Bibliothekar Ulrich Freist ab Ostern im Ruhestand

Gaggenau (kos) – Von der Kassette bis zu den Online-Medien hat Ulrich Freist als Leiter der Stadtbibliothek Gaggenau in 36 Jahren viel erlebt. Ab Ostersonntag tritt er seinen Ruhestand an.

Abschied aus heimischen Gefilden: Ulrich Freist fühlt sich schon früh zwischen Büchern zuhause. Foto: Konstantin Stoll

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Abschied aus heimischen Gefilden: Ulrich Freist fühlt sich schon früh zwischen Büchern zuhause. Foto: Konstantin Stoll

Für Ulrich Freist schließt sich bald das letzte Kapitel seines Berufslebens: Nach rund 36 Jahren als Leiter der Gaggenauer Stadtbibliothek verabschiedet sich Freist am Ostersonntag in den Ruhestand. Welche Geschichten das Leben künftig für ihn bereit hält, will er erst einmal auf sich zukommen lassen.

„Da geht schon eine Ära zu Ende“, blickt Ulrich Freist auf sein Leben zurück. Seit der Bibliothekar im Juli 1986 seine Stelle antrat, hat sich viel gewandelt: in der Welt ebenso wie in der Medienbranche. Dereinst wurden neben klassischen Büchern noch Kassetten in der Bibliothek angeboten, schmunzelt er. Den medialen Wandel bis hin zur sogenannten Onleihe miterlebt zu haben, sei spannend gewesen.

Liebe zum Buch schon in der Kindheit gefunden

Die Liebe zum Buch habe schon früh in seiner Kindheit angefangen: Bei den Großeltern in der Magdeburger Börde – damals noch in der DDR – hatte er großen Spaß daran, sich in den Bücherschrank seines Großvaters zurückzuziehen. Nach dem Zivildienst als Bücherkurier für ältere Menschen in München hat es ihn zunächst aber ins Finanzamt verschlagen. Dass dies für ihn eine nicht allzu spannende Episode war, zeigte sich schließlich darin, dass er dort nach nur neun Monaten wieder ausschied. Das anschließende Diplomstudium als Bibliothekar habe dann besser zu seinen Vorlieben gepasst, denn: „Bücher begleiten mein Leben.“ Nach einer Schwangerschaftsvertretung im Remstal verschlug es ihn schließlich nach Gaggenau. Eine Abkehr vom Murgtal sei ihm danach nicht mehr in den Sinn gekommen.

Der Stadtbibliothek bleibt er auch in Zukunft erhalten: So betreut er den Literaturkreis auch weiterhin. Zudem habe er sich bereit erklärt, die Reisen des Kulturrings Gaggenau organisatorisch zu begleiten. „Man sieht mich dann doch noch“, grinst er. Seine Nachfolge wird Bianca Grittmann antreten, die bislang die Kinderbibliothek leitet. Das vor seinem Austritt geregelt zu haben, sei ihm wichtig gewesen. Denn: „Ich übergebe hier im Grunde mein Baby.“ Und das wolle er in guten Händen wissen.

Freude am Lesen über die Jahre bewahrt

Planen wolle er seinen Ruhestand aber nicht allzu sehr. „Ich lasse es auf mich zukommen“, sagt er. Neben mehr Zeit mit der Familie wolle er mit seinem Lebenspartner noch etwas auf Reisen gehen. Freist freut sich vor allem darauf, nun „entspannter“ mit der freien Zeit umgehen zu können. Das gute Buch dürfe aber nicht fehlen, denn die Freude am Lesen hat Freist über die Jahre bewahrt. Auch heute liest er am liebsten historische Bücher. Auch Werke von und über historische Figuren faszinieren ihn. So holt er mit schnellem Griff ein handsigniertes Buch des deutschen Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass und eine Biografie von Altkanzler Helmut Schmidt aus seinem Regal. Seine Leselust reiche aber „querbeet“.

Unter den Umständen der Pandemie und des Krieges in der Ukraine, der auch ein Informationskrieg sei, meint er: „Heutzutage ist Information ganz wichtig.“ Dafür liest er gerne Tageszeitungen. Was sonst noch so kommt, will Freist mit entspanntem Blick auf sich zukommen lassen.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
8. April 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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