Bergwacht im Einsatz auf dem Kaltenbronn

Gernsbach (vgk) – Sie rettet Menschen aus höchster Not, doch wenig ist bekannt über die Bergwacht auf dem Kaltenbronn. Wer sind die Leute um ihren Vorsitzenden Daniel Schöninger?

Zuständig für den Kaltenbronn: Daniel Schöninger ist Vorsitzender der Bergwacht Schwarzwald, Ortsgruppe Pforzheim. Foto: Veronika Gareus-Kugel

© vgk

Zuständig für den Kaltenbronn: Daniel Schöninger ist Vorsitzender der Bergwacht Schwarzwald, Ortsgruppe Pforzheim. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Sonne, Schnee, Winterglück. Die Kehrseite der Medaille sind volle Parkplätze und zugeparkte Zufahrtsstraßen. Für Rettungskräfte im Einsatz ist oftmals kein Durchkommen und dies trotz Blaulicht. Das Höhengebiet des Kaltenbronn ist da nicht ausgenommen. Auch an diesem Vormittag sind die Parkplätze entlang der Straße bereits gut belegt. Den Autos entsteigen Wanderer, Schneeschuhwanderer und Langläufer.

„Das werden sicherlich noch mehr, bislang ist nicht Schulschluss“, meint voller Überzeugung Daniel Schöninger. Er ist Vorsitzender der Bergwacht Schwarzwald, Ortsgruppe Pforzheim und damit zuständig für den Kaltenbronn.

Bergrettungswache Kaltenbronn: Im Winter ist sie samstags und sonntags und an Feiertagen besetzt. Foto: Bergwacht

© vgk

Bergrettungswache Kaltenbronn: Im Winter ist sie samstags und sonntags und an Feiertagen besetzt. Foto: Bergwacht

Und als ob irgendetwas zu beweisen gewesen wäre: Nur zwei Stunden später schreibt Schöninger in einer E-Mail: „Es gab heute einen Realeinsatz auf der Hohloh-Loipe.“ Ein medizinischer Notfall forderte Bergwacht, Rettungsdienst, Polizei und Rettungshubschrauber. Dieses Mal funktionierte die Rettungskette reibungslos. Dies sei jedoch nicht immer so, beginnt Schöninger zu erzählen.

Selbst die extra für das Einsatzfahrzeug der Bergwacht angelegte Haltebucht wurde in der Vergangenheit trotz absoluten Halteverbots zugeparkt. Das habe er noch nie so erlebt.

In den Wintermonaten ist die Hütte der Bergwacht jeweils samstags und sonntags sowie an den Feiertagen mit fünf Bergrettern besetzt. Neben einem Lager und Aufenthaltsraum sowie Ausrüstung beherbergt das Holzgebäude einen Sanitätsraum, ausgestattet mit Krankenliege und Wärmelampe für die Erstversorgung, bis der Patient dem Rettungsdienst übergeben werden kann.

Bei Nebel, Schneeund Dunkelheit

Die allermeisten der aktiven Kräfte sind im Ehrenamt unterwegs. Wie die Kollegen der Feuerwehren tragen Bergwacht-Mitglieder einen digitalen Funkempfänger. Den Marschbefehl gibt die Leitstelle. Dann heißt es, den Arbeitsplatz, das Familienessen oder die Feier zu verlassen und zum Einsatzort zu eilen. Während sich Feuerwehren in ihren Depots treffen, kann es bei der Bergwacht passieren, dass das Einsatzfahrzeug sich mit nur zwei Personen auf den Weg macht. Die Kameraden werden wie an der Perlenschnur aufgereiht unterwegs eingesammelt.

Der Kaltenbronn ist kein einfacher Einsatzort. Im Winter machen Dunkelheit, Schnee oder Nebel den Einsatzkräften das Leben schwer. Hinzu kommt eine schwierige Geländetopografie. Der mäßige Handyempfang tut sein Übriges. Wer meint, beim Schneeschuhwandern die Wege verlassen zu müssen, der spielt mit seinem Leben. Die Retter wissen nie, was sie beim Einsatz erwartet. „Auch Totenbergung gehört leider zu unseren Aufgaben“, führt der Vorsitzende aus.

Glück im Unglück hatte vor zwei Jahren ein verirrter Langläufer, erzählt Schöninger von einer dramatischen Rettungsaktion: Nachdem die Person nicht wie vereinbart am Abend nach Hause zurückkehrte, alarmierte die Familie Polizei und Rettungsdienst. Die Nacht war kalt. Dem Vermissten wurden kaum Überlebenschancen eingeräumt. Nach erfolgloser Suche wurde am nächsten Morgen die Bergwacht alarmiert. Bis dahin ein ganz normales Prozedere. „Polizei und Rettungsdienst sind immer die Ersten“, die verständigt werden, weiß der Bergwachtleiter, „wir bergen im Gelände und fahren den Verletzten bis zur vereinbarten Übergabestelle.“

Mit dem Kettenfahrzeug unterwegs

So auch in diesem Fall. Der Verunglückte wurde mit starker Unterkühlung gefunden und mit dem ATV Schneefahrzeug (All Terrain Vehicle) mit angehängter Trage vorsichtig zum Rettungshubschrauber gefahren. Das ATV ist ein echter Allrounder. Bereifung macht das Schneemobil geländetauglich. Im Winter verwandeln es Ketten in eine Schneeraupe.

Außerdem übernehmen speziell ausgebildete Bergretter die Einweisung der Helikopter. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine knallrote Warnweste. Die Sichtverhältnisse für den Piloten sind während des Landeanflugs durch aufwirbelnden Schnee alles andere als gut. Die rote Weste dient ihm zur Orientierung. Nach der Landung hat der kniende Einweiser von der Bergwacht nur einen halben Meter Abstand zur Hubschrauber-Kanzelspitze. Dazu gehören Vertrauen, Mut und Können auf beiden Seiten.

Es gibt nur wenige Flächen, auf denen ein Rettungshubschrauber im Höhengebiet gut landen kann. Die zwei in Frage kommenden Plätze, der Schlittenhang gegenüber der Bergwachthütte oder der Parkplatz auf der Schwarzmiss, müssen dann geräumt und gesperrt werden. An besonders schönen Tagen, wenn Wintersportler das Gebiet fluten, eine heikle Aufgabe. Im unwegsamen Gelände bleibt den Ehrenamtlichen nur noch die Windenrettung via Hubschrauber.

Ihr Autor

Veronika Gareus-Kugel

Zum Artikel

Erstellt:
18. Januar 2022, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.