Bildungsbausteine zu den Rastatter Rheinauen

Rastatt (sawe) – Heinz Zoller von den Naturfreunden hat ein ganz besonderes Hobby: Er entwickelt gerne Bildungsbausteine, wobei ihm die Rastatter Rheinauen besonders am Herzen liegen.

Naturfreunde-Vorsitzender Heinz Zoller in seinem Garten mit einigen seiner Bildungsbausteine. Foto: Sabine Wenzke

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Naturfreunde-Vorsitzender Heinz Zoller in seinem Garten mit einigen seiner Bildungsbausteine. Foto: Sabine Wenzke

Wenn Heinz Zoller von den Rastatter Rheinauen spricht, dann leuchten seine Augen. Als ein „Kind des Rieds“ in Wintersdorf aufgewachsen, habe er schon früh einen Bezug zu dem Landstrich entwickelt, erzählt der 71-Jährige. Auch heute hält er sich gerne in der freien Natur auf und ist an allem interessiert, was die Rheinauen anbelangt. Da sie ihm besonders am Herzen liegen, recherchiert er intensiv über sie. Seine Erkenntnisse arbeitet Zoller gerne in Vorträgen oder Bildungsbausteinen auf. Das ist sein Steckenpferd.

Mehr als 250 Aktenordner gefüllt

Ein nicht alltägliches Hobby, das vor allem den Rastatter Naturfreuden mit ihren knapp 300 Mitgliedern zugute kommt. Dort steht Zoller, der 1995 der Umweltorganisation beitrat, seit 2005 im Vorstand ist und seit 2009 die Naturfreunde in der Doppelspitze erst mit Uschi Böss-Walter und nun im Team mit Jutta Eckert-Schirmer und Olga Anissimowa leitet, an vorderster Front. Er gehört zu den Mitbegründern der Umweltschule der Naturfreunde, die regelmäßig kostenlose Bildung in Sachen Natur- und Umweltschutz anbietet, wenn nicht gerade Corona ist. Das Themenspektrum war bisher vielfältig, reichte von „Biodiversität und Naturschutz“, über „Nachhaltige Entwicklung“ sowie „Klimawandel und Klimaschutz“ bis hin zu „invasiven gebietsfremde Arten“ – ein Vortrag, der besonders gute Resonanz fand.

Der Diplom-Mathematiker, der rund 40 Jahre beim KIT in Karlsruhe in der Informatik tätig war und seit fünf Jahren im Ruhestand ist, kniet sich regelrecht in die Materie hinein, wenn er eine Präsentation erstellt. Dann werden erst einmal unzählige Fachbücher gewälzt und Recherchen im Internet betrieben. Mehr als 250 Aktenordner hat er in den vergangenen Jahren bereits mit Infomaterial gefüllt – jedes Blatt mit Text- und Fotomaterial ist fein säuberlich in Hüllen abgeheftet. Die Ordner haben lediglich unterschiedliche Farben und sind außen nicht beschriftet, doch der 71-Jährige findet trotzdem fast immer alles auf Anhieb, was er braucht.

Neues Bildungsmaterial erstellt

Die Pandemie und den Lockdown in diesem Jahr hat Zoller genutzt, um neues Bildungsmaterial für Interessierte zu erstellen, das bei ihm als PDF angefordert werden kann. Das Projekt heißt „Nachhaltige Entwicklung der Rastatter Rheinaue (NERR)“ und lädt zum Mitmachen ein. Etwa ein Dutzend an Folien nebst Erläuterungen zum NERR-Projekt sind bereits fertig, etwa 20 Präsentationen sollen es am Ende werden, erzählt er, und da schwingt Begeisterung mit. Es geht um Themen wie „Vom Ur-Rhein zum Rhein“, den „Ausbau zur Wasserstraße“ oder „Staustufe und Wasserkraftwerk“. Ziel ist es, einen Beitrag zum Erhalt und zur nachhaltigen Entwicklung der Rastatter Rheinaue zu leisten, betont er. Der Vorsitzende beabsichtigt, im Herbst wieder mit den Vorträgen zu beginnen und auch kleinere Exkursionen anzubieten, wenn es das Infektionsgeschehen erlaubt. Denn bei aller Theorie, so weiß Zoller, ist das Erlebnis vor Ort das Nachhaltigste.

Ehrenamt als Fulltime-Job

Dies zeigt sich auch immer wieder bei Aktionstagen der Naturfreunde an der Naturerlebnisstation (NEST) Raukehl, wenn der profunde Kenner der Rheinauen Kindern und Jugendlichen anschaulich erklärt, was sich dort alles tummelt und bewegt – angefangen vom Großen Kolbenwasserkäfer über Ruderwanzen bis hin zum Wasserschmetterling. In der Regel gibt es einmal pro Monat ein Treffen oder einen Vortrag bei den Naturfreunden, zuweilen auch mit anderen Referenten. Die Naturfreunde kooperieren mit mehreren Institutionen und Organisationen wie NABU und Aueninstitut, sie betreiben seit zehn Jahren ein eigenes Rheinauenportal, das natürlich Zoller betreut, haben bereits vielfältige Veranstaltungen zu den Rheinauen geboten, das LIFE+-Projekt „Rheinauen bei Rastatt“ begleitet und einen eigenen Informationsdienst „Rheinauen-Aktuell“ dazu herausgebracht. „Aktuell begleiten wir auch die Projekte Umgestaltung der Rheinpromenade und Hochwasserschutzdammertüchtigung“, teilt Zoller mit.

Für den Rastatter ist das ehrenamtliche Engagement für die Naturfreunde schon längst ein Fulltime-Job geworden: Rund zehn Stunden investiert er täglich in seine Arbeit, berichtet er und dies „immer noch gerne“. Aus gesundheitlichen Gründen muss er zwar inzwischen auf alpine Wandertouren verzichten, weswegen er auch die Wandergruppe der Naturfreunde, die er viele Jahre lang geleitet hat, im vergangenen Jahr abgegeben hat. Die letzte Tour führte 160 Kilometer durch die Lechtaler Alpen. Ausgedehnte Spaziergänge sind aber immer noch möglich, zudem hat Zoller vor einem Jahr die Hausverwaltung des Vereinsheims in der Brufertstraße übernommen.

„Käfer und Wespen“ im Bild

Erholung findet der Vater zweier erwachsener Söhne in der Natur, wobei er meist seinen Fotoapparat dabei hat – natürlich auch immer in Diensten eines Naturfreunde-Foto-Projekts, das 2018 Premiere feierte mit der „Schmetterlingswelt vor Ort“. In diesem Jahr heißt das Thema „Käfer und Wespen“. Das Fotoprojekt helfe, Artenkenntnisse zu gewinnen, verdeutlicht Zoller, der viel liest und schon am Morgen beim Frühstück mit einer Lektüre in den Tag startet: „Ich lese jeden Morgen das Badische Tagblatt und archiviere seit Jahren daraus Artikel“, erzählt er schmunzelnd – sei es über die Naturfreunde, über Umweltthemen oder seine geliebten Rastatter Rheinauen.

Das „NERR“- Projekt der Naturfreunde

Um Renaturierung und Nachhaltigkeit geht es bei einem neuen Projekt der Naturfreunde Rastatt. Es heißt „Nachhaltige Entwicklung der Rastatter Rheinaue“ (NERR). Renaturierung bedeutet die Schaffung eines möglichst naturnahen Zustands unter Berücksichtigung der bisherigen Nutzungen und Nachhaltigkeit, dass auch zukünftige Generationen noch die Leistungen des Ökosystems nutzen können, verdeutlicht Vorsitzender Heinz Zoller. Ziel des Projekts ist es, einen Beitrag zum Erhalt und zur nachhaltigen Entwicklung der Rastatter Rheinaue zu leisten. Dies soll mit Unterstützung aus der Bevölkerung erreicht werden. Voraussetzung hierfür sei die emotionale Bindung zum Strom und seinen Auen und das Wissen um die funktionalen Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten. Hier sollen von Zoller neu erstellte Präsentationen hilfreich sein. „Dabei geht es weniger um dozierende Vorträge als vielmehr um strukturiertes, abwechslungsreich gestaltetes und eingängiges Begleitmaterial zu Veranstaltungen und Exkursionen vor Ort in den Rastatter Rheinauen“, betont der 71-Jährige. Wer bei dem Projekt mitmachen und Informationen erhalten will, kann sich unter info@naturfreunde-rastatt.de melden. Weitere Infos auf der Homepage der Naturfreunde: www.naturfreunde-rastatt.de.

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Erstellt:
12. August 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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