Bischweierer Eisstockschützen setzen auf Asphalt

Bischweier (sawe) – Die im Alpenraum verbreitete Wintersportart Eisstockschießen ist seit 40 Jahren im Kirschendorf etabliert. Die Eisstockschützen möchten nun ihre Anlage aufwerten.

Eisstockschießen auf Asphalt: In Bischweier wird die Sportart für Jung und Alt seit über 40 Jahren betrieben. Foto: Erwin Fink

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Eisstockschießen auf Asphalt: In Bischweier wird die Sportart für Jung und Alt seit über 40 Jahren betrieben. Foto: Erwin Fink

Eisstockschießen zählt im Alpenraum zu den beliebtesten Wintersportarten. Aber auch in der oberrheinischen Tiefebene, in Bischweier, wird diesem Mannschaftssport seit über 40 Jahren mit Leidenschaft gefrönt. Eis ist dafür nicht erforderlich, es wird auf Asphalt gespielt. Die Anlage ist damit nicht nur ganzjährig nutzbar, sondern auch eine Besonderheit in der Region. Zwar gibt es noch eine Asphaltbahn im rund 33 Kilometer entfernten Waldbronn (beim ERC), „doch ansonsten sind wir die einzigen zwischen Freiburg, Manheim und Stuttgart“, bekräftigt Frank Groitl, Organisator der Eisstockabteilung beim Skiclub Bischweier. Coronabedingt war die Anlage im Kirschendorf von März 2020 bis Mitte Juni 2021 gesperrt, doch jetzt wollen die Eisstocksportfans wieder durchstarten, den Sport populärer machen und vor allem neue Mitglieder gewinnen, wie Groitl bekennt. Viele von der alten Riege hätten aufgehört, teilweise seien auch Mitglieder verstorben und Nachwuchs gab es kaum. Doch der Neuanfang ist getan, „wir sind in wachsender Zahl“, sagt der Bischweierer – inzwischen haben sich acht bis zehn aktive Schützen sowie einige Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren gefunden, um diese Sportart weiter auszuüben, die im Übrigen durch Zufall ins Kirschendorf kam.

Am Anfang viel improvisiert

Frank Groit war gerade mal zehn, als er mit seinem Bruder und seinem Vater zu Fuß in Richtung Sportplatz unterwegs war, um das Fußballspiel vom VfR anzuschauen. Unterwegs sahen die drei, wie ein Vater mit seinem Sohn auf einem geteerten Feldweg einen Eisstock hin- und herspielte. Der Mann stammte aus Niederbayern, Groitls Vater aus dem Bayerischen Wald. „Insofern kannten beide Eisstockschießen aus ihrer frühesten Kindheit“, berichtet der 51-Jährige, und damit nahm die Geschichte ihren Lauf. „Also, das können wir auch“, sagten sich die Groitls und verabredeten ein Treffen für den nächsten Sonntag. Gespielt wurde auf einem asphaltierten Feldweg, und weil es neu und spannend war, gesellten sich in der Folgezeit weitere Spielfreudige und Zuschauer hinzu. „Abends, wenn es dunkel wurde, haben wir unsere Autos so geparkt, dass die Bahn beleuchtet war“, erinnert sich Groitl: „Es war alles recht hemdsärmelig, aber auch schön. Es hatte seinen eigenen Charme“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln im Gesicht. Und es wurden immer mehr. Irgendwann reichte eine Bahn nicht mehr aus. Die Stockschützen, die sich derweil dem Ski-Club Bischweier angeschlossen hatten, hatten jedoch Glück: Der damalige Bürgermeister Josef Schiel stellte ein nicht genutztes Grundstück für den Bau einer dreibahnigen Anlage bei der Grundschule zur Verfügung, das heute noch der Gemeinde Bischweier gehört. In der Blütezeit zählte die Abteilung um die 35 Aktive jeglichen Alters. Sonntags gab es gar Bewirtung mit Kaffee und Kuchen an der Bahn, da kamen viele Leute aus dem Dorf, um den Schützen zuzuschauen. „Das ist das Schöne an unserem Sport. Man kann ihn in jedem Alter gemeinsam betreiben“, schwärmt Frank Groitl. Er selbst hatte mit zehn Jahren seinen ersten Eisstock gespielt, tauschte diesen dann aber 14 Jahre für den Fußball ein, kehrte nach einer schweren Verletzung mit 30 Jahren zum Stockschießen zurück und übernahm vor sechs Jahren die Leitung der Abteilung. „Gerade in Zeiten von Corona, wo viele wieder eine Betätigung im Freien suchen, abseits von Radfahren, Joggen und Spazierengehen, ist Eisstockschießen sicherlich eine attraktive Alternative“, rührt Groitl kräftig die Werbetrommel und ermuntert zum Mitmachen . Neben der Ausübung als schönes geselliges Hobby besteht auch die Möglichkeit, Stockschießen auf anspruchsvollem Wettbewerbsniveau bei regionalen, deutschen und internationalen Meisterschaften zu spielen. Der Eisstocksport habe sich weiterentwickelt, räumt Groitl gleich mal mit dem Klischee auf, dass es sich dabei um einen Rentnersport handle. Groitl und der Bischweierer Feuerwehrkommandant Daniel Wanke sind das beste Beispiel dafür. Die beiden spielen beim TSV Neuenstadt in der ersten Bundesliga Südwest, da aufgrund der Spielersituation in den vergangenen Jahren in Bischweier keine Möglichkeit bestand, an Meisterschaften teilnehmen zu können. Mit dem TSV waren die Bischweierer schon mehrfacher südwestdeutscher Meister, regelmäßig treten sie auch bei deutschen Meisterschaften an, erreichten in diesem Jahr den neunten Platz. „Dort hängen die Trauben aber schon sehr hoch“, weiß Groitl um die starke Konkurrenz. In der Region Südwest (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland) gebe es vielleicht insgesamt noch 25 Vereine, schätzt er, während sich im Kreis Ingolstadt allein über 100 Vereine tummeln dürften. „Bei den Bayern kommen dann die besten, da ist die Leistungsdichte ganz anders.“ Auf der Anlage in Bischweier brauchen die Sportler und Hobbyschützen trockenes Wetter, um ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen zu könne. Groitl würde gerne die rund 400 Quadratmeter große Anlage überdacht sehen, um wetterunabhängig zu sein. Diese könnte dann auch beispielsweise für Flohmärkte oder Festivitäten der örtlichen Vereine genutzt werden, denkt er schon mal nach vorne. Inwieweit die Möglichkeit besteht, müsse aber noch mit der Gemeinde geklärt werden.

Asphaltbahnen sollen saniert werden

Das eine ist Zukunftsmusik, das andere Realität: Derzeit ist die Abteilung dabei, eine Flutlichtanlage aufzubauen mit LED-Strahlern auf Masten und mobilen Strahlern mit Akkubetrieb. Außerdem sollen die Asphalt-Bahnen saniert werden. Eine wurde bereits mit einer speziellen Versiegelung versehen. Wenn sich diese Methode bewährt, sollen auch die beiden anderen Bahnen im Frühjahr solchermaßen ertüchtigt werden. Die Lage der Anlage bei der Grundschule sowie die Nähe zum Wohnheim der Lebenshilfe, für die dieser Sport ebenfalls ein geeignetes Betätigungsfeld sei, stuft Groitl im Übrigen als ideal ein. Die Eisstockschützen treffen sich bei trockenem Wetter jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr auf der Anlage bei der Grundschule in der Hermann-Föry-Straße. Der jüngste Spieler ist derzeit sieben, der älteste 85. Stöcke werden in der Anfangszeit vom Verein gestellt. Auch Stöcke für Kinder sind vorhanden, die dank Spenden angeschafft werden konnten. „Eisstocksport ist eine Kombination aus Technik, Feingefühl, Kraft und Präzision“, erläutert Frank Groitl. Wer den Bewegungslauf beim Kegeln hinbekomme, der werde auch beim Eisstockschießen relativ schnell Fortschritte machen. Wer sich darin versuchen will oder Fragen hat, kann sich an den Organisator per E-Mail Eisstock@Skiclub-Bischweier1951.de wenden und zu einem Schnuppertraining vorbeikommen. Und nicht zuletzt kann die Anlage auch für Weihnachtsfeiern oder andere Festivitäten gemietet werden – wobei das Eisstockschießen natürlich im Vordergrund steht. Die Betreuung übernimmt der Verein, er weist auch in das Spiel ein und stellt das Material.

Ein Eisstock wiegt etwa 4,5 bis 5 Kilogramm und besteht aus Stockkörper, Stiel und Laufplatte, die gewechselt werden kann. Zielobjekt ist die Daube (links).Foto: Erwin Fink

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Ein Eisstock wiegt etwa 4,5 bis 5 Kilogramm und besteht aus Stockkörper, Stiel und Laufplatte, die gewechselt werden kann. Zielobjekt ist die Daube (links).Foto: Erwin Fink

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Erstellt:
15. November 2021, 11:00 Uhr
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