Berghof-Prozess: Fotos und Vorstrafen im Fokus

Bühl (nie) – Der 69-jährige Eigentümer der ehemaligen Berghof-Klinik soll nach dem großen Brand versucht haben, die Versicherung zu täuschen. Am Donnerstag soll das Urteil gefällt werden.

Die Fassade des ausgebrannten Gebäudes. Foto: Sarah Reith

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Die Fassade des ausgebrannten Gebäudes. Foto: Sarah Reith

Es wäre nicht die erste Verurteilung für die beiden Männer auf der Anklagebank: Am Montag, am vorletzten Verhandlungstag im Prozess um den Berghof-Brand aus dem Jahr 2013, hat Amtsrichter David Metz zum Schluss die vorhandenen Einträge der beiden Angeklagten im Bundeszentralregister (BZR) verlesen. Da schafft es der Hauptangeklagte auf fünf Einträge. Der 69-jährige Eigentümer der ehemaligen Berghof-Klinik wurde laut BZR unter anderem in den Jahren 2017 bis 2020 schon wegen einer Insolvenzverschleppung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort schuldig gesprochen. Offen ist noch ein Urteil wegen einer angeklagten Steuerhinterziehung und versuchter Steuerhinterziehung. Und eben wegen der Vorwürfe des jetzigen Verfahrens am Baden-Badener Amtsgericht: Er soll versucht haben, die Versicherung zu täuschen, in dem er nach dem Brand des Berghofs falsche Angaben gemacht haben soll. Seiner Aussage zufolge stand das Gebäude kurz vor der Eröffnung als Hotel – die Versicherung glaubte ihm aber nicht und kam damit auch nicht der von ihm geforderten Schadensregulierung nach.

Bereits 17 Vorstrafen vermerkt

Der wegen Falschaussage mitangeklagte 72-Jährige bringt es gar auf 17 Vorstrafen, die ersten sind aus dem Jahr 1975, und einige wurden mit Freiheitsstrafen belegt. In den Fällen ging es laut BZR auch um Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl und zuletzt 2019 um Beleidigung.

Zu Beginn verlas Richter Metz am Montag einige Schreiben des Angeklagten an eine Immobilienmanagement GmbH mit Sitz in Berlin aus den Jahren 2008 und 2009, in denen er um Zahlungsaufschub gebeten hatte. Und zwar aufgrund von Auflagen, die es ihm noch nicht möglich gemacht hätten, das Hotel (es sollte wohl den Namen „Baden-Badener Tor“ erhalten) eröffnen zu können. Er nannte darin unter anderem eine Brandmeldeanlage, die noch gefehlt haben soll – ansonsten habe er alles erneuert, und rund eine Million Euro dafür investiert. Er habe gerne schon Ende 2008 sein Hotel in Betrieb nehmen wollen.

Wie schon an vielen Prozesstagen zuvor spielten auch Fotos wieder eine Rolle: Gezeigt wurden Aufnahmen aus den Jahren 2010 und 2011, die ein Gutachter gemacht hatte. Dieser sollte die Folgen nach einem Wasserschaden beurteilen. Zu sehen waren zum Beispiel teils eingerichtete Zimmer, teils aber auch unverputzte Wände.

Am kommenden Donnerstag ist nach elf Verhandlungstagen nun Endspurt: Es sollen Plädoyers gesprochen und das Urteil gefällt werden. Beginn ist um 9 Uhr.

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Erstellt:
26. April 2021, 18:00 Uhr
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