Birco akzeptiert Beschluss des Bundeskartellamts: Keine Übernahme

Baden-Baden (tas) – Der Entwässerungsspezialist Birco wird nicht von der ACO-Gruppe übernommen. Das Baden-Badener Unternehmen legt keine Rechtsmittel gegen das Fusionsverbot der Kartellwächter ein.

Entwässerungsrinnen am Flughafen München: Der Hersteller Birco baut seine Kapazitäten am Heimatstandort Baden-Baden aus. Foto: Birco

Entwässerungsrinnen am Flughafen München: Der Hersteller Birco baut seine Kapazitäten am Heimatstandort Baden-Baden aus. Foto: Birco

Im Januar hatte das Bundeskartellamt die Übernahme des Baden-Badener Herstellers von Entwässerungsrinnen, Birco, durch ACO untersagt. Diesen Beschluss der Bonner Behörde wollen beide Unternehmen nun akzeptieren. Damit wird die Entscheidung rechtskräftig.

„Natürlich hätten wir uns über einen positiven Beschluss gefreut, denn die Fusion hätte für beide Unternehmen große Möglichkeiten geboten. Das Bundeskartellamt hat anders entschieden“, sagt Frank Wagner, der langjährige geschäftsführende Gesellschafter von Birco.

Die Büdelsdorfer ACO-Gruppe wäre der Wunschpartner für Wagner gewesen, er hatte mit dem Vorhaben auch die Führungsfrage im Unternehmen verknüpft. Wagner ist 61 Jahre alt, ein Familienmitglied aus der vierten Generation, das das Unternehmen in die Zukunft hätte führen können, steht nicht zur Verfügung: Im Jahr 2020 hatte Markus Huppertz, Wagners Neffe und einer von drei Geschäftsführern, das Unternehmen verlassen, um sich einer neuen beruflichen Aufgabe zu widmen.

Die Bonner Wettbewerbshüter hatten durch das Zusammengehen von ACO und Birco eine dominante Stellung im Bereich der sogenannten Linienentwässerung gesehen. Hierbei werden Rinnen aus Kunststoff, Metall und Beton im Boden versenkt und aneinandergereiht, um Niederschläge auf versiegelten Flächen – beispielsweise auf Rollfeldern von Flughäfen, Straßen und Plätzen – zügig abzuleiten. Laut dem Kartellamt beträgt das Umsatzvolumen in diesem Bereich in Deutschland (im Jahr 2020) fast 200 Millionen Euro.

Nach Berechnungen der Behörde erreichen ACO und Birco hier gemeinsame Marktanteile von bis 50 Prozent und „würden damit eine marktbeherrschende Stellung einnehmen. Als zusammengeschlossene Einheit wären beide zusammen fast dreimal so groß wie die Nummer zwei des Marktes, Hauraton“, stellten die Aufseher im Januar fest. Hauraton hat seinen Sitz in Rastatt.

„Wir akzeptieren die Entscheidung“, sagt Birco-Chef Wagner nun, „obwohl wir bei der zugrunde gelegten engen Marktabgrenzung der Linienentwässerung anstatt der von uns als relevant betrachteten Oberflächenentwässerung nach wie vor anderer Meinung sind.“

Operativ nicht beeinflussen lassen


Das Kartellamt hatte sich für die Prüfung im vergangenen Jahr viel Zeit gelassen, bis zur Entscheidung war mehr als ein halbes Jahr vergangen. Nach der Ablehnung der Fusion beider Unternehmen hatten Birco und ACO vier Wochen Zeit, um Einspruch gegen den Bescheid einzulegen. Darüber hätte dann das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf entscheiden müssen. Doch ein solches Verfahren gilt als aufwendig.

Wagner will sich nun von der ablehnenden Entscheidung der Kartellbehörde operativ nicht beeinflussen lassen. „Bevor wir überhaupt in Gespräche mit ACO über eine Fusion eingetreten sind, haben wir bereits in den letzten Jahren begonnen, Birco mit zahlreichen Innovationen für die Zukunft neu auszurichten. Die großen Investitionen in neue Technologien und die Erweiterung unserer Kapazitäten in der Fertigung werden unsere Produktivität auf ein neues Niveau heben. Das wird unsere Marktposition weiter stärken“, sagt er.

Konkret plant Birco den Bau einer neuen Beton-Mischanlage. Die Baugenehmigung werde im Mai erwartet. Investitionsvolumen: sechs Millionen Euro. Birco bekenne sich damit klar zum Heimatstandort. „Baden-Baden und Sinzheim sind und bleiben die Standorte von Birco. Das wäre aber auch im Fall einer Fusion nicht anders gewesen. Wir sind ein fester Teil der Region.“

Die Suche nach einem Nachfolger wird Unternehmenschef Wagner also weiterverfolgen müssen. Für ihn ist jedoch klar: „Nachdem seit April 2020 feststand, dass kein Familienmitglied das Unternehmen in die vierte Generation führen wird, habe ich unseren Mitarbeitern versichert, dass ich Birco über kurz oder lang nur in inhabergeführte Unternehmerhände übergeben werde, die die gleichen Werte wie wir teilen.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
11. Februar 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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