Bewerberkarussell beginnt sich schon zu drehen

Muggensturm (yd) – Da Dietmar Späth zum OB von Baden-Baden gewählt wurde, braucht Muggensturm einen neuen Bürgermeister. Gewählt werden könnte am 24. Juli, erste Bewerber werden bereits gehandelt.

Neuer Chef gesucht: Im Muggensturmer Rathaus wird Mitte Juni der Posten des Bürgermeisters frei. Foto: Frank Vetter

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Neuer Chef gesucht: Im Muggensturmer Rathaus wird Mitte Juni der Posten des Bürgermeisters frei. Foto: Frank Vetter

Nach der Wahl (in Baden-Baden) ist vor der Wahl (in Muggensturm): Da der bisherige Muggensturmer Bürgermeister Dietmar Späth am Sonntagabend in der Kurstadt zum OB gewählt wurde, wird der Chefsessel im Muggensturmer Rathaus zum 10. Juni frei – und wohl auch für einige Wochen im Sommer vakant bleiben. Da es Fristen einzuhalten gilt, sind die Muggensturmer vermutlich erst am 24. Juli zum Urnengang aufgerufen. Das Bewerberkarussell läuft aber jetzt schon an.
„Das Karussell kommt sogar schon richtig in Bewegung“, meint Winfriede Fuchs, seit fast 23 Jahren für die SPD im Muggensturmer Gemeinderat und Bürgermeister-Stellvertreterin, scherzhaft. Immerhin sei Muggensturm eine für Bewerber interessante Gemeinde, „die Arbeit im Gemeinderat ist sehr konstruktiv und freundschaftlich und von den Finanzen her sind wir hervorragend aufgestellt. Da hat Dietmar Späth gute Arbeit geleistet – und ich bin zuversichtlich, dass er das auch in Baden-Baden tun wird“, so Fuchs.

Erste Namen sind im Gespräch

In der Tat werden in Muggensturm schon einige Namen für potenzielle Nachfolger des noch amtierenden Bürgermeisters gehandelt. Einer davon ist keine große Überraschung: Claus Gerstner, seit 1990 Hauptamtsleiter im Rathaus. Seinem bisherigen Chef wünscht er alles Gute für den neuen Job in Baden-Baden: „Nur das Allerbeste. Wir haben ausgezeichnet miteinander gearbeitet.“ Am 10. Juni wird Späth seine neue Stelle antreten. Die Wahl in Muggensturm wird voraussichtlich erst Ende Juli stattfinden können – „es gilt da, verschiedene Fristen und Regularien für die Ausschreibung einzuhalten, die wir nun aber schnellstmöglich auf den Weg bringen werden“, sagt Gerstner. Gespräche mit den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat habe man bereits geführt, voraussichtlich in der Ratssitzung am 11. April werde die Ausschreibung beschlossen.

Die mehrwöchige Vakanz im Sommer werde dann in Zusammenarbeit mit den Bürgermeisterstellvertretern überbrückt. „Ich bin mir sicher, das kriegen wir gemeinsam hin“, sagt Gerstner. Aber hat er denn nun selbst Ambitionen auf den Chefposten? „Ich gebe zu, ich wurde schon häufiger darauf angesprochen“, sagt der 54-Jährige. „Es liegt ja auch nahe, die anstehenden Projekte sind mir bestens geläufig und ich bin in allem drin.“ Eine Entscheidung für oder gegen eine Kandidatur in Muggensturm habe er aber noch nicht getroffen. „Das muss man machen, wenn es so weit ist und wird sicher nicht in der kommenden Woche geschehen“, so der gebürtige Offenburger, der sich 2008 in Ortenberg zur Wahl als Bürgermeister stellte und damals knapp unterlag.

Vereine bedauern Weggang Späths

Auf Harald Unser, Sprecher der MBV-Fraktion und ebenfalls Bürgermeister-Stellvertreter in Muggensturm, wird im Sommer also etwas mehr Arbeit zukommen. „Wir werden uns mit den anderen Stellvertretern demnächst zusammen setzen und durchplanen, wie wir das machen. Das Szenario Bürgermeisterwahl haben wir schon durchgespielt, da liegen die Pläne im Prinzip schon in der Schublade.“ Man hoffe auf einen guten Nachfolger für Späth, der die positive Entwicklung der vergangenen Jahre genauso erfolgreich weiterführe.

Aus den Reihen der Vereinsvorsitzenden ist großes Bedauern zu vernehmen wegen des Weggangs Dietmar Späths. „Es wird spannend, wir hoffen auf Kandidaten, die uns wieder so tatkräftig unterstützen“, meint Bettina Haas, Vorsitzende des Turnvereins Muggensturm. Ihr Kollege Peter Walter, Vorstand des Gesangvereins und Alt-Gemeinderat, sieht es ähnlich: „Er hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Vereine, hat alles versucht, für uns möglich zu machen. Hoffentlich geht es mit seinem Nachfolger so weiter. Späths größte Verdienste hier waren, dass er einen zerstrittenen Gemeinderat befriedet hat und die Finanzlage der Gemeinde geordnet hat.“

Die Tatsache, dass Muggensturm schuldenfrei ist, dürfte laut Joachim Schneider, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat und ebenfalls Bürgermeister-Stellvertreter, für einen Ansturm auf den Chefsessel im Rathaus sorgen. Ob seine Fraktion einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken wird oder neutral bleibt, stehe noch nicht fest. „Wir sind aber sehr gespannt, was oder besser: wer kommt und hoffen auf keine Fehlbesetzung.“

Einer, der kommen könnte, ist Oliver Rastetter. Der gebürtige Muggensturmer war 2006 mit nur 27 Jahren zum Bürgermeister von Lauf im Ortenaukreis gewählt worden. Nach zwei Amtszeiten hatte Rastetter, der einst auch Mitglied des Muggensturmer Gemeinderats war, bereits im Januar erklärt, dort in diesem Sommer nicht mehr antreten zu wollen: „Ich habe in Lauf alles erreicht, was ich wollte. Und man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagte er am Montag im Gespräch mit dieser Zeitung. Er strebe eine Veränderung an. In Form einer Kandidatur in seiner ehemaligen Heimat? Rastetter lacht. „Kategorisch ausschließen will ich auf keinen Fall, auch, wenn meine Lebensplanung bis Sonntagabend ganz anders aussah. Muggensturm hat eine hohe Lebensqualität und bietet die Möglichkeit, als Bürgermeister zu gestalten. Das wäre eine reizvolle Aufgabe.“ Ehe er eine Entscheidung fälle, müsse er sich jedoch mit seiner Familie besprechen. In Lauf wird übrigens am 10. Juli ein neuer Bürgermeister gewählt. Nur zwei Wochen früher als in Muggensturm.


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