Besucherplus mit Schattenseiten

Baden-Baden (vn) – Der Nationalpark Schwarzwald erlebte zwischen März und Juni einen Besucheransturm. Das ist nicht nur positiv: Tiere benötigen ruhige Bereiche für die Aufzucht des Nachwuchses.

Familienausflüge standen im Frühjahr hoch im Kurs: Der Nationalpark war sehr oft das Ziel. Foto: Uli Deck/dpa

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Familienausflüge standen im Frühjahr hoch im Kurs: Der Nationalpark war sehr oft das Ziel. Foto: Uli Deck/dpa

Fast vier Monate ohne Führungen und andere Veranstaltungen – das klingt zunächst nach einer ruhigen Zeit für die Ranger. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Coronakrise, in der außer Ausflügen im engen Familienkreis nicht viel erlaubt war, hat die Menschen zurück zur Natur gebracht. Basierend auf den Daten der aufgestellten Zählschranken haben im Zeitraum April bis Juni rund 100000 Gäste mehr als im Vorjahreszeitraum den Nationalpark besucht – ein Plus von knapp 50 Prozent.

Nicht nur mehr, sondern zum Teil auch ungewohntes Publikum trieb es in den vergangenen Monaten in den Nationalpark, ergänzte Rangerin Friederike Schneider: „Wir sind auf ganz neue Besuchergruppen getroffen, die sonst eher nicht hier sind. Zum Beispiel viele Familien, auch mit Kindern in der Pubertät, die sonst für Wandertouren erfahrungsgemäß nur schwer zu begeistern sind.“

An einigen Stellen wurden doppelt bis drei Mal so viele Ausflügler wie im Vorjahreszeitraum festgestellt. „Es hat sich gezeigt, dass sich der Andrang nicht auf die üblichen Hotspots beschränkt hat. Obwohl wir nach wie vor am Buhlbachsee mit rund 7000 deutlich weniger Gäste gezählt haben als zum Beispiel auf dem Lotharpfad mit mehr als 44000“, sagt Dominik Rüede, im Nationalpark zuständig für das Besuchermonitoring.

Ferngesteuertes Boot auf dem Wilden See

Allerdings musste das Rangerteam häufig wilde Camper ermahnen, manche größere Gesellschaft auflösen und einmal sogar ein ferngesteuertes Boot vom Wilden See holen. Auf den Parkplätzen im Nationalpark standen abends plötzlich Campingwagen dicht an dicht. „Einmal haben wir 14 auf einem Platz gezählt“, sagt Schneider.

Für die Natur ließe sich bislang schwer beziffern, welche Auswirkungen so ein Ansturm wie in den letzten Monaten habe, sagt Marc Förschler, Leiter des Fachbereichs Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz: „Störungen abseits der Wege sind aber ein großes Problem, zumal im zweiten Quartal des Jahres, in das die sensible Brut- und Aufzuchtzeit bei vielen Arten fällt.“ Störungsanfällige Arten wie beispielsweise das Auerhuhn fänden dann nur noch sehr schwer ruhige Bereiche vor, in denen sie ihre Jungen großziehen können.

„Was jetzt in den Sommerferien auf uns zukommt, können wir noch gar nicht einschätzen“, so Friederike Schneider vom Nationalpark. Am Lotharpfad gelte weiterhin eine Einbahnstraßenregelung, um den möglichen Andrang zu lenken.

Ihr Autor

Volker Neuwald

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Erstellt:
5. August 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 09sec

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