Daimler übernimmt 400 Leiharbeiter – aber erst später

Stuttgart/Rastatt (fk) – Mercedes will einen Großteil der 600 im Werk Rastatt zur Entlassung anstehenden Arbeitnehmer übernehmen. Allerdings erst nach einer Übergangsphase.

Bei den Leiharbeitern, denen Daimler nun sukzessive die Übernahme ermöglichen will, handelt es sich um Mitarbeiter, die schon lange im Werk Rastatt beschäftigt sind. Foto: Daimler

Bei den Leiharbeitern, denen Daimler nun sukzessive die Übernahme ermöglichen will, handelt es sich um Mitarbeiter, die schon lange im Werk Rastatt beschäftigt sind. Foto: Daimler

Triumphstimmung bei IG Metall und Betriebsrat: Der Daimler-Konzern hat sich bereit erklärt, im Werk Rastatt im Laufe der Jahre 2022 und 2023 knapp 400 Leiharbeiter in eine Festanstellung zu übernehmen.

Allerdings: Trotzdem enden deren Verträge und die von etwas über 200 weiteren Kollegen wie berichtet am Donnerstag. Die Leiharbeiter sind also von Freitag an bis zum Zeitpunkt ihrer möglichen Übernahme nicht im Mercedes-Werk Rastatt beschäftigt. Das bestätigte ein Daimler-Sprecher am Mittwoch auf BT-Anfrage. Was mit den Arbeitnehmern in der Zwischenzeit passiert und vor allem, wo sie arbeiten werden, ist Sache der Leiharbeitsfirma Dekra.

Übernahme nach 48 Monaten

Bei den Leiharbeitern, denen Daimler nun sukzessive die Übernahme ermöglichen will, handelt es sich um Mitarbeiter, die schon lange im Werk Rastatt beschäftigt sind und die gemäß Betriebsvereinbarung ohnehin im Laufe des jetzt veranschlagten Zeitraums zur Übernahme angestanden hätten. Daimlerintern gibt es nach BT-Informationen die Regelung, dass Leiharbeiter nach 48 Monaten im Unternehmen fest angestellt werden müssen. Da es aufgrund von Lieferschwierigkeiten bei Elektronikkomponenten und einer damit einhergehenden Drosselung der Produktion für diese Leiharbeiter aber aktuell keine Arbeit mehr im Werk Rastatt gibt, werden sie ab Freitag freigestellt. Allerdings läuft die „48-Monats-Uhr“ für die besagten knapp 400 langjährigen Mitarbeiter trotzdem weiter und sobald das Pensum voll ist, werden sie von Daimler übernommen und wieder eingestellt. Das bestätigte am Mittwoch auch der Betriebsrat.

„Standortsicherung an vorderster Stelle“

Dessen Vorsitzender, Murat Sür, wird in einer Mitteilung mit den Worten zitiert, dass „die Beschäftigungs- und Standortsicherung immer an vorderster Stelle“ gestanden habe. „Mit diesem Ergebnis sichern wir nicht nur 398 Kolleginnen und Kollegen den Arbeitsplatz, sondern geben auch 398 Menschen mit deren Familien eine Zukunftsperspektive. Durch die Übernahmen gewährleisten wir auch, dem Anspruch als Leadwerk der Compact-Cars gerecht werden.“

Ein Konzernsprecher von Daimler machte am Mittwoch allerdings deutlich, dass das beschriebene Angebot dem Betriebsrat auch bereits in der vergangenen Woche vorgelegen habe, als der sich zusammen mit der IG Metall bei einer Protestaktion gegen die Entlassung von 600 Leiharbeitern zum 30. September an die Öffentlichkeit gewandt habe.

Fehlende Arbeit durch Lieferschwierigkeiten

Daimler hatte zuvor angekündigt, die Verträge der besagten 600 Leiharbeiter nicht mehr zu verlängern. Begründet hatte das der Konzern mit fehlender Arbeit aufgrund Lieferschwierigkeiten bei Halbleitern. Auf BT-Anfrage hieß es: Die Agentur für Arbeit habe mehrfach geprüft, ob Kurzarbeit statt Vertragsende für die Zeitarbeiter möglich sei. „Das Ergebnis lautete eindeutig: Nein. Das kann die IG Metall gerne noch mal prüfen und wird sicher auch zu keinem anderen Ergebnis kommen“, so ein Konzernsprecher. Da man schon jetzt wisse, dass das Werk Rastatt im nächsten Quartal aufgrund der Lieferengpässe bei den Halbleitern die Fahrweise in der Produktion drosseln müsse und dafür weniger Personal benötige, dürfe Mercedes-Benz den Regularien der Agentur für Arbeit zufolge die Zeitarbeitsverträge gar nicht verlängern, so der Sprecher vergangene Woche weiter.

Ihr Autor

BT-Redakteur Florian Krekel

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Erstellt:
29. September 2021, 15:35 Uhr
Lesedauer:
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