Bessere Gesundheitsvorsorge beiderseits des Rheins

Baden-Baden (vn) – Eine Bürgerbefragung im Pamina-Gebiet offenbart großes Interesse an einem grenzüberschreitenden Gesundheitszentrum. Die Sprachbarriere stellt offenbar kein Hindernis dar.

Das deutsch-französische Ärztenetzwerk entlang des Oberrheins soll enger geknüpft werden. Dies ist das Ziel eines Pamina-Projekts. Foto: Stephan Jansen/dpa

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Das deutsch-französische Ärztenetzwerk entlang des Oberrheins soll enger geknüpft werden. Dies ist das Ziel eines Pamina-Projekts. Foto: Stephan Jansen/dpa

Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 wurden schwer erkrankte Patienten aus Frankreich nach Deutschland gebracht, um dort intensivmedizinisch versorgt zu werden. Diese unbürokratische Nachbarschaftshilfe soll nicht nur auf Katastrophen beschränkt bleiben. Der Eurodistrict Pamina lotet derzeit aus, wie eine grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung aussehen könnte.
Wichtiger Baustein ist eine Umfrage unter Bürgern beiderseits des Rheins, deren Ergebnisse seit Kurzem vorliegen. Die Umfrage ist Teil einer Machbarkeitsstudie und konzentriert sich auf die Einrichtung eines grenzüberschreitenden Gesundheitszentrums.

Knapp 300 Bürgerinnen und Bürger hätten die Fragen beantwortet, teilt Niels Herbst auf BT-Anfrage mit, der das Projekt beim Eurodistrict koordiniert: „Circa 70 Prozent auf der französischen Seite des Pamina-Gebiets und 30 Prozent auf der deutschen Seite“.

Das Interesse, ein grenzüberschreitendes Gesundheitszentrum aufzusuchen, wird von rund 90 Prozent aller Befragten bejaht. „Ich finde die Idee sehr gut, um die Region zu stärken und groß statt klein zu denken“, lautet beispielsweise eine zusätzliche Bemerkung im Fragebogen. Die Hauptgründe dieser positiven Einschätzung sind in der Hoffnung auf eine bessere Versorgung zu suchen, aber auch in der Erweiterung des Versorgungsangebots. „Es ist einfach, im Krankenhaus in Wissembourg eine Sprechstunde auf Französisch oder auf Deutsch zu bekommen. Man kann Ärzte aus beiden Ländern finden. Auf der deutschen Seite ist es viel schwieriger, einen französischsprachigen Arzt zu finden“, berichtet ein Teilnehmer. Ein Physiotherapeut aus Bühl findet die Idee eines grenzüberschreitenden Gesundheitszentrums großartig, weil die Spezialitäten der Physiotherapie in Frankreich und Deutschland unterschiedlich seien, zum Beispiel bei der Behandlung von Kindern oder bei der Behandlung von Patienten mit Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule).

Krankenkassen loben Potenzial

Gleichwohl haben 37 Prozent der Befragten auf deutscher Seite und 21 Prozent auf französischer Seite noch nie einen Arzt im Nachbarland besucht.

Drei Viertel der Befragten sind überzeugt, dass ein grenzüberschreitendes Gesundheitszentrum ihre Bedürfnisse würde erfüllen können. „Einige dieser Bedürfnisse stimmen auch überein“, analysiert die Firma Alcimed, die die Umfrage zusammen mit dem Eurodistrict durchführte. Jeweils 26 Prozent der Befragten beiderseits des Rheins nennen die Allgemeinmedizin als wichtigstes Bedürfnis. „Es ist anzumerken, dass die Mehrheit der Befragten, die über die Grenze fahren, um Fachärzte zu konsultieren, dies aufgrund der geografischen Nähe tun.“ Bemerkenswert sei, dass die Sprachbarriere zwar erwähnt wird, aber kein großes Hindernis für die Versorgung zu sein scheint. Größere Sorgen machen sich die Befragten um die Kostenerstattung.

Die Krankenkassen im Südwesten loben das „große Potenzial“ einer Zusammenarbeit im ambulanten Bereich, die in der Umfrage mit Zahlen unterlegt werden. Schon 2018 habe eine Vorabstudie im Grenzgebiet eine geringe Hausarztdichte auf deutscher Seite und eine ungleiche Verteilung von Fachärzten aufgezeigt, heißt es in einer Mitteilung der Verbändekooperation B52. Sie vereint vier Arten von Krankenkassen, die rund 55 Prozent der Bürger in Baden-Württemberg repräsentieren.

Im nächsten Schritt sollen Fragen unter anderem der Kostenübernahme und der Abrechnung, des Patiententransports und der Vereinbarkeit der unterschiedlichen ärztlichen Praxis in beiden Ländern geklärt werden, so die B52-Verbändekooperation.

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
17. August 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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