Berlin bewilligt zweite Tranche für eWayBW

Berlin/Murgtal (red) – Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) hat gut 7,3 Millionen Euro für die zweite Stufe des Pilotprojekts eWayBW bewilligt.

Aufnahme vom Aufbau der Anlage entlang der Bundesstraße. Foto: Hartmut Metz/Archiv

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Aufnahme vom Aufbau der Anlage entlang der Bundesstraße. Foto: Hartmut Metz/Archiv

Dies hat das Verkehrsministerium in Stuttgart gemeldet. Die Fördermittel für die Teststrecke für Oberleitungs-Lkw im Murgtal stammen aus dem von der Bundesregierung initiierten und vom Deutschen Bundestag beschlossenen Förderprogramm „Erneuerbar mobil“.

Nachdem das Land vor einem Jahr in Anbetracht der damaligen Vergabe der Bauleistungen vom BMU die Zusicherung der grundsätzlichen Förderfähigkeit der zweiten Projektstufe erhalten hatte, wurde mit dem Förderbescheid vom 10. Dezember 2020 nun das detaillierte Arbeitsprogramm sowie die dafür erforderlichen Fördermittel bewilligt.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte: „Mit dem Förderbescheid dokumentiert der Bund, dass er fest zu unserem Feldversuch steht und er ermöglicht uns ein interessantes, aber auch anspruchsvolles Arbeitsprogramm im Bereich der wissenschaftlichen Begleitforschung.“ Hermann erinnerte daran, dass der Betrieb der Oberleitungs-Lkw „keinen Selbstzweck“ darstelle. Der Feldversuch sei vielmehr darauf ausgerichtet, die Funktionalität und Zuverlässigkeit der Oberleitungs-Infrastruktur sowie der Hybrid-Oberleitungs-Lkw (HO-Lkw) in einem bestehenden Logistikprozess ergebnisoffen zu erproben sowie Verknüpfung zu weiteren Zukunftstechnologien herzustellen. Auf die Arbeitspakete der wissenschaftlichen Begleitforschung würden daher knapp 3,6 Millionen Euro und damit auch fast die Hälfte der Fördermittel entfallen. Gut 3,7 Millionen Euro sind für den Anlagenbetrieb sowie für den möglichen Rückbau der Anlage vorgesehen.

Strom von der Schwarzenbachtalsperre

Größter Einzelposten beim Anlagenbetrieb sind die Kosten für den Bezug der elektrischen Energie für die HO-Lkw. Hermann betonte, dass das Land sich beim BMU erfolgreich dafür eingesetzt habe, den Strom direkt bei der Eneregio GmbH zu beziehen. „Wir erreichen so, dass die Wertschöpfung vor Ort verbleibt und die von der Eneregio erwirtschafteten Überschüsse in gemeinnützige Projekte in Kuppenheim zurückfließen.“ Zugleich könne so erreicht werden, dass der von der Eneregio gelieferte Strom direkt aus dem Rudolf-Fettweis-Werk in Forbach stamme, das die EnBW als weiterer Gesellschafter der Eneregio dort betreibt. „Mit dem Einsatz der Wasserkraft aus der nur 19 Kilometer entfernten Schwarzenbachtalsperre zeigen wir dann auch eine große Chance der Oberleitungstechnologie auf: die standortnahe und hocheffiziente Verwendung von dezentral gewonnenem Ökostrom zur Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs.“, erklärte der Minister.

Größter Einzelposten im Bereich der wissenschaftlichen Begleitforschung seien die Beschaffung und der Einsatz eines rein elektrisch betriebenen HO-Lkw. Diesem stehe außerhalb der Oberleitungen für die Fortbewegung eine Traktionsbatterie zur Verfügung – und damit kein zusätzlicher Verbrennungsmotor. Diese Sattelzugmaschine soll parallel zu den fünf HO-Lkw der Firma Scania sowie dem reinen batterieelektrischen Fahrzeug der Daimler AG eingesetzt werden.

Um auch bei den Scania-Lkw eine vollständige Dekarbonisierung zu erreichen, soll zudem ein solches Fahrzeug über ein Jahr hinweg mit sogenannten reFuels betrieben werden. Der synthetische Kraftstoff werde dabei aus der Versuchsanlage in Karlsruhe stammen, die vom Land im Rahmen des Projekts „reFuels – Kraftstoffe neu denken“ gefördert wird. Auch hier handele es sich um regional erzeugte Energie. „Wir haben immer betont, dass wir den Feldversuch eWayBW technologieoffen voranbringen wollen“, betonte Hermann, „umso mehr freut es mich, dass wir nun vier unterschiedliche Antriebstechnologien in die Anwendung und damit auch in den Technologievergleich bringen können. Das mit der Automobilindustrie stark verbundene untere Murgtal wird so zum Schaufenster für einen klimagerechten Straßengüterverkehr – wenn das mal keine Chance für die Region ist!“


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