Betrugsvorwürfe: Grenke-Aktie stürzt dramatisch ab

Baden-Baden (red/dpa) – Der Kurs der Aktie der Grenke AG stürzt weiter dramatisch ab. Seit Montagabend liegt der Kursrückgang bei bis zu rund 36 Prozent, ein Börsenwert von rund 900 Millionen Euro.

Der britische Spekulant Fraser Perring wirft dem M-DAX-Konzern Grenke AG unter anderem „eklatanten Buchhaltungsbetrug“ nach dem Muster von Wirecard vor. Foto: Uli Deck/dpa

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Der britische Spekulant Fraser Perring wirft dem M-DAX-Konzern Grenke AG unter anderem „eklatanten Buchhaltungsbetrug“ nach dem Muster von Wirecard vor. Foto: Uli Deck/dpa

Der Kurs der Aktie der Grenke AG hatte am Dienstagabend mit einem Minus von 18,8 Prozent geschlossen. Dem vorausgegangen waren schwere Anschuldigungen des britischen Spekulanten Fraser Perring, der schon Wirecard zu Fall gebracht hatte. Eklatanter Buchhaltungsbetrug, kriminelle Anlagebetrügereien und Geldwäsche waren nur einige der Vorwürfe, die sich um ein Geflecht von dubiosen Verkäufen und Hintergrundfirmen drehen sollen. Ob das alles nur heiße Luft ist oder zumindest in Teilen die Wahrheit, muss nun die Finanzaufsicht Bafin klären. Sie hat in Folge eines Berichts des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ die Ermittlungen übernommen, wie eine Sprecherin gestern auf BT-Anfrage bestätigte.

Das Hamburger Magazin hatte zuvor über den mehr als 60 Seiten langen Report von Perring berichtet. „Wir untersuchen die im Report erhobenen Vorwürfe auf Marktmissbrauch“, so die Bafin auf BT-Anfrage. Die Analyse umfasse dabei sowohl eine mögliche Marktmanipulation, etwa durch unrichtige Informationen zu Bilanzierungssachverhalten, aber auch mögliche Marktmanipulationen durch Dritte, etwa in Form einer Shortattacke. Untersuchungen liefen außerdem zur mutmaßlichen Verwendung von Insiderinformationen für Börsengeschäfte.

Grenke weist Vorwürfe „aufs Schärfste zurück“

Ermittelt wird also in jede Richtung, denn Perring hatte – wie er freiweg zugab – vorher mit geliehenen Aktien, sogenannten Leerverkäufen, auf den Absturz der Grenke-Aktie spekuliert. Ein ähnliches Verhalten legten dem „Spiegel“ zufolge andere Finanzgiganten wie Blackrock und Gladstone an den Tag, die zuvor als sogenannte Shortseller bei Banken und Fonds massiv Grenke-Aktien geliehen hatten. Der Plan dabei: „Verkaufen, nach einem Kursrutsch billiger zurückkaufen, die Differenz als Gewinn einstreichen“, so der „Spiegel“.

Die Grenke AG wies in einem Statement auf BT-Anfrage gestern die Vorwürfe „aufs Schärfste zurück“. Der Bericht Perrings enthalte nicht zutreffende Anschuldigungen, zu denen im Einzelnen in den nächsten Tagen ausführlich Stellung genommen werde.

Ein zentraler Vorwurf lautet, dass von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1,078 Milliarden Euro liquiden Mitteln ein substanzieller Anteil nicht existiere. Dies sei nachweislich falsch, so Grenke. 849 Millionen Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich demnach zum 30. Juni 2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Per heute betrage das Guthaben bei der Bundesbank 761 Millionen Euro, so Grenke.

Vor allem dubiose Firmenkäufe werden angeprangert

Der Perring-Report zeichnet unterdessen die Geschichte dubioser und gefälschte Firmenkäufe seitens der Grenke AG, an denen sich Firmengründer Wolfgang Grenke selbst bereichere. Eine Handels- und Beteiligungs GmbH, deren Vorsitzender unter anderem Grenke selbst sei, gründe demnach Firmen im Ausland, die die Baden-Badener Grenke AG später zu überteuerten Preisen aufkaufe. Den Kaufpreis strichen demnach die Hintermänner um Grenke selbst ein, zudem würden Bilanzierungsvorschriften verletzt. Eine Praktik, die dem „Spiegel“ zufolge auch Wirecard vorgeworfen wurde.

Neben der Bafin ermittelt laut „Spiegel“ auch die britische Finanzaufsicht FCA. Sie untersucht den Angaben zufolge Leasinggeschäfte, an denen die Grenke AG oder Subunternehmer beteiligt gewesen sein sollen. Perring wirft Grenke zudem auch Schwächen bei der Geldwäscheabwehr vor. Doch es gibt für den Baden-Badener auch Fürsprecher aus dem Finanzsektor, die all das als normales Gebaren verteidigen.

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Erstellt:
16. September 2020, 11:20 Uhr
Aktualisiert:
16. September 2020, 12:26 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

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