Betriebsimpfung: Zwölf weitere Pilotprojekte

Stuttgart/Karlsruhe (for) – Die baden-württembergische Regierung weitet die Modellprojekte zum Impfen der Betriebsärzte auf zwölf weitere Unternehmen aus. Darunter ist auch eine Firma in Karlsruhe.

Beim Maschinenbauer Liebherr in Ehingen läuft der Modellversuch schon seit einigen Wochen. Betriebsärzten impfen dort priorisierte Mitarbeiter. Foto: Stefan Puchner/dpa

© dpa

Beim Maschinenbauer Liebherr in Ehingen läuft der Modellversuch schon seit einigen Wochen. Betriebsärzten impfen dort priorisierte Mitarbeiter. Foto: Stefan Puchner/dpa

Betriebsärzte gelten laut dem baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) neben den Impfzentren und Hausärzten als dritte tragende Säule der Impfkampagne. Auch deshalb weitet die Landesregierung die Modellprojekte zum Impfen der Betriebsärzte aus. Ab Mitte Mai sollen zwölf weitere Unternehmen in Baden-Württemberg einen Teil ihrer Beschäftigten gegen Corona impfen lassen können.

„Zu wenig Impfstoff“

Bislang befinden sich vier Pilotprojekte für die Betriebsärzte in der Umsetzung. Das Sozialministerium hat nun in Absprache mit den Industrie -und Handelskammern (IHK) des Landes zwölf weitere Modellprojekte ausgewählt – aus jedem IHK-Bezirk eine Firma. Die Unternehmen seien alle Teil der sogenannten Kritischen Infrastruktur (KRITIS), wie das Sozialministerium mitteilt. Kritische Infrastrukturen sind Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten können. „Allerdings steht nach wie vor zu wenig Impfstoff zur Verfügung, um allen Menschen zeitnah ein Impfangebot machen zu können“, merkt Claudia Krüger, Pressesprecherin beim Sozialministerium, auf BT-Nachfrage an. Deshalb sei auch innerhalb der KRITIS-Organisationen, -Einrichtungen und -Unternehmen eine Priorisierung notwendig.

Möglichst vielfältige Erfahrungen

Teil des Modellprojekts ist neben einem Bäckereibetrieb, einer Medizintechnikfirma und dem Flughafen Stuttgart auch die Firma Mineralölraffinerie Oberrhein (Miro) in Karlsruhe. „Natürlich fiel die Auswahl der Unternehmen sehr schwer“, teilte Lucha laut einer Pressemitteilung zu der Entscheidung mit. „Wichtig war uns vor allem, dass wir verschiedene Branchen und Unternehmen im ganzen Land berücksichtigen, sodass die Erfahrungen aus den Modellprojekten möglichst vielfältig und in der Fläche vorhanden sind.“

„Die Modellprojekte zielen darauf ab, Erfahrungen zu sammeln und offene Fragen zum betriebsärztlichen Impfen zu klären, beispielsweise im Hinblick auf konkrete Arbeitsabläufe in innerbetrieblichen Impfstraßen“, schildert Krüger die Situation. Die Prozesse in den Impfzentren seien in den vergangenen Monaten seit Beginn der Impfkampagne immer weiter ausgereift und optimiert worden. „Hiervon können auch Unternehmen bei ihren betriebsinternen Impfungen profitieren. Dennoch erhoffen wir uns wichtige Erkenntnisse darüber, wo gegebenenfalls noch nachjustiert werden kann“, sagt sie. „Die entsprechenden Firmen erhalten dafür Impfstoff aus dem Kontingent des Landes – jeweils über ein nahe gelegenes Impfzentrum“, teilt das Sozialministerium mit. Abhängig von der Größe eines Unternehmens seien dafür bis zu 1.000 Impfdosen vorgesehen. Weil die Impfzentren den Impfstoff selbst sehr effektiv verimpfen, sei immer nur eine begrenzte Zahl von Modellprojekten möglich.

Offene Fragen klären

Baden-Württemberg fordert deshalb vom Bund, dass die Betriebsärzte den Corona-Impfstoff für flächendeckende Impfungen in Unternehmen direkt über den Pharmagroßhandel bestellen können. Dafür müsse allerdings die Bundesregierung in der Corona-Impfverordnung die notwendigen Regelungen treffen. Dort sei derzeit geregelt, dass die Abrechnung der Impfleistung über die jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen erfolgen soll. „Die praktische Umsetzung wirft aktuell noch Fragen auf, die der Bund dringend noch zu klären hat“, merkt das Sozialministerium an. Lucha forderte den Bund deshalb auf, schnell für Klarheit zu sorgen.

Neue Pilotprojekte starten Mitte Mai

Die für die Modellprojekte vorgesehenen Unternehmen wurden am Freitag über die Auswahl informiert. „Die organisatorischen Details werden aktuell noch geklärt, zum Beispiel der konkrete Start der einzelnen Modellprojekte“, schreibt das Sozialministerium. Dieser hänge davon ab, ob die Impfstoffe auch wie angekündigt geliefert werden. Fest steht allerdings, dass die Projekte zeitversetzt starten werden, die ersten voraussichtlich ab Mitte Mai.

Ab Anfang Juni sollen Unternehmen dann flächendeckend in die Impfungen ihrer Belegschaft einsteigen und – sobald die Priorisierung aufgehoben wird – dann nach und nach allen Mitarbeitern ein Impfangebot machen. Sozialminister Lucha betonte: „Das Impfen im Betrieb ist auch ein wichtiger Baustein für die Zukunft, wenn tatsächlich routinemäßig ein- bis zweimal jährlich Auffrisch-Impfungen notwendig werden.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.