Bietigheimer Narren trotzen dem Virus

Bietigheim (as) – Narrenvirus contra Coronavirus heißt es derzeit beim Carneval Club Bietigheim (CCB): Die Kampagne zum 33-jährigen Jubiläum ist abgesagt, aber es läuft die Aktion Christ-Narren-Bäume.

Orden und Fastnachtspuppen zieren diesen Christ-Narren-Baum. Foto: privat

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Orden und Fastnachtspuppen zieren diesen Christ-Narren-Baum. Foto: privat

Eigentlich wäre Petra Thern jetzt gerade im närrischen Stress, schließlich hat „ihr“ Carneval Club Bietigheim (CCB) dieses Jahr Jubiläum: 33 Jahre gibt es den Verein. „Da wollten wir es so richtig krachen lassen“, erzählt die Präsidentin. Doch coronabedingt hat der Verein mit seinen 16 Gruppen alle Aktivitäten abgesagt. Mit der Aktion Christ-Narren-Bäume setzt der Verein im Ort dennoch ein närrisches Zeichen.

Die Bietigheimer Christ-Narren-Bäume sollen den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Foto: privat

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Die Bietigheimer Christ-Narren-Bäume sollen den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Foto: privat

Die Idee dazu hat ein rühriges, dem CCB sehr verbundenes Ehepaar aus Bietigheim an die Gemeindeverwaltung und den Verein herangetragen, erzählt Thern. Bewusst wollen die Ideengeber nicht genannt werden, sondern wünschen sich, dass die Aktion im Vordergrund stehen soll und viele Nachahmer findet.

„Es geht darum, Bietigheim auch ohne Fastnacht etwas bunter zu machen und den vielen Christbäumen, die dieses Jahr nicht von der Jugendfeuerwehr abgeholt werden konnten, in den Vorgärten eine weitere Bestimmung zu geben“, bringt es die CCB-Präsidentin auf den Punkt. Närrisch geschmückt nämlich sollen diese ein buntes Band durch den Ort ziehen, „damit es in Bietigheim dieses Jahr wenigstens ein bisschen nach Fastnacht aussieht“.

Erste Bäumchen sind schon geziert

Beim CCB war man sofort begeistert, es folgte ein Aufruf zum Mitmachen – und die ersten Bäumchen sind auch schon geziert, wie Fotos belegen, die der Verein auf seiner Facebook-Seite und die Gemeinde auf ihrer Homepage veröffentlichen. Von Luftballons und Luftschlangen statt Christbaumkugeln und Lametta bis hin zu närrischen Jahresorden oder Fotos der Tollitäten reicht der Narrenbaumschmuck – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Weil viele Baumanhänger nicht wetterfest sind, bleiben allerdings viele Bäume weiterhin in den guten Stuben stehen, hat Petra Thern festgestellt. „Macht nichts“, findet sie die Aktion trotzdem toll und ruft weiter dazu auf, mitzumachen und Fotos zu schicken.

Luftschlangen verleihen diesem Christbaum den närrischen Touch. Foto: privat

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Luftschlangen verleihen diesem Christbaum den närrischen Touch. Foto: privat

Dass die Aktion Wellen geschlagen hat und auch auf andere Fastnachtsvereine übergeschwappt ist, belegen Bilder von Christ-Narren-Bäumen aus Muggensturm und Ötigheim. Der CCB freut sich über die Beweise der närrischen Verbundenheit. Und die Gemeindeverwaltung freut sich über einen von den Kiiholzbuuwe, der Hästrägergruppe des Vereins, in den CCB-Farben geschmücktes Bäumchen samt närrischer Puppe in ihrem Eingangsbereich.

Narrenvirus contra Coronavirus

Wer mit dem Narrenvirus infiziert ist, der lässt sich auch vom Coronavirus nicht unterkriegen, das beweisen gerade viele Vereine in Mittelbaden. Dass es einem Fastnachtsverein mit seinen vielen kreativen Geistern dabei nicht an Ideen mangelt, zeigt auch ein Blick ins Corona-Jahr beim CCB: Der Zunftmeister hat geheiratet, das ist zu normalen Zeiten ein Großereignis für die Vereinskollegen. Wegen der Kontaktbeschränkungen haben Vereinsmitglieder Stationen im Ort aufgebaut, die das Brautpaar abfahren musste und wo jeweils Video-Glückwünsche der Vereinskollegen warteten. Die Taufe der neuen Kiiholzbuuwe wiederum erfolgte bei einem coronakonformen Grillfest – „dabei wurde statt des obligatorischen Gesangs einfach gesummt“, erzählt Thern. Für die Kinder aus den Garden wiederum wurden Trainingsvideos für zu Hause gedreht

CCB finanziell wieder auf gesunden Füßen

Ganz besonders bedauert die CCB-Präsidentin, dass das im Ort früher typische „Gaggeln“ am Rosenmontag nicht stattfinden kann, das die Elferräte vergangenes Jahr mit großem Engagement und großem Erfolg wiederbelebt haben: Dabei ziehen die Kinder mit dem Spruch „Gaggele Gaggele Speck, wenn ma nix kriege, geh ma net weg!“ von Tür zu Tür, um Süßigkeiten einzuheimsen.

Die Fastnachtsprinzessinnen sind auch am Baum eine Augenweide. Foto: privat

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Die Fastnachtsprinzessinnen sind auch am Baum eine Augenweide. Foto: privat

Weil die Hoffnung aber bekanntlich zuletzt stirbt, richten die CCB-Aktiven den Blick nach vorne auf den 11.11.2021. Am Auftakt der neuen närrischen Saison soll die Jubiläumskampagne doch noch eingeläutet werden können. Schließlich liegen 3000 Jubiläumsorden im Schrank und jede Menge Ideen für eine Knaller-Kampagne in den Schubladen. Grund zum Feiern hat der Verein nämlich auch noch aus einem anderen Grund, verrät Thern: Nach heftigen Turbulenzen steht der CCB finanziell wieder auf gesunden Füßen. „Es sind alle Steuerschulden beglichen“, blickt sie zuversichtlich in die Zukunft.

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Erstellt:
15. Januar 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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