Benz-Werk Gaggenau wird Kompetenzzentrum für E-Antriebe

Gaggenau (tom) – Das Mercedes-Benz-Werk-Gaggenau soll sich zum Kompetenzzentrum für elektrische Antriebskomponenten und für die Montage wasserstoffbasierter Brennstoffzellenaggregate weiterentwickeln.

Das Mercedes-Benz-Werk in Gaggenau ist die älteste noch aktive Automobilfabrik der Welt. Foto: Willi Walter

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Das Mercedes-Benz-Werk in Gaggenau ist die älteste noch aktive Automobilfabrik der Welt. Foto: Willi Walter

Die Vereinbarung habe eine Laufzeit bis 2035, sagte Betriebsratsvorsitzender Michael Brecht am Freitagnachmittag in einer Telefonkonferenz. An ihr nahm auch Yaris Pürsün teil. Er ist Leiter der globalen Produktion von Antriebskomponenten für Daimler Truck.

Für die beiden anderen Aggregat-Standorte von Daimler ist Folgendes geplant:

Das Werk Kassel erweitert seinen Schwerpunkt von Nutzfahrzeugachsen und wird Kompetenzzentrum für elektrische Antriebssysteme. Das Werk Mannheim, Werk für Nutzfahrzeugmotoren, fokussiert sich auf Batterietechnologien und Hochvoltsysteme.

Bestandteil des Technologieverbunds für elektrische Antriebskomponenten und Batteriesysteme sind zusätzliche „Innovations-Laboratorien“ in allen Werken. Sie spezialisieren sich auf innovative Produktionsprozesse, neue Technologien und Produkte. Sie sollen die Lücke zwischen Prototypen und Serienentwicklung schließen. Mit dem in Mannheim angesiedelten „Inno-Lab Batterie“ will Daimler Truck eine eigene Pilot-Batterie-Zellfertigung als Grundstein für Batterietechnologie aufbauen. Für Brecht ein unverzichtbarer Schritt: „Wir müssen die Batteriezelle künftig selber machen. Denn heute sind wir total abhängig von anderen Lieferanten. Die Zelle ist das Herz der Batterie.“

Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland

Die Eckpunkte der Vereinbarung sehen vor, dass Daimler Truck substanziell in die Standorte investiert und damit ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland abgibt. Es handele sich um insgesamt 500 Millionen Euro in den nächsten sechs bis sieben Jahren für alle drei Standorte.

Gleichzeitig werden „ausreichende Flexibilitätsvereinbarungen getroffen“, so Daimler. „Von der Standortbelegschaft muss sich niemand Gedanken machen“, betonte Brecht; gleichwohl werde es einen Zuwachs bei Leiharbeitern geben. Derzeit sind es rund 100 am Standort Gaggenau. Pürsün betonte: „Jeder Standort und jeder Mitarbeiter hat eine Perspektive in unserem Haus.“

Wie viele der derzeit rund 6.300 Stellen am Standort Gaggenau in fünf oder zehn Jahren noch da sein werden? Darauf wollten sich weder Brecht noch Pürsün angesichts der Dynamik der Entwicklung festlegen lassen. Aber: Elektromobilität werde langfristig sinkende Belegschaften mit sich bringen, räumte Pürsün ein.

Betriebsvereinbarung steht noch aus

Wichtige Produktionen für alternative Antriebe, wie elektrisch angetriebene Achssysteme, E-Motoren und Inverter sowie Brennstoffzellen-Systeme werden, neben Investitionen in die Wiederaufbereitung und Recycling von Batteriesystemen, künftig in den Aggregate-Werken integriert sein.

Brecht betonte: „Für die nahe Zukunft ist eine wichtige Botschaft, dass wir weiterhin Nutzfahrzeuggetriebe produzieren. Und zwar so lange, wie sie nachgefragt und gebraucht werden.“

Zusätzlich zur Montage von Brennstoffzellen (ab 2026/27) soll Gaggenau im Verbund mit Kassel mechanische Bauteile für elektrifizierte Achsen produzieren. „Denn auch alternativ angetriebene Nutzfahrzeuge werden viele mechanische Bauteile brauchen.“

Ein „Innovations-Labor eKomponenten“ werde in Gaggenau ebenfalls angesiedelt. „Insgesamt haben wir auch an unserem Standort einen großen Schritt in Richtung Zukunftstechnologien getan“, versicherte Brecht. Eine langfristige Perspektive der drei Standorte und deren Belegschaften sei gesichert. Nun gelte es, „massiv auch in die Qualifizierung und Weiterbildung zu investieren.“ Und es gehe an die Ausgestaltung von verbindlichen Betriebsvereinbarungen: „Wir rechnen mit einem Abschluss im dritten Quartal.“

Harte Verhandlungen im Vorfeld

Auch Thomas Twork, Standortverantwortlicher des Benzwerks, verbreitete Zuversicht: „Diese richtungsweisende Vereinbarung legt den Grundstein für ein weiteres erfolgreiches Kapitel, das die über 100-jährige Erfolgsgeschichte ,Made in Gaggenau‘ weiterschreibt. Ich bin stolz, dass dieser Standort einen wichtigen Beitrag zum CO2-neutralen Transport leisten wird.“ Der Weg dahin war nicht leicht. Sowohl Brecht als auch Pürsün bestätigten harte Verhandlungen im Vorfeld.

Die drei Standorte Gaggenau, Kassel und Mannheim werden sich künftig also auf unterschiedliche Komponenten elektrifizierter Antriebe spezialisieren. Sie sollen, so erläuterte Daimler in einer Pressemitteilung, künftig in einem Produktions- und Technologieverbund für elektrische Antriebskomponenten und Batteriesysteme, gemeinsam mit dem Schwesterwerk in Detroit, die globale Produktion von batterieelektrischen und wasserstoffbasierten Antrieben vorantreiben. Mit zusätzlichen, signifikanten Investitionen in Zukunftstechnologien werde an den Daimler Truck Aggregate-Standorten der technologische Wandel vorangetrieben. Das Schwesterwerk in Detroit, welches Teil des globalen Produktionsnetzwerks für Antriebskomponenten ist, soll als Kompetenzzentrum für elektrische Antriebskomponenten eine wichtige Rolle im amerikanischen Markt einnehmen.

Zudem setzt Daimler laut der Mitteilung künftig auf zwei Antriebsformen: Batterie und wasserstoffbasierte Brennstoffzelle. Weiter wurde mitgeteilt, dass neben den Produkten auch die Aggregate-Werke ab 2022 kohlendioxidneutral werden sollen.

Als erster batterie-elektrisch angetriebener Lkw geht der Mercedes-Benz eActros für Strecken im Verteilerverkehr im Oktober 2021 im Mercedes-Benz Werk Wörth in die Serienfertigung, der eEconic folgt im nächsten Jahr. Der batterieelektrische eActros LongHaul für den Fernverkehr soll ab Mitte des Jahrzehnts folgen. Wichtige Komponenten dafür werden zukünftig in den Aggregate-Werken gefertigt.

Bericht über die jüngste Betriebsvereinbarung für den Standort Wörth.

Weiterer Bericht zum Thema.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
30. Juli 2021, 19:35 Uhr
Lesedauer:
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