Betende Hände auf Friedhof Loffenau

Loffenau (uj) – Voraussichtlich Ende dieser Woche soll ein Kunstwerk auf dem Friedhof in Loffenau fertig sein. Kettensägenkünstler Andreas Drost kreiert aus einem Baumstumpf betende Hände.

Der Kettensägenkünstler bearbeitet den Stumpf des einst mächtigen Mammutbaums, der vor einem Jahr gefällt werden musste. Foto: Ulrich Jahn

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Der Kettensägenkünstler bearbeitet den Stumpf des einst mächtigen Mammutbaums, der vor einem Jahr gefällt werden musste. Foto: Ulrich Jahn

Eigentlich sollte eine Mariafigur mit dem Jesuskind auf dem Arm aus dem verbliebenen Baumstumpf eines Mammutbaums auf dem Friedhof werden. Kettensägenkünstler Andreas Drost war am Montag im Einsatz und leistete schon ein umfangreiches Arbeitspensum. Doch der Zustand des Baumstumpfs war zu schlecht – schlichtweg morsch. Er informierte die Gemeinde. Und die entschied, dieses Kunstwerk nicht zu verwirklichen. Es gibt aber kleineren Ersatz.

Der Profi in Sachen Kettensägenkunst musste bereits beim Absägen der ersten Baumscheiben feststellen, dass der Mammutbaum von innen heraus sehr stark von Fäule betroffen ist. Dadurch muss nun deutlich mehr Holz vom Stamm entfernt werden als ursprünglich geplant. Dies hat zur Folge, dass die Figur, die eigentlich aus dem Stamm hätte entstehen sollen, nicht realisiert werden kann.

Die Gemeindeverwaltung musste sich also kurzerhand für eine kleinere Figur entscheiden, die jedoch wohl nicht weniger schön ist. Nun sollen es die betenden Hände von Albrecht Dürer werden. Am Montag war der 33-Jährige noch im Einsatz. Geplant war, dass er so 30 bis 40 Stunden auf dem Gottesacker in Loffenau aktiv ist. Ob er für die kleinere Figur genauso lang brauchen wird, steht noch nicht fest. Am Dienstag war er planmäßig nicht in Loffenau und wird am Mittwoch wieder mit der Säge Hand anlegen.

Seit einem Jahr hauptberuflich im Einsatz

Der aus Königsbach-Stein (Enzkreis) stammende, gelernte Forstwirt ist seit zwölf Jahren „nebenher“ als Kettensägenkünstler aktiv. Seit einem Jahr macht der 33-Jährige die Schnitzerei hauptberuflich. Wie viele Aufträge er jährlich bekommt, kann er noch nicht sagen. „Ich mache es so, dass es zum Leben langt, und dann ist es gut“, betont Drost.

Das Gerüst neben dem Baumstumpf hat Drost für den Anfang benötigt, damit der Rest von dem einst mächtigen Baum noch etwas niedriger wird. Ursprünglich war der Stumpf etwa drei Meter hoch. Damit die Proportionen zueinander passen, „habe ich so mit zwei Metern kalkuliert“, sagt Drost.

Jede Menge Splintholz fällt bei der Sägeaktion von Andreas Drost an, ebenso verfaultes Holz. Foto: Ulrich Jahn

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Jede Menge Splintholz fällt bei der Sägeaktion von Andreas Drost an, ebenso verfaultes Holz. Foto: Ulrich Jahn

Er musste schauen, wie der Stumpf vom Splintholz im Außenbereich angegriffen ist, also wie viel er wegmachen muss. „Das kann man von außen immer schlecht einschätzen.“ Splintholz hat nicht die Inhaltsstoffe, die das Holz witterungsbeständig machen, erklärt der Experte. Es ist das junge Holz, das noch nicht verkernt ist. Somit kann nicht der gesamte Baumstumpf verwendet werden, sondern nur ein Teil. Der Durchmesser wird entsprechend kleiner.

Mammutbaum etwa 40 Jahre alt

„Mammut wächst schnell“, erklärt er auf die Frage nach dem Alter. Anhand der Jahresringe ist der Baum um die 40 Jahre alt gewesen. In drei Metern Höhe hatte er einen Durchmesser von etwa 80 Zentimeter. Bereits am Montag war zu erkennen, dass der Baum an einer Seite morsch ist. Drost wollte den Stumpf „gesundsägen“. Als Folge entsteht mit Dürers betenden Händen nun ein kleineres Kunstwerk.

Der Baumpfleger, der den Baum im vergangenen Jahr gefällt hat, ist ein Bekannter von Drost. Es war aber Zufall, dass der 33-Jährige den Auftrag bekam. Wie Bürgermeister Markus Burger erklärte, habe die Kommune Angebote von drei Künstlern eingeholt. Und erst im Nachhinein habe sich dann gezeigt, dass sich beide kennen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Ulrich Jahn

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Erstellt:
24. August 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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