Betrüger am Telefon: Kripo warnt vor dubiosen Anrufen

Bühl (BNN) – Die Betrüger schlagen am Telefon zu: Dubiose Anrufe unter anderem aus England machen die Runde in der Region. Die Kriminalpolizei warnt, immerhin geht es um teils fünfstellige Beträge.

Vorsicht Abzocke: Vor allem ältere Menschen lassen sich von findigen Betrügern schnell in eine Notsituation drängen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Vorsicht Abzocke: Vor allem ältere Menschen lassen sich von findigen Betrügern schnell in eine Notsituation drängen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Anrufbeantworter blinkt. Beim Abhören nuschelt der Anrufer unverständliche Sätze auf Englisch. Unser Leser widersteht jedoch dem ersten Impuls zurückzurufen und googelt stattdessen die Telefonnummer: Sofort erscheint ein Warnhinweis auf eine teure Gebührenfalle. Das aktuelle Beispiel ist nur einer von vielen Tricks, mit denen Betrüger harmlose Bürger in unserer Region übers Telefon abzocken, warnt die Kriminalpolizei.
„Es war eine regelrechte Anrufserie. Die Anrufe kamen aus England mit unterschiedlichen Nummern. Teilweise alle zwei Stunden an drei aufeinander folgenden Tagen“, schildert der Bühler Bürger die Situation. Der Anrufer sei kaum zu verstehen gewesen. „Das verlockt zum Rückruf. Ich habe das aber nicht gemacht und die Nummern gegoogelt. Und siehe da: Sofort bekam ich einen Warnhinweis über eine teure Gebührenfalle“, schildert der Leser seine geglückte Vorgehensweise.

Emotionen und Scham spielen große Rolle

Diese und viele andere Betrügereien, die über das Telefon eingefädelt werden, sind der Kriminalpolizei in Rastatt bekannt. „Es ist unglaublich, mit welchen Methoden diese Abzocke am Telefon funktioniert. Hier im Bereich der Polizeidirektion Offenburg, zu der wir gehören, spielen sich zum Teil skurrile Fälle ab, bei denen teilweise fünfstellige Summen zu Betrügern wechseln“, beobachtet Polizeioberkommissar Reinhard Walter von der Kriminalprävention in Rastatt.

Nicht immer handeln die anvisierten Opfer so bedacht wie unser Zeitungsleser. „Der Mann hat sich in dem Fall super verhalten und nicht einfach zurückgerufen. Aber das passiert aus Sorglosigkeit doch einfach immer wieder.“ Und wenn die Falle zuschnappt, hemmt oft die Scham, auf den Trick gnadenlos hereingefallen zu sein, die Opfer vor einer Anzeige. „Das beobachten wir leider immer wieder. Es ist menschlich, wenn man auf diese abgebrühten Betrüger hereinfällt. Umso wichtiger ist es, die Bürger davor ausdrücklich zu warnen.“

Warum fallen Personen mit gesundem Menschenverstand auf diese Telefontricks herein? „Da spielen viele Faktoren zusammen. Zum einen der Überraschungsmoment und dann vor allem eine starke emotionale Komponente, die ein normales Verhalten einfach außer Kraft setzt“, erläutert Reinhard Walter.

Die Abzocke läuft auch immer öfter über Whatsapp. „Mama und Papa, ich habe mein Handy verloren und muss dringend 1.500 Euro überweisen, sonst drohen saftige Mahngebühren. Könntet ihr mir da kurzfristig helfen. Ich geb euch eine Kontonummer“, erzählt der Kommissar ein Beispiel, auf das besorgte Eltern hereingefallen sind. Wenn das Geld einmal überwiesen ist, verlieren sich die Spuren und auch bei der Whatsapp gebe es keine kriminaltechnischen Ermittlungsansätze. Die Spuren verlieren sich im Dunkel des Internets.

Vermeintlicher Einbruch

„Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Bevor man irgendetwas überweist, sollte man mit der betreffenden Person sprechen. Nicht sprechen sollte man mit Personen, die anrufen und sich als Polizeibeamte ausgeben und die anbieten, Geld und Schmuck abzuholen“, warnt der Polizeibeamte. „Vor allem ältere Personen besitzen Schmuck und haben oft hohe Geldbeträge zu Hause. Wenn dann ein vermeintlicher Polizist anruft und nach einem vermeintlichen Einbruch in der Nachbarschaft anbietet, Schmuck und Geld vorübergehend in Sicherheit zu bringen, schnappt die Falle zu.“

„Wir haben hier Fälle, bei denen fünfstellige Summen zu einem vereinbarten Zeitpunkt aus dem Fenster geworfen oder einfach vor der Tür platziert wurden. Es ist unglaublich, was Menschen machen, wenn sie unter Druck gesetzt werden und nicht mehr rational denken können. Generell gilt dennoch: Die Polizei ruft niemals an und bietet an, Schmuck oder Bargeld an sich zu nehmen. Da sollten auf jeden Fall die Alarmglocken schrillen“, fordert der Kriminalbeamte die Opfer dazu auf, in einer solchen oder ähnlichen Situation auf jeden Fall erst einmal Ruhe zu bewahren und nachzudenken.

Selbst ein erfolgreicher Unternehmer sei in die emotionale Falle getappt, als er die Mitteilung bekommen habe, Microsoft würde umgehend seine Konten sperren, wenn nicht sofort ein gewisser Geldbetrag überwiesen werde. „Auch er hat sich durch die vermeintliche Notsituation einfangen lassen und hat gezahlt“, berichtet Walter von Abzocke, die auch in der Geschäftswelt vorkommt. „Es gibt eine einfache Regel: Bevor was passiert, einfach die Polizei anrufen.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Andreas Bühler

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Erstellt:
30. April 2022, 10:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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