Biblische Weinproben aus Bühl

Bühl (wl) – Seit 20 Jahren veranstaltet Heribert Scherer „Biblische Weinproben“. Seit 2001 hat er schon rund 125 Veranstaltungen in ganz Baden durchgeführt. Und: Keine Probe ist wie die andere.

Zum Wohle: 2001 hat Heribert Scherer (rechts) mit „Biblischen Weinproben“ begonnen, bei denen ihn heute Paul Hahn unterstützt. Foto: Wilfried Lienhard

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Zum Wohle: 2001 hat Heribert Scherer (rechts) mit „Biblischen Weinproben“ begonnen, bei denen ihn heute Paul Hahn unterstützt. Foto: Wilfried Lienhard

Wenn Heribert Scherer erläutert, was für ihn im Wein liegt, fallen keine Stichworte wie Alkohol, Säure oder Aromen, und auch mit der Wahrheit, die Erasmus von Rotterdam im Saft der Reben ausgemacht hat, hält sich der Bühler Pastoralreferent nur kurz, aber kritisch auf: „Über die Wahrheit lässt sich trefflich streiten, in ihrem Namen werden sogar Kriege geführt.“ Der Wein, das ist für den Theologen und Pädagogen das Leben schlechthin, weshalb er seinen „Biblischen Weinproben“ das Motto „In vino vita!“ und eben nicht das zur Phrase gewordene „In vino veritas“ gegeben hat.

Seit 20 Jahren veranstaltet Scherer diese Weinproben schon. 2001 hat er eine Idee von Elke Mast aus Varnhalt aufgegriffen und gemeinsam mit Emil Kopp, dem Geschäftsführer der damaligen Winzergenossenschaft Varnhalt, die Premiere gefeiert. Etwa 125 Weinproben sind seither gefolgt, sie führten Scherer von Konstanz bis Mannheim und lockten mehr als 4.000 Gäste an. „Ich war damals einer der ersten in Baden, die solche Weinproben anboten“, sagt Scherer, der 1997 nach Varnhalt gekommen war und seit 2008 in der Seelsorgeeinheit Bühl-Vimbuch arbeitet. Mit der Zeit konnte er auch Kollegen für seine Idee begeistern: „Ich wollte ja nicht Weinvertreter für Baden werden.“

Wein wird 500 Mal in der Bibel erwähnt

Wein ist für Scherer ein Getränk, das Menschen zusammenbringt und Freude bereitet: „Das erleben wir immer wieder.“ Das sei es auch, wofür der Wein in der Bibel stehe, wo er rund 500 Mal erwähnt wird: für das Leben schlechthin, für die Freude, die Kommunikation, untereinander und mit Gott, die Begegnung. Bei der Auswahl der Bibelstellen, über die er spricht , beschränkt sich der Theologe auf einige wenige exemplarische, um sie umso intensiver besprechen zu können: „Sie sollten uns auch heute noch etwas zu sagen haben, etwas mit unserem Leben zu tun und innerhalb der Bibel zentrales Gewicht haben.“ Seine Lieblingsstellen haben sich mit den Jahren nicht verändert: Da ist im Neuen Testament das Wein-Wunder der Hochzeit von Kanaa und im Alten Testament eine Stelle im Buch Jesus Sirach, in der vor übermäßigem Weingenuss zu lesen ist: „Auch beim Wein spiele nicht den starken Mann! Schon viele hat der Rebensaft zu Fall gebracht.“

Das Rauschhafte, das andere Religionen kennen, finde sich in der Bibel nicht, sagt Scherer. Der Blick über den Gartenzaun gehöre bei den Proben durchaus dazu, auch dank der Teilnehmer. In Bühl habe bei der evangelischen Gemeinde schon ein Moslem teilgenommen und spontan erzählt, was der Koran über den Wein sagt. „Manche Besucher steuern ein Gedicht oder ein Lied bei, und das ist bewusst gewollt“, berichtet Scherer. „Keine Probe ist wie die andere.“

Nicht der Wein steht im Mittelpunkt

Für die Weindetails hat er stets einen Experten an der Seite, zuletzt vor allem Paul Hahn aus Altschweier, mit dem er 2005 in Bühlertal erstmals die Gäste unterhielt. Wenn Scherer in weiter entfernten Orten ist, setzt er auf einheimische Winzer und auch deren Wein. Wichtig sei, dass die Verkostung rasch beginne und erst dann die Erläuterungen zur Bibel kämen, meint Hahn. Anders als bei „normalen“ Weinproben stehe nicht der Wein im Mittelpunkt, sagt der Winzer und Wein-Guide. Vier verschiedene Weine reichten bei solchen Proben aus, „sonst braucht Heribert gar nicht mehr zu reden“. Da lacht Scherer und darf sich bestätigt fühlen: Der Wein ist Begegnung und Austausch.

Die nächste „Biblische Weinprobe“ findet am kommenden Freitag, 19. November, ab 19 Uhr im Affentaler Winzerkeller statt, Anmeldung: (07223) 98980, E-Mail: info@affentaler.de.

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Ihr Autor

Wilfried Lienhard

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Erstellt:
17. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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