre Rezepte zu verfeinern oder sich neue auszudenken, verblüfft es Werner wenig, dass es mehr deutsche Restaurants gibt, die vom Guide Michelin ausgezeichnet wurden. „Die Guten sind während Corona noch besser geworden“, meint Werner und bedauert im nächsten Atemzug, „leider haben in der Zeit 25.000 Gastrobetriebe aufgegeben.“

Zwei Sterne „kein Ziel“

Umso schöner sei es für ihn als Unternehmer, jetzt wieder die „Juroren überzeugt zu haben“. Kann man die Tester nicht irgendwie erkennen und besonders verwöhnen? Der 54-Jährige schüttelt den Kopf. „Wenn es eine Reservierung für zwei Personen vorgenommen wurde und nur eine kommt“, nennt der „Schlossherr“ das einzige Indiz. Daher setzt er auf „gleich bleibende Qualität“, auch wenn man sich „an manchen Tagen besonders reinhängen muss, um das hohe Niveau zu halten“. Für die Anstrengung sei die „Freude der Gäste ein schöner Lohn“, erläutert der Sterne-Koch, was ihn täglich antreibt.

Der Griff nach einem zweiten Stern treibt ihn allerdings nicht an. „Nein, das ist nicht unser Ziel. Dafür sind wir zu quirlig mit unserem Konzept, bis zu drei Feste gleichzeitig auszurichten, und zu sehr auf einen Stern ausgerichtet“; wehrt Bernd Werner ab, „zwei Sterne ist eine ganz andere Liga und anderer Aufwand.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Hartmut Metz

Zum Artikel

Erstellt:
16. März 2022, 13:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 03sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.