Besonderes „Markenprodukt“ aus Gaggenau

Berlin/Gaggenau (BT) – Ein historisches Fahrzeug aus Gaggenau ist Inhalt einer neuen Sonderbriefmarke. Es handelt sich um einen Bergmann-Traktor aus dem Jahr 1906.

Die Sonderpostwertzeichen-Serie und die Ersttagsstempel hat Nadine Nill aus Mössingen gestaltet. Foto: Finanzministerium

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Die Sonderpostwertzeichen-Serie und die Ersttagsstempel hat Nadine Nill aus Mössingen gestaltet. Foto: Finanzministerium

Dies meldet das Bundesministerium der Finanzen. Die Behörde gibt im August die Sonderpostwertzeichen „Historische Nutzfahrzeuge“ aus der Serie „Für die Jugend“ zur Unterstützung der Stiftung Deutsche Jugendmarke heraus. Die Briefmarken sind ab 5. August in den Verkaufsstellen der Deutschen Post erhältlich. Die Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn werde sie am Dienstag, 13. Juli, im Auto- und Traktormuseum in Uhldingen-Mühlhofen (Bodensee) vorstellen.

„Die Jugendmarken mit einem ,Plus‘ von wenigen Cent werden seit über 50 Jahren zugunsten der Stiftung Deutsche Jugendmarke herausgegeben. Mit den Pluserlösen fördert die Stiftung zahlreiche Maßnahmen zum Wohle von Kindern und Jugendlichen“, erläutert das Ministerium.

Die diesjährigen Jugendmarken zeigen Motive von historischen Traktoren. Es handelt sich dabei um folgende Fahrzeuge, wie Hubert Flaig erklärt. Er ist Geschäftsführer des Bundesverbands Historische Landtechnik Deutschland mit Sitz in Stuttgart:

Der Traktor aus dem Jahr 1906 wurde 1988 in einem Heuschober wiederentdeckt. Foto: privat/Archiv

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Der Traktor aus dem Jahr 1906 wurde 1988 in einem Heuschober wiederentdeckt. Foto: privat/Archiv

Der 1906 gebaute Bergmann wurde 1988 in einer Scheune in Bayern entdeckt. Eine Flachriemenscheibe zum Antrieb eines Mähwerks und ein Zugmaul wiesen den Scheunenfund als Traktor aus. Der Rahmen und der große Benz-Vierzylinder-Motor mit 6,8 Litern Hubraum stammen aus der Pkw-Fertigung der Bergmann-Industriewerke Gaggenau. Er verfügt über 30 PS, die ein Getriebe mit drei Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang über zwei Rollenketten auf die Hinterachse überträgt. Damit nahm Bergmann die Entwicklung von Kleintraktoren vorweg und war seiner Zeit weit voraus.

Porsche Diesel Master (1958): 1957 bis 1963 stellte die Porsche-Diesel Motorenbau GmbH in Manzell am Bodensee rund 120.000 Traktoren mit Dieselmotoren her. Die kurze, aber erfolgreiche Produktion basierte auf Modellen der Allgaier Werke GmbH, Uhingen. Als Allgaier 1956 die Traktorenproduktion einstellte, übernahm die Mannesmann AG nahtlos die Fertigung und vermarktete die Traktoren als „Porsche Diesel“ mit dem Zusatz „Junior“, „Standard“, „Super“ und „Master“ mit Motoren von einem bis vier Zylindern. Der Porsche Diesel Master, der von 1958 bis 1963 gebaut wurde, hatte einen Vierzylinder-Wirbelkammer-Motor von 50 PS.

Lanz HP Knicklenker (1923): 1923 stellte die Heinrich Lanz AG in Mannheim den Lanz HP Knicklenker vor. Ein mittiges Gelenk verbindet den vorderen mit dem hinteren Fahrzeugteil, sodass beim Lenken beide Einheiten zueinander abknicken. Allradantrieb und Lenkprinzip waren revolutionär und kommen bis heute bei Großtraktoren und Baumaschinen zur Anwendung. Der Glühkopf-Motor mit einem Zylinder und 6,2 Litern Hubraum leistet zwölf PS bei nur 420 Umdrehungen. Ein Schaltgetriebe gibt es nicht. Zum Rückwärtsfahren muss die Laufrichtung des Motors durch Pendeln des Schwungrads geändert werden.

Der Traktor aus dem Heuschober

Der Bergmann-Traktor entstand 1906 in der Süddeutschen Automobilfabrik in Gaggenau. Das Fahrzeug gehört zu den ältesten Traktoren Deutschlands und ist ein Einzelstück, das in einem Heuschober „überlebte“ und 1988 entdeckt wurde.

Der Traktor wurde in Gaggenau in den Bergmann-Industriewerken der Süddeutschen Automobilfabrik produziert. Diese wurde von der Benz & Cie. Mannheim übernommen und firmierte seit 1. Januar 1911 als Benzwerke Gaggenau.


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