Bewohner sorgen sich wegen „beißenden“ Rauchs

Rastatt (ema) – In der Wohnanlage Max-Jäger-Schule und deren Umfeld herrscht im wahrsten Sinne des Wortes dicke Luft. Bewohner protestieren gegen „beißenden“ Rauch, der aus dem Schornstein kommt.

Mit einer Pellet-Heizung werden die knapp 100 Einheiten der Wohnanlage Max-Jäger-Schule gewärmt. An der Heizung selbst gibt es nichts zu kritteln. Foto: W. Walter

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Mit einer Pellet-Heizung werden die knapp 100 Einheiten der Wohnanlage Max-Jäger-Schule gewärmt. An der Heizung selbst gibt es nichts zu kritteln. Foto: W. Walter

Groß war die Freude im Zay vor vier Jahren, als die ehemalige Max-Jäger-Schule in eine neue Zukunft geführt wurde. Wo einst Schüler büffelten, sollte es sich nach dem Umbau, ergänzt um drei neue Stadthäuser, gut leben lassen. Für einige Bewohner und Anwohner ist die Freude allerdings Ernüchterung und Sorge um die Gesundheit gewichen: In einer Unterschriftenaktion wehren sie sich gegen „unerträgliche Rauchbelastungen“, die sich auch auf das Umfeld der Wohnanlage auswirken, wie Initiator Helmut Kleinbölting feststellt.
Der studierte Maschinenbauer ist mit seiner Frau im Frühjahr 2016 in die ehemalige Schule eingezogen. Ziemlich schnell gewann Kleinbölting den Eindruck, dass mit der Pellet-Heizung, die die knapp 100 Wohnungen wärmt, etwas nicht stimmen könne. Denn beim Betriebsstart der Heizbrenner kam und komme es immer wieder zu Rauchbelästigungen. Mehrmals täglich steige weißer, beißender Rauch aus dem Kamin, der sich unmittelbar nach Austritt seitlich und nach unten ausbreitet. „Innerhalb kürzester Zeit dringt Rauch in Wohnungen ein und macht einen Aufenthalt im Freien unmöglich. Insbesondere nachts ist die Situation fatal. Der Rauch fällt durch die geöffneten Dachfenster ins Schlafzimmer“, fürchtet Kleinbölting gesundheitliche Schäden, zumal überwiegend Senioren dort wohnen. 35 Bewohner haben in einer Unterschriftenaktion ihren Unmut dokumentiert, sowie weitere neun Anwohner – darunter der frühere Schulhausmeister Werner Dahm, bei dem die Rauchgerüche im Herzen des Zays den Eindruck erwecken, jemand verbrenne Biomüll.

„Wir kommen keinen Schritt weiter“

Aber: „An der Heizung ist alles in Ordnung“, räumt selbst Kleinbölting ein – baurechtlich und immissionsschutzrechtlich entspricht sie den gesetzlichen Vorgaben, wie auch Schornsteinfegermeister Hans Gress feststellt. Und auch an den Pellets könne es nicht liegen. Etliche Gespräche und Schriftwechsel mit Hausverwaltung, Investor, Heizungsbaufirma und Schornsteinfeger führten schließlich dazu, dass die Rauchrohre um einen Meter verlängert wurden. Doch die Situation besserte sich nicht, sagt Kleinbölting, für den das Phänomen wettertechnisch ein Rätsel ist. Er will jedoch darauf pochen, dass ein ergänzender Vorschlag des Schornsteinfegers umgesetzt wird: der Einbau von Kopfventilatoren an der Schornsteinmündung, um die Austrittsgeschwindigkeit der Abgase zu erhöhen.

Doch das sei so einfach nicht möglich, wie Hausverwalter Helmuth Keller erklärt. Denn die Ventilatoren seien mit dem Kessel nicht kompatibel, habe er sich von einer Fachfirma und dem Hersteller sagen lassen. Keller will das Problem nicht leugnen, verweist aber auch darauf, dass man bei einer dreiwöchigen Beobachtung mit einer Kamera keine Auffälligkeiten festgestellt habe. Hinzu komme, dass gar kein Beschluss der Eigentümerversammlung vorliege, wie man in der Angelegenheit vorgehen solle. Investor Thomas Gaiser sei zu einer Kulanzregelung bereit, sagt der Hausverwalter, doch dafür müsse erst mal der Beweis für einen Mangel vorliegen. Keller: „Es ist schwierig, wir kommen keinen Schritt weiter.“

Möglicherweise müsse man einen Gutachter einschalten, so Keller. Oder die Behörden stellen Klarheit her. Denn Kleinbölting hatte sich zunächst ans Landratsamt gewandt (das sich nicht für zuständig hält), dann an die Stadtverwaltung sowie direkt an OB Hans Jürgen Pütsch. „Das ist wie eine Gummiwand, gegen die man anrennt“, spürt der Bewohner Abwehrhaltung in den Amtsstuben. Immerhin hat das Baurechtsamt jetzt Dokumentationen der Rauchbelästigungen angefordert.

Im Rathaus stellt man sich allerdings auf den Standpunkt, dass in erster Linie der Hausverwalter in der Pflicht sei, einen möglichen Mangel abzustellen. Dennoch werde jetzt geprüft, ob ein weiterer Sachverständiger benötigt wird. Helmut Kleinbölting jedenfalls ist mit seiner Geduld am Ende: „So kann’s nicht weitergehen“, behält er sich rechtliche Schritte gegen den Investor vor.


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