Berghof-Brand in Bühl: Prozess wird 2021 neu aufgerollt

Bühl (nof) – Der Prozess um den Brand der ehemaligen Berghof-Klinik nahe dem Kurhaus Sand ist ausgesetzt. Im kommenden Jahr muss das Schöffengericht am Amtsgericht Baden-Baden den Fall neu aufrollen.

Der Brand der ehemaligen Berghof-Klinik beschäftigt das Schöffengericht. Foto: Bernhard Margull/Archiv

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Der Brand der ehemaligen Berghof-Klinik beschäftigt das Schöffengericht. Foto: Bernhard Margull/Archiv

Vor Gericht verantworten müssen sich drei Männer um die 70, denen die Staatsanwaltschaft versuchten Versicherungsbetrug, Beihilfe dazu und uneidliche Falschaussage vorwirft. Erst am vergangenen Mittwoch war die Hauptverhandlung begonnen worden. Doch nach nur einem Prozesstag ist nun schon wieder Schluss: Am Donnerstag hatte Amtsrichter Richter David Metz den Beschluss an die Prozessbeteiligten versendet, den Strafprozess noch in diesem frühen Stadium wieder abzubrechen. Doch wohl nicht alle hat das Fax erreicht: Ein Angeklagter samt Verteidiger wurde am Montag, als der Prozess eigentlich hätte fortgesetzt werden sollen, von der Information überrascht.

Prozess kurzfristig abgebrochen

Den kurzfristigen Abbruch des Prozesses begründete Metz mit der Vielzahl an noch zu findenden Prozessterminen, die sich bereits am Mittwoch herauskristallisiert hatte. Bislang waren für den Prozess fünf Verhandlungstage im November anberaumt. Doch zeigte sich, dass das für die aufwendige Beweisaufnahme wohl nicht reichen würde. Eine Hauptverhandlung darf maximal für drei Wochen unterbrochen werden. „Würden wir einmal keinen Termin finden, müssten wir alles von Neuem aufrollen“, erklärte Richter Metz. Deshalb habe er sich dafür entschieden, den Prozess im kommenden Jahr ganz neu anzusetzen. „Vermutlich im Frühjahr“, so Metz.

Aufwendige Beweisaufnahme

Wie aufwendig und langwierig sich die Beweisaufnahme gestalten würde, wurde schon beim Prozessauftakt deutlich, als sich die Zeugenanhörung deutlich länger hinzog als vermutet. Angeklagt sind ein Hotelier (69), ein Projektmanager (71) und ein Maurermeister (69). Dem Hotelier und Eigentümer der ehemaligen Therapie-Klinik Berghof wird versuchter Versicherungsbetrug vorgeworfen. Das Gebäude war 2013 in Flammen aufgegangen. Brandstiftung machte die Polizei als Ursache aus, die Täter wurden aber nie gefasst.

Mitangeklagter räumt Falschaussage ein

Der Hauptangeklagte soll im Nachgang des Brandes versucht haben, die Gebäudeversicherung über den Zustand der Immobilie vor dem Feuer zu täuschen, um eine Versicherungsprämie einzustreichen. Zweimal ist er mit einer Klage vor Zivilgerichten gegen die Versicherung, die eine Schadensregulierung verweigerte, gescheitert. Nun muss er sich selbst vor Gericht verantworten. Denn das Gebäude war – so die Annahme der Staatsanwaltschaft – alles andere als in einem sanierten Zustand, der eine kurzfristige Wiedereröffnung als Hotel oder Asylantenheim erlaubt hätte.

Die Mitangeklagten sollen den Hotelier bei dieser Behauptung wider besseren Wissens gestützt haben. Der 71-Jährige hat seine Falschaussage bereits eingeräumt und vor Gericht berichtigt: „Es sah aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Und es stank nach Schimmel.“ Der 69-jährige Maurermeister gab am ersten Prozesstag an, seine Stellungnahme zum Zustand des Gebäudes aus Erinnerungen einer früheren Begehung gemacht zu haben, bei der man ihm nur ordentliche Zimmer gezeigt habe.

Mit der Betrachtung Dutzender Fotos, die die Räumlichkeiten des Berghofs kurz nach dem Brand vom Juni 2013 zeigten, war das Gericht vergangene Woche in die Beweisaufnahme eingestiegen. Dabei ging es um die zentrale Frage, welchen Zustand das Gebäude vor dem Brand gehabt hatte. Mehr als drei Stunden gab auch ein Schadensregulierer der Versicherung seine Erinnerungen an die damalige Begehung der Brandruine zu Protokoll. Der Verteidiger des Hauptangeklagten bohrte dabei immer wieder nach. Nun sehen sich alle Prozessbeteiligten wohl erst im kommenden Jahr vor Gericht wieder.

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Erstellt:
16. November 2020, 17:33 Uhr
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