Benz-Werk rollt über Wäldchen hinweg

Rastatt (ema) – Das Benz-Werk wird künftig direkt an die Ottersdorfer Straße heranreichen. Das Wäldchen wird verschwinden.

Das Wäldchen an der Ottersdorfer Straße zwischen Tor 6 und Tor 7 wird verschwinden. Foto: Mauderer

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Das Wäldchen an der Ottersdorfer Straße zwischen Tor 6 und Tor 7 wird verschwinden. Foto: Mauderer

Nachdem Mercedes-Benz seine großen Expansionspläne für das Rastatter Werk verworfen hat, schickt sich die Stadt an, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für kleinere Lösungen zur Nachverdichtung zu schaffen.
Der Gemeinderat brachte jetzt den Bebauungsplan „Automobilwerk“ auf den Weg. Die Konsequenzen werden künftig direkt an der Ottersdorfer Straße sichtbar sein. Das rund 5,3 Hektar große Wäldchen entlang der Kreisstraße darf dann für Neubauten gerodet werden. Die Fabrik würde also direkt bis an die Ottersdorfer Straße heranreichen. Zur Einbindung ins Landschaftsbild sollen entlang der Straße Bäume gepflanzt werden, wie Planerin Margarethe Stahl von der beauftragten LBBW Immobilien Kommunalentwicklung im Gemeinderat berichtete.

Die Erschließungsachsen, die künftig Bäume säumen werden, sollen so verändert werden, dass auch bis zu 500 Meter lange Hallen errichtet werden können. Bei Neubauten sind Dachbegrünungen geplant. Die Planung soll sowohl im Süden an der Ottersdorfer Straße als auch im Südosten am Riedkanal Überbauungen ermöglichen. Denkbar wären Verbindungsbrücken für den Verkehr als auch Verbindungen zwischen Gebäuden (Förderbrücken).

Keine neue Straße

Eine weitere Straße oder ein weiteres Tor sollen nicht gebaut werden, sagte Stahl. Das Unternehmen wolle mit den Möglichkeiten zur Nachverdichtung flexibler reagieren können, wenn man mit neuen Produkten, also Elektroautos, auf Marktveränderungen reagieren müsse.

Eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl sowie eine Steigerung des Güter- und Individualverkehrs rund ums Benz-Werk stellte die LBBW-Planerin in Abrede – auch weil das Unternehmen mehr Transporte auf die Schiene setzen und die Zahl der Parkplätze reduzieren wolle, wie ein Mercedes-Vertreter sagte.

Das blieb am Ratstisch nicht unwidersprochen. Mathias Köppel (CDU) sah eine Zunahme des Schwerlastverkehrs auf die Stadt zukommen. Er appellierte, die „welligen“ Straßen am Werksrand zu ertüchtigen und bekräftigte die Anregung, eine Verlängerung der Werkrandstraße (K3769) zur Nordwestumgehung (L 77a) anzugehen.

Zur Anregung von Grünen-Fraktionschef Roland Walter, weißen Asphalt zur Klimaschonung zu verwenden, wusste der Mercedes-Vertreter nichts zu sagen – ebenso wenig wie zu Walters Frage, ob Daimler wie angekündigt ab 2022 CO2-neutral produziere.

Wie die Rodung des Waldes kompensiert werden kann, ist momentan noch offen. Stadtplaner Markus Reck-Kehl sagte, man sei in Gesprächen mit Landwirten, um eine geeignete Fläche für eine Umwandlung zu finden.


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