Besserer Lärmschutz erforderlich

Durmersheim (HH) – Aufgrund eines schalltechnischen Gutachtens fordert das Landratsamt eine Lärmschutzwand neben dem geplanten Neubau der Feuerwache. Der Bebauungsplan wurde deshalb nun geändert.

Das Gelände für ein neues Feuerwehr-Gerätehaus muss angefüllt und zur Würmersheimer Straße (hinten) durch eine Lärmschutzwand abgeschirmt werden. Foto: Helmut Heck

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Das Gelände für ein neues Feuerwehr-Gerätehaus muss angefüllt und zur Würmersheimer Straße (hinten) durch eine Lärmschutzwand abgeschirmt werden. Foto: Helmut Heck

In einem für die Feuerwehr untypischen Tempo kommt der Bebauungsplan für das neue Gerätehaus voran. Das Genehmigungsverfahren muss eine Extrarunde durchlaufen. Denn das Landratsamt fordert stärkeren Lärmschutz durch einen Erdwall und eine 2,50 Meter hohe Wand. Im Gemeinderat reagierte man am Mittwoch mit Erstaunen und Unverständnis.

Der Neubau von Feuerwache und DRK-Domizil ist auf der Freifläche an der Würmersheimer Straße, Ecke Weißenburger Straße geplant, südlich von Kreuzkirche und Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium. In der Ratssitzung wurden die Stellungnahmen aus der ersten Plan-Offenlage gesichtet.

Das Verlangen nach weiteren Lärmschutzmaßnahmen kam aus dem Umweltamt im Landratsamt Rastatt. Ausgangspunkt war ein schalltechnisches Gutachten, in dem festgestellt worden war, „dass an drei Immissionspunkten der nach TA Lärm einzuhaltende Richtwert nachts überschritten wird“. Der Beratung im Gemeinderat zufolge wären von der Überschreitung zwei jener Reihenhäuser betroffen, die an der Würmersheimer Straße vor den Hochhäusern stehen.

Fahrgeräusche sind ausschlaggebend

Der Gutachter hatte keine Sondermaßnahmen für erforderlich gehalten. Seine Argumentation stützte sich auf eine Ausnahmeregelung für „Notsituationen“. Feuerwehr-Einsätze seien als solche anzusehen. Das Umweltamt widersprach: Im Umfeld einer Feuerwache stelle das Ausrücken „kein außergewöhnliches, unvorhergesehenes Ereignis“ dar. Der Lärmschutz für die Anwohner müsse verbessert werden.

Dass es Probleme gebe, wenn die Feuerwehr vielleicht zehn Mal im Jahr mit Martinshorn losfahre, sei „für alle überraschend“, beschrieb Rolf Enderle (BuG) die allgemeine Stimmung. Bürgermeister Andreas Augustin korrigierte diese Annahme. Auslöser sei nicht das Martinshorn, ausschlaggebend seien die Fahrgeräusche beim Eintreffen und Abfahren der Einsatzkräfte. Im Laufe eines Jahres summierten sich diese Vorgänge auf 80 bis 100 Fälle. Helmut Schorpp (CDU) stellte die „Frage der Verhältnismäßigkeit“ und unterstellte „Überbürokratisierung“, wenn eine Behörde wegen zwei Wohnhäusern ein Projekt wie die Feuerwache erschwere. Viel einfacher, sinnvoller und kostengünstiger wären Schallschutzfenster für die betreffenden zwei Häuser, schlug Schorpp vor.

Lärmschutzwand wird 2,50 Meter hoch

Um Schallschutzfenster zu verordnen, müsste man die Wohngebäude in den Geltungsbereich des Bebauungsplans aufnehmen, das ganze Werk also neu aufgerollt werden, winkte Augustin ab, äußerte jedoch Verständnis für Schorpps Unmut. Man habe die Angelegenheit ausgiebig mit dem Landratsamt diskutiert. Doch die Behörde habe „die ganze Rechtsprechung“ zu diesem Thema vorgelegt. Würde ein Anwohner klagen, wäre alles dahin, warnte Augustin.

Man sei froh, in einem Rechtsstaat zu leben, der die Bürgerinteressen schütze, bekundete BuG-Sprecher Rolf Enderle, auch wenn im vorliegenden Fall die Dinge eventuell „überzogen“ würden. Er wollte wissen, ob die Höhe der Lärmschutzwand mit 2,50 Meter ausreichend sei.

Augustin und Planer Hagen Hartmann vom Karlsruher Büro Schöffler erklärten, das Gelände werde zuerst um 1,20 Meter aufgefüllt. Die vom künftigen Niveau gemessene 2,50 Meter hohe Wand werde zur Straße durch einen vorgelagerten Erdwall „kaschiert“.

Geänderter Entwurf zur Offenlage freigegeben

Die Abwägungen des Planungsbüros wurden einstimmig angenommen, der geänderte Entwurf mit Lärmschutzwand zur Offenlage freigegeben. Abschließend wurde informiert, dass die Zufahrt zur Feuerwache an der Würmersheimer Straße liegen soll. Dafür muss der dortige Fahrbahnteiler umgebaut werden.

In der Abwägung der Stellungnahme zum Bebauungsplanentwurf mussten wenige weitere Punkte berücksichtigt werden. Zum einen will man gemäß einer Forderung der BuG auf der Versickerung von Regenwasser beharren. Zum anderen zog Matthias Maier (BuG) die Deklaration des Baugeländes als Mähwiese in Zweifel, es handele sich um Acker. Da das für den Naturausgleich ein bedeutsamer Unterschied ist, soll die Frage geklärt werden. Jürgen Kniehl (FWG) wünschte, Daten zur Bodengüte auf ihre Aktualität zu prüfen.

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Erstellt:
16. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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