Bietigheim:Alte Kirche wird saniert

Bietigheim (mak) – Die Dachkonstruktion und der Wehrturm des Bietigheimer Wahrzeichens werden instandgesetzt. Die kostenintensiven Arbeiten an der Alten Kirche sollen sechs bis neun Monate andauern.

Drei Balken über dem Chorraum wurden abgetrennt und schwächen die Statik.  Foto: Markus Koch

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Drei Balken über dem Chorraum wurden abgetrennt und schwächen die Statik. Foto: Markus Koch

Die Alte Kirche ist eingerüstet, ab Mitte September wird der marode Dachstuhl aufwendig saniert. „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern 14 Uhr“, verdeutlicht Bürgermeister Constantin Braun und erhält Zustimmung von Architekt Andreas Fritz. Die Stürme im August und November 2019 hätten ganz anders ausgehen können, die Konstruktion war einsturzgefährdet.
Aus diesem Grund musste rasch gehandelt werden, das Kirchenschiff wurde von einem Zimmermann mit einer Balkenkonstruktion, einer sogenannten Notuntersprießung, gesichert, sodass weiterhin Gottesdienste stattfinden konnten.

Der Dachstuhl des Bietigheimer Wahrzeichens wird nun in den kommenden Wochen abschnittsweise von vorne nach hinten instandgesetzt, wie Fritz erklärt. Die Tonziegel werden komplett erneuert. Die denkmalgeschützte Konstruktion wurde im Vorfeld von einem Holzgutachter aufwendig untersucht.

Kernfäule und Holzwurm

Bei der Sanierung werden die betroffenen Balken demontiert und restauratorisch bearbeitet. Etwa 40 bis 50 Prozent der Binderkonstruktion muss ausgetauscht werden. In manchen Balken wurde Kernfäule entdeckt, in vielen war außerdem der Holzwurm drin, doch dieser wurde erfolgreich behandelt. An einer Stelle über dem Chorraum wurden drei tragende Querbalken durchtrennt, was bei Fritz für Verwunderung sorgt. Warum die Balken in der Vergangenheit abgesägt wurden, kann er nicht nachvollziehen. Die Schwachstelle in der Statik, die selbstredend beseitigt wird, stößt bei ihm jedenfalls auf völliges Unverständnis.

Die aktuelle Materialknappheit und die stark gestiegenen Holzpreise bereiten Fritz kein Kopfzerbrechen. Man habe sich frühzeitig ein ausreichendes Holzkontingent bei einem Lieferanten aus dem Schwarzwald gesichert, erläutert der Architekt im BT-Gespräch.

Etwa sechs bis neun Monate werden die Sanierungsarbeiten im Dachstuhl in Anspruch nehmen, schätzt der Architekt. „Wenn dann alles in regelmäßigem Turnus gewartet und gepflegt wird, dann sollte die Konstruktion die nächsten 200 bis 300 Jahre wieder halten“, meint er augenzwinkernd.

Arbeiten am Wehrturm

Im Anschluss wird dann der Wehrturm, der 1129 erstmals urkundlich erwähnt wurde, saniert. Die schwarzen Schieferdachsteine sind zwar noch in Ordnung, allerdings sind die Nägel, Haken und Klammern verrostet, verdeutlicht Fritz. Am Gemäuer des Turms werden Fugenfehlstellen überarbeitet, die Auflagepunkte der Zwischendecke erneuert und die Schallläden ersetzt. Die Außenmauer soll eine „behutsame Grundreinigung“ erfahren.

Der Orkan, der am 6. August 2019 in Bietigheim wütete, hatte etliche First- und Dachziegel abgedeckt: „In diesem Zusammenhang wurden die gewachsenen Schäden in der Dachkonstruktion entdeckt“, berichtet Fritz.

Die Sanierungsmaßnahmen werden rund zwei Millionen Euro verschlingen, erklärt Braun. Im Rahmen des Landessanierungsprogramms für den alten Ortskern fließt eine Million Euro, aus dem Ausgleichsstock rechnet der Rathauschef mit Zuschüssen in Höhe rund 300.000 Euro. Bei der Deutschen Denkmalstiftung habe man zudem 50.000 Euro beantragt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Markus Koch

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Erstellt:
31. August 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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