Betriebsärzte müssen sich an Priorisierung halten

Stuttgart (for) – Beschäftigte im Lebensmittelhandel sind noch nicht impfberechtigt, es läuft aber ein Pilotprojekt für Betriebsärzte. Allerdings müssen sich auch diese an die Priorisierung halten.

Für die Impfungen durch Betriebsärzte läuft derzeit ein Modellprojekt. Allerdings muss auch hier streng nach Priorität geimpft werden. Foto: Stefan Puchner/dpa

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Für die Impfungen durch Betriebsärzte läuft derzeit ein Modellprojekt. Allerdings muss auch hier streng nach Priorität geimpft werden. Foto: Stefan Puchner/dpa

Während Baden-Württemberg ab Montag für einen Teil der dritten Prioritätsgruppe die Vergabe von Impfterminen öffnet, müssen sich Mitarbeiter im Lebensmittelhandel weiter gedulden.

Ab dem 3. Mai können sich laut Sozialministerium Menschen der Prioritätsgruppe drei mit Vorerkrankungen, etwa behandlungsfreien Krebserkrankungen, HIV, Rheumaerkrankungen und Autoimmunerkrankungen sowie Herzerkrankungen impfen lassen. Außerdem sind der Mitteilung zufolge auch jeweils bis zu zwei Kontaktpersonen von Menschen, die wegen einer dieser Erkrankungen oder aufgrund des Alters von über 60 Jahren pflegebedürftig sind, impfberechtigt.

Öffnung der dritten Priorität in Stufen

Beschäftigte von Berufsgruppen aus der dritten Priorität, etwa Mitarbeiter im Lebensmittelhandel, müssen dagegen weiter abwarten, sie sind in Baden-Württemberg noch nicht impfberechtigt. „Mit der Öffnung dieser Stufe wird, abhängig von den Impfstofflieferungen, etwa Mitte Mai gerechnet“, sagte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

„Es ist aktuell noch zu wenig Impfstoff da, um jedem, der oder die berechtigt ist, zeitnah eine Impfung zu ermöglichen. Um einen allzu großen Andrang auf die Terminvergabe zu verhindern, öffnen wir daher die dritte Priorität in mehreren Stufen“, teilt auch Pascal Murmann, Pressesprecher beim Sozialministerium, auf BT-Nachfrage mit. Eine Impfung aller Beschäftigten im Lebensmittelhandel sei derzeit noch nicht zulässig.

Modellprojekt für Betriebsärzte

Lucha hat den Unternehmen im Land aber Hoffnung gemacht, dass sie sich schon bald in der Breite an den Corona-Impfungen beteiligen können. Die Betriebsärzte seien die dritte Säule bei den Impfungen neben den Impfzentren und Hausärzten, sagte der Minister beim Besuch eines Pilotprojekts für Impfungen von Betriebsärzten beim Kranhersteller Liebherr in Ehingen. Mit dem Modellversuch bei Liebherr sollen Abläufe und Lieferketten für die Impfungen von Betriebsärzten geprobt und offene Fragen geklärt werden, wie die dpa berichtet. Das Unternehmen erhielt dafür 200 Impfdosen Astrazeneca des Kreisimpfzentrums Ehingen. Allerdings muss auch hier derzeit noch streng nach Priorität geimpft werden. Betriebsärzte dürfen das Vakzin also nur Beschäftigten, die über 60 sind oder entsprechende Vorerkrankungen haben, spritzen.

Die Priorisierung nach der Corona-Impfverordnung diene auch in den Praxen als Grundlage. Murmann merkt aber an: „Der Hausarzt kann dabei am besten entscheiden, ob ein rüstiger Mann über 70, der keine weiteren Vorerkrankungen hat, oder ein 59-Jähriger, der aufgrund einer Vorerkrankung impfberechtigt ist, zuerst geimpft werden soll.“ Schließlich kenne der Hausarzt seine Patienten am besten, „und insofern ist er bei der Priorisierung flexibel“. Zu Beginn seien die Arztpraxen aber dennoch dazu aufgefordert, schwerpunktmäßig immobile Patienten in der eigenen Häuslichkeit sowie Personen mit Vorerkrankungen, die mit einem hohen Risiko im Falle einer Sars-CoV-2-Infektion verbunden sind, zu impfen, teilt das Sozialministerium weiter mit. „Die Corona-Impfverordnung sieht lediglich vor, dass im Einzelfall von der Priorisierung abgewichen werden kann, um den Verwurf von Impfdosen zu verhindern“, erklärt Murmann.

Warteliste für Restdosen

Restdosen, die nicht weggeschmissen werden sollen, seien aber lediglich Einzeldosen, die am Abend in einem angebrochenen Fläschchen übrig geblieben sind, „etwa, weil ein Impfwilliger seinen Termin absagen musste“, fügt Murmann hinzu. „Diese müssen am gleichen Tag verimpft werden und sind nicht bis zum Folgetag haltbar.“ Es werde aber erwartet, dass der Impfstoff sparsam und wirtschaftlich genutzt, also so vorbereitet wird, dass kaum Impfstoff übrig bleibt. „Bei entsprechender Vorbereitung und Planung gibt es in der Regel keine ,übrigen‘ Impfdosen. Das zeigt auch die Erfahrung in den Impfzentren, wo sehr wenige Dosen übrig bleiben“, meint Murmann. Sollten doch mal vereinzelt Restdosen übrig bleiben, führen viele Impfzentren eine Warteliste mit aktuell impfberechtigten Personen, die schnell abends kontaktiert und geimpft werden können.


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