Bildungstest im Verborgenen

Stuttgart(bjhw) – In Baden-Württemberg läuft aktuell die Leistungsuntersuchung PISA: Noch bis 27. Mai werden 15-Jährige an 39 repräsentativ ausgewählten Schulen im Land getestet.

Bei der PISA-Studie wird in diesem Jahr ein Schwerpunkt auf Mathematik sowie auf kreativem Denken liegen. Foto: Marijan Murat/dpa/Archiv

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Bei der PISA-Studie wird in diesem Jahr ein Schwerpunkt auf Mathematik sowie auf kreativem Denken liegen. Foto: Marijan Murat/dpa/Archiv

Bei der Präsentation der Ergebnisse ist die Aufmerksamkeit regelmäßig riesig. Die diesjährige, die insgesamt achte PISA-Runde, wegen Corona um ein Jahr verschoben, startete Anfang April eher im Verborgenen. Noch bis 27. Mai werden 15-Jährige an 39 repräsentativ ausgewählten Schulen im Land getestet.

Nach dem Schwerpunkt Lesen 2018 geht es 2022 vor allem um Mathe, um die Corona-Folgen und darum wie Jugendliche „vielfältige, kreative Ideen produzieren und weiterentwickeln“. An Lehrkräfte und Eltern sind zudem Fragebögen ausgegeben zur Unterrichtsgestaltung, zur Verwendung digitaler Medien, zum häuslichen Umfeld oder den Lernbedingungen außerhalb der Schule. Alle Auswertungen und das traditionelle Ranking der 79 teilnehmenden Staaten wird die OECD bis Ende 2023 vorlegen.

33 Seiten voller Fragen

Ergibt eine ganze mit sich selber multiplizierte Zahl immer, manchmal oder niemals eine gerade Zahl? Ist wahr, manchmal oder niemals wahr, dass eine Münze 50 Mal geworfen 25 Mal mit dem Kopf nach oben landet? Und wie schaut ein Boden aus, wenn der Fliesenleger nur das eine und das andere Muster verwendet oder beide mischt? Fragen über Fragen: 33 (!) Seiten stark ist das Beispielheft, das veranschaulichen soll, wie die PISA-Verantwortlichen den diesjährigen Mathe-Schwerpunkt verstanden wissen wollen.

Definiert wurde auch, was unter der – als notwendig unterstellten – „Mathematischen Grundbildung“ zu verstehen ist. Die Neuntklässler sollen die Fähigkeit besitzen, „in einer Vielzahl von Kontexten Problemstellungen mathematisch zu formulieren, zu bearbeiten und zu interpretieren sowie mathematisch zu argumentieren“. Mathematisches Schlussfolgern müsse genutzt werden können, etwa „um Phänomene zu beschreiben, zu erklären und vorherzusagen“.

Überschaubare Vergleichsergebnisse

Weil Grundkenntnisse in Naturwissenschaften, Deutsch und Mathe in jeder PISA-Runde seit 2000 erhoben werden, liegen republikweit Vergleichsergebnisse vor. Bisher waren die eher überschaubar. 2018 scheiterten 21 Prozent der Schüler und Schülerinnen in Deutschland am mathematischen Mindestniveau, drei Punkte mehr 2012. Ähnlich die Entwicklung im Spitzenfeld: Eine der beiden höchsten Kompetenzstufen schafften 13 Prozent der Getesteten, 2012 waren es noch vier Punkte mehr. Für Baden-Württemberg liegen Bildungsvergleiche aus den Jahren 2017 und 2018 vor. Grundschüler waren bei den Rechenkompetenzen regelrecht abgestürzt im Vergleich zu 2011, weil nur noch 62 Prozent den Mindeststandard erreichten oder übertrafen, ein Minus von zehn Punkten.

Gerade mit Blick auf Corona wird getestet, wie 15-Jährige ihre Kompetenzen im Alltag nutzen. Der internationale Vergleich werde zeigen, welchen Bildungssystemen es am besten gelungen sei, kreativ und flexibel auf die veränderten Herausforderungen zu reagieren und die Auswirkungen der Pandemie auf Bildungserfolg in Grenzen zu halten, so OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. In Sachen kreatives Denken haben die Schüler Aufgaben zu lösen, die „die Bedeutung angeborener Talente für die Leistung minimieren und die formbare Fähigkeit des Einzelnen stärker in den Mittelpunkt stellen“. Die Aufgabenstellung ist mindestens so komplex wie jene in Mathe. Denn, erläutert Schleicher, die Jugendlichen müssten nicht nur alternative Lösungswege entwickeln, sondern sich dabei auch beobachten und die Originalität ihres Vorgehens und ihrer Lösung bewerten.


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