Bewegung in Rastatts Gastro-Szene

Rastatt (sawe) – Bewegung in der der Rastatter Gastro-Szene: Im traditionsreichen „Ratsstübl“ steht ein Wechsel bevor. Zudem haben sich zwei Jungunternehmer den Traum vom eigenen Geschäft erfüllt.

Brüder mit Unternehmergeist: Daniele und Fabrizio Di Miceli haben in den Räumen einer früheren Metzgerei ihre „Casa Sicilia“ eröffnet. Foto: Sabine Wenzke

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Brüder mit Unternehmergeist: Daniele und Fabrizio Di Miceli haben in den Räumen einer früheren Metzgerei ihre „Casa Sicilia“ eröffnet. Foto: Sabine Wenzke

Abschied und Neubeginn in der Rastatter Gastronomie: Im traditionsreichen „Ratsstübl“ in der Kaiserstraße hört die langjährige Wirtin auf, in der Fuhrmannstraße haben zwei junge Italiener mit einer Pizzeria & Pasticceria eine Existenzgründung gewagt und in der Kaiserstraße 49, in der sich viele Jahre der Rheinau-Bäck befand, will die im Berliner Ring ansässige Bäckerei Anatolia ab Oktober ein neues Geschäft mit „Coffee to go“ eröffnen.
Rund 15 Jahre hat Bianca Dotzauer das „Ratsstübl“ betrieben, am 25. September ist nun Schluss damit: Der Schritt sei ihr nicht leicht gefallen, doch die Umstände im vergangenem und in diesem Jahr hätten sie dazu gezwungen, hat sie ihren Gästen auf Facebook mitgeteilt. Corona, die vielen Monate im Lockdown sowie Unstimmigkeiten mit dem Vermieter nennt sie im BT-Gespräch als Gründe für das Aus. Die staatlichen Hilfen hätten nicht ausgereicht, um die Kosten zu decken. Der Gastronomie war sie viele Jahre verbunden. Früher habe sie schon im „Ramona“ geholfen und später dann mit ihrem Bruder fünf Jahre das damalige „Einstein“ betrieben, bevor sie das „Ratsstübl“ übernahm, blickt Dotzauer auf eine nahezu 40-jährige Tätigkeit in der Gastronomie zurück, der sie nun den Rücken kehrt. Mit dem Ende als „Ratsstübl“-Wirtin startet die 57-Jährige in einen ganz neuen Lebensabschnitt: Sie wird ab Oktober in der Hauswirtschaft in einem Pflegeheim arbeiten, informiert sie über ihren beruflichen Neubeginn.

Neuer Pächter bereits gefunden

Auch wenn der Schlüssel nach dem 25. September für die Gäste erst einmal umgedreht bleibt, so wird das Gasthaus nicht in einen Dornröschenschlaf versinken wie etwa das schon seit längeren geschlossene Irish Pub. „Es geht weiter mit dem ,Ratsstübl’“, kündigt Bernd Schlögl, zusammen mit Jürgen Palmer Eigentümer des Lokals, auf BT-Nachfrage an. Ein neuer Pächter, der im Oktober öffnen wolle, sei bereits gefunden, der Vertrag unterzeichnet, so Schlögl weiter.

Noch keine diesbezügliche Erfolgsmeldung gibt es für das „Zaystübl“ in der Hindenburgstraße. Beata Sender, die seit fast 25 Jahren die Gaststätte „Murgdamm“ der Gartenfreunde betreibt, hatte die kleine Kneipe vor zwei Jahren zusätzlich gepachtet, den Vertrag aber zum Ende Oktober gekündigt. Die Entscheidung ist auch hier Corona geschuldet. Die Leute hätten Angst gehabt, sich in ein Lokal zu setzen, blickt Beata Sender vor allem auf die Zeit nach dem ersten Lockdown mit Personenbegrenzungen an den Tischen und Abstandsregelungen zurück. Anders als der „Murgdamm“ mit seiner weitläufigen Terrasse verfügt das „Zaystübl“ nur über wenige Außentische. Eigentümer Bernd Schlögl sucht nun einen Nachmieter. Interessenten für das Objekt habe es zwar schon gegeben, unterschrieben sei aber noch nichts.

In der Fuhrmannstraße haben derweil Fabrizio und Daniele Di Miceli ihre „Casa Sicilia Pizzeria & Pasticceria“ eröffnet. In den Räumen befanden sich einst ein Heißmangelladen und ein Hundesalon und davor die Metzgerei Merklinger, wovon noch die Kacheln an den Wänden künden. Die beiden Brüder, 24 und 21 Jahre alt, haben in den vergangenen Monaten nach eigenem Bekunden ihr Erspartes in den Traum vom eigenen Geschäft gesteckt, viel gearbeitet und die angemieteten Räumlichkeiten ansprechend umgestaltet. „Wir haben alles selbst gemacht“, berichten die Jungunternehmer.

Angeboten wird Feinkost aus Sizilien zum Mitnehmen oder zum Verzehr vor Ort, ebenso ein Lieferservice und ein Online-Shop. In der „Casa Sicilia“ kann man beispielsweise einen Cappuccino mit einem Croissant oder süßem Gebäck oder oder einen Prosecco mit Fingerfood, gefüllten Reisbällchen, Pizza, Pasta oder Salat genießen. Die Pizzen kommen im Übrigen aus dem großen Holzofen, auf den der gelernte Koch Daniele Di Miceli besonders stolz ist. Die Brüder kommen aus einer Gastronomenfamilie; die Eltern betreiben in Sinzheim das „La Luna“, erzählt Fabrizio Di Miceli. Mit ihrer „Casa Sicilia“ und ihrem Geschäftskonzept hoffen die Existenzgründer in eine Nische in Rastatt stoßen zu können.

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Erstellt:
8. September 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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