Bietigheim: Viele Vorschläge für mehr Lebensqualität

Bietigheim (she) – Wie lässt sich die Lebensqualität in Bietigheim steigern? Das Barcamp gab Antworten.

Neue Form der Bürgerbeteiligung: Organisator Gunnar Thörmer mit Lila Sax Dos Santos Gomes und Jan Uekermann, zwei von 17 Themengebern (von links).Foto: Chris Heinemann

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Neue Form der Bürgerbeteiligung: Organisator Gunnar Thörmer mit Lila Sax Dos Santos Gomes und Jan Uekermann, zwei von 17 Themengebern (von links).Foto: Chris Heinemann

Eine Wiese, auf der sich Hunde ohne Leine austoben können, neue Impulse für die Gemeindepartnerschaften, frische Ideen für die bestehende Taschengeldbörse und die Stärkung von Nachhaltigkeit auf kommunaler wie privater Ebene – das sind nur einige der Wünsche und Ideen von Bürgern für mehr Lebensqualität, die gute Chancen haben, in den nächsten Jahren in Bietigheim umgesetzt zu werden.
Entstanden sind sie bei einer neuen Form von Bürgerbeteiligung, die unter der englischen Bezeichnung Barcamp am vergangenen Samstag in der Bietigheimer Gemeinschaftsschule über die Bühne gegangen ist.

Nach der Premiere im Januar 2019 war es die zweite Veranstaltung dieser Art im Ort. Auf Einladung des Forums Agile Verwaltung, einem in Karlsruhe ansässigen unabhängigen Netzwerk serviceorientierter Verwaltungspraktiker, und des Jugend-, Familien- und Seniorenbüros der Gemeinde kamen diesmal über 40 Menschen aller Generationen und verschiedener Herkünfte zusammen, um sich unter dem Motto „Bietigheim 2030 – Zukunft gemeinsam gestalten“ über selbst gewählte Themen mit örtlichem Bezug auszutauschen. Unter denen, die eifrig mitdiskutierten, waren neben Gemeindemitarbeitern beispielsweise drei aktive und zwei ehemalige Gemeinderäte, etliche Multiplikatoren und eine zehnjährige Schülerin.

Nach insgesamt sechs Stunden, in deren Verlauf im stundenweisen Wechsel und verteilt auf vier Räume nicht weniger als 17 Themen zur Sprache kamen, zogen die beiden Organisatoren, der selbstständige Business-Coach Gunnar Thörmer und Wolf Steinbrecher vom Forum Agile Verwaltung, eine positive Bilanz. Die Qualität habe gestimmt, so Steinbrecher. „Die Leute hatten Interesse, andere Meinungen kennenzulernen, das macht den Austausch fruchtbar.“ Und sein Kollege ergänzte: „Mich hat sehr gefreut, dass zum Abschluss der Wunsch geäußert wurde, die Veranstaltung künftig halbjährlich abzuhalten.“ Auch Bietigheims Bürgermeister Constantin Braun war voll des Lobes: „Dass sich Gleichgesinnte finden, um etwas gemeinsam voranzutreiben, das braucht die Gemeinde.“ Für etliche Vorschläge, darunter die eingangs erwähnten, sah er gute Umsetzungschancen.

Brauns Favorit: Bürgerräte

Brauns persönlicher Favorit war das Thema „Bürgerräte“. Zu dessen Erläuterung war eigens sein Amtskollege Rich Laurent aus dem südelsässischen Kingersheim angereist, wo diese Form der Bürgerbeteiligung per Zufallsauswahl seit über 20 Jahren praktiziert wird. Der elsässische Schultes empfahl, ein „Haus der Bürgerschaft“ einzurichten, denn: „Demokratie und Bürgerbeteiligung brauchen Räume.“ Damit traf er den Nerv seiner Zuhörer. War doch der Wunsch nach einem solchen Begegnungszentrum bereits beim ersten Barcamp aufgekommen.

Die Teilnehmenden sollten nicht nur zuhören, sondern auch selbst Themen vortragen. So warb zum Beispiel die 38-jährige Unternehmensberaterin für Gleichberechtigungsfragen, Lila Sax Dos Santos Gomes, unter dem Titel „Zusammenleben und Zusammenhalten in Bietigheim“ für mehr Dialog mit Andersdenkenden. Eine Herangehensweise, die Jan Uekermann „extrem wichtig“ fand, um die durch Corona und Impfdebatten aufgerissenen Gräben in der Gesellschaft zu überbrücken. Der 40-Jährige hatte das Nachhaltigkeitsthema angestoßen und will künftig das Organisationsteam verstärken. Eine Schlussrunde einigte sich darauf, eine Einladung nach Kingersheim anzunehmen, dem Gemeinderat über die Barcamp-Ergebnisse zu berichten und einzelne Themen in Arbeitsgruppen weiterzuführen.

Eine Nachlese der Veranstaltung soll laut Gunnar Thörmer in den nächsten Tagen auf www.barcamp-bietigheim.de erscheinen.


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