Bewährungsstrafe für Verfolgungsjagd

Bühl (bgt) – Ein gerichtliches Nachspiel hatte die Verfolgungsjagd eines 27-jährigen Rollerfahrers mit der Polizei, der zudem ohne Führerschein unterwegs war. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

 Die abenteuerliche Verfolgungsjagd im Juni vorigen Jahres in Bühl hatte ein gerichtliches Nachspiel.  Foto: Friso Gentsch/dpa-Archiv

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Die abenteuerliche Verfolgungsjagd im Juni vorigen Jahres in Bühl hatte ein gerichtliches Nachspiel. Foto: Friso Gentsch/dpa-Archiv

Eine rasante Verfolgungsjagd mit Blaulicht und Martinshorn, die jeder „Tatort“-Folge zur Ehre gereicht hätte, hatte den Bühler Feierabendverkehr um eine abenteuerliche Note bereichert. Juristisch hatte sie freilich ein Nachspiel am Bühler Amtsgericht.
Dort lautete die Anklage gegen den verwegenen Rollerfahrer, der sich im Juni letzten Jahres einer Verkehrskontrolle hatte entziehen wollen, auf vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahren ohne Führerschein sowie auch ohne Haftpflichtversicherung und zu guter Letzt wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte. Denn er war bei seiner überstürzten Flucht nicht nur mit Tempo 80 durch die 30er Zone geprescht, hatte mehrmals eine rote Ampel überfahren, sondern er hatte auch immer wieder versucht, die beiden Streifenwagen während ihrer häufigen Überholversuche von der Fahrbahn abzudrängen, sodass es – wie der Vollzugsbeamte im Zeugenstand der Richterin schilderte – ohne Vollbremsung wahrscheinlich zu einer Kollision gekommen wäre.

Wie im Film wurde auch hier der Spannungsbogen bis zum erfolgreichen Ende etwas gedehnt, denn der Rollerfahrer war den Beamten letztendlich durch eine Unterführung entkommen. Aufgrund des mittlerweile nicht mehr gültigen Nummernschildes war man aber auf den 27-jährigen Schlosser gekommen, der nun freimütig und offenbar recht einsichtig seine Gründe für die Flucht darlegte.

„Das tut mir alles sehr leid. Ich habe erst am nächsten Tag realisiert, was ich da gemacht habe“, begann er. „Ich hatte den Roller in meinem Keller aus alten Teilen zusammengebaut und wollte ihn an diesem Tag zu einem Käufer bringen, der gar nicht weit weg wohnte. Natürlich war das ohne Führerschein und Haftpflicht sehr dumm.“

Als er die Polizeistreife wahrnahm, habe er „Panik bekommen“, berichtete der junge Mann. Er stand schließlich noch unter Bewährung, denn er ist kein unbeschriebenes Blatt. Mit 16 Jahren bereits straffällig geworden, hatten sich mittlerweile zwölf Vorstrafen angesammelt (mehrfach Körperverletzung, Nötigung, Gefährdung des Straßenverkehrs, Beleidigung, Bedrohung sowie unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln), doch das scheint, wie er glaubhaft versicherte, nun alles der Vergangenheit anzugehören. Er lebe in einer festen Beziehung und habe, trotz momentaner Arbeitslosigkeit, gute Aussichten auf einen festen Job.

Die Staatsanwaltschaft jedenfalls erkannte seine reuige Haltung an und forderte sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie eine Sperrfrist für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis für neun Monate. Die Verteidigerin argumentierte hinsichtlich des Widerstandes gegen Vollzugsbeamte dahingehend, dass die bloße Flucht vor der Feststellung von Personalien noch keinen „Widerstand gegen Amtsträger“ darstelle.

Den sah die Richterin indes sehr wohl, denn ein zur Vollbremsung genötigter Streifenwagen mache das doch sehr anschaulich. Immerhin erkannte sie beim Angeklagten eine günstige Sozialprognose und sie entschied in ihrem Urteil auf fünf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie neun Monate Sperrfrist und zusätzlich eine Geldauflage von 1.000 Euro, zahlbar an die Bühler Tafel.

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Erstellt:
22. März 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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