Bisons Bühl: Das Ende einer Bundesliga-Ära

Bühl (ket) – Die Volleyball Bisons Bühl ziehen sich aus der Bundesliga zurück – nach zwölf Jahren Dazugehörigkeit. Die Zwetschgenstädter entschieden am Freitag, keine Lizenz zu beantragen.

In den zwölf Jahren in der Bundesliga haben die Bisons Bühl einige rauschende Siege gefeiert. Foto: Frank Seiter

© Frank Seiter

In den zwölf Jahren in der Bundesliga haben die Bisons Bühl einige rauschende Siege gefeiert. Foto: Frank Seiter

Die Stimme von Oliver Stolle klingt brüchig, man spürt schon vorab, dass ihn zutiefst schmerzt, was er gleich in Worte kleiden wird. „Es war eine verdammt schwere Entscheidung. Aber es ist die richtige Entscheidung“, sagt der Geschäftsführer der Volleyball Bisons Bühl schließlich. Gefallen war sie am späteren Donnerstagabend, bekannt gegeben wurde sie am Freitagvormittag um kurz vor halb elf und per Pressemitteilung. „Nun geht im Volleyball-Hexenkessel doch das Licht aus“ war das Schriftstück überschrieben. Darunter zu lesen stand in etwas nüchtererem Duktus: „Volleyball Bisons Bühl stellen keinen Lizenzantrag für eine weitere Saison.“

Das ist mehr als ein Donnerschlag, nämlich das Ende einer ganzen Ära. Nach zwölf Spielzeiten im deutschen Volleyball-Oberhaus gehen in der Zwetschgenstadt zumindest die Bundesligalichter aus. Das Heimspiel am 10. März im Playoff-Viertelfinale war somit das letzte in der Bühler Großsporthalle. Dass dabei ausgerechnet der Rekordmeister aus Friedrichshafen mit 3:2 geschlagen wurde, macht den Rückblick nur noch trauriger. Künftig werden die Bühler Volleyballer in der Oberliga aufschlagen. Die zweite Mannschaft wird zur neuen ersten. Sollte ein Platz in der Regionalliga frei werden, will man sich um diesen bewerben, sagte Stolle am Freitag gegenüber dem BT. Für die restlichen Bühler Teams, gerade jene in der Jugend, ändere sich nichts. „Da läuft die Maschinerie ganz normal weiter“, so Stolle.

Trainer Alejandro Kolevich und die Spieler erfuhren erst im Laufe des Freitags vom Bühler Aus in der Bundesliga und damit von ihrem eigenen bei den Bisons. Nur die Wenigsten seien von der Hiobsbotschaft gänzlich kalt erwischt worden, glaubt Stolle. Zum einen habe man noch keinem Akteur eine Zusage für die kommende Spielzeit gegeben, zum anderen habe der ein oder andere bereits bei anderen Vereinen vorgefühlt. Bleiben wird wohl keiner aus dem Bundesliga-Kader, zumindest nicht in der Oberliga. Auch die Weiterbeschäftigung von Trainer Kolevich sei „finanziell nicht darstellbar“. Betroffen vom Aus sind zudem die drei Geschäftsstellen-Mitarbeiter. „Wir werden sie nicht im Regen stehen lassen“, sagte Stolle am Freitag in ihre Richtung.

Weitere Sponsoren ziehen sich coronabedingt zurück

Laut dem Bisons-Geschäftsführer war der Beschluss, sich nicht um eine neue Bundesliga-Lizenz zu bewerben, unausweichlich. Bereits vergangenen Sommer hätten sich coronabedingt einige Sponsoren von ihrem Engagement bei den Bisons zurückgezogen und das Budget deutlich gemindert. Nun, trotzt der sportlich zumindest zufriedenstellenden Saison, seien nochmals weitere Geldgeber abgesprungen. „Einige von denen stecken seit einem halben Jahr im Lockdown und haben uns klipp und klar gesagt, dass sie uns derzeit nicht unterstützen können, sondern zunächst einmal an sich und ihren Betrieb denken müssen“, berichtet Stolle.

Habe der Sponsoren-Rückgang vor der abgelaufenen Saison bereits bei rund 13 Prozent gelegen, habe man für die kommende Runde mit einem Minus von rund 30.000 Euro rechnen müssen. Hinzu komme, dass die Teilnahme an der anstehenden Spielzeit für die Vereine teurer werde als zuletzt, unter anderem weil die Schiedsrichterkosten nicht weiter von der Allianz übernommen würden. Allein dies bedeutet laut Stolle „einen fünfstelligen Betrag an Mehrkosten“.

Weiteres Einsparpotenzial habe sich im Gegensatz dazu nicht finden lassen. Der Etat war schon bis dato auf Kante genäht, der Spielerkader derart dünn gestrickt, dass weiteres Kürzen die Konkurrenzfähigkeit gefährdet hätte. „Wir wollten nicht als die Prügelknaben der Liga durch die Saison stolpern. Das macht ja auch keinen Sinn“, stellt Stolle diesbezüglich fest.

Auf der anderen Seite sei es nicht gelungen, „einen Leuchtturm-Sponsor“ zu finden. Einer, der pro Jahr eine halbe Million locker macht und das am besten für die nächsten vier, fünf Jahre. „Dieser Namenssponsor fehlt uns“, sagt Stolle mit Verweis auf die Hellios Grizzlys Giesen. „Ich gehe davon aus, dass die Helios Kliniken einen hohen Sockelbetrag leisten und damit einen Großteil des Budgets sichern. Und das über mehrere Jahre. Das ist Planungssicherheit, auf der man aufbauen kann.“

Stolle: „Glaube nicht, dass ein weißer Ritter auftaucht“

Bei den Bisons konnte von einer solchen kaum mehr die Rede sein. Zumal das Interesse an Bundesliga-Volleyball in der Zwetschgenstadt schon vor Corona rückläufig war, wie die nicht zuletzt schwindenden Zuschauerzahlen bewiesen haben. Dass nun eine ganze Runde ohne Publikum gebaggert werden musste, tat sein übriges.

„Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben öffnet sich deutlich zu Ungunsten der Bisons“, fasste die Pressemitteilung am Freitag all das zusammen. „Es wäre unseriös, unter diesen Umständen eine Lizenz zu beantragen“, wird Achim Kammerer, Geschäftsführender Gesellschafter der Volleyball Bisons, schließlich zitiert. Beim bis zum Montag in einer Woche abzugebenden Lizenzantrag wird unter anderem der Nachweis wirtschaftlicher Stabilität bis zum 30. Juni 2022 eingefordert. „Das“, so Stolle am Freitag, „konnten wir nicht zusichern.“ Entsprechend unausweichlich sei die getroffene Entscheidung gewesen. „Wir wollten nicht das Risiko eingehen, nächstes Frühjahr Insolvenz anmelden zu müssen“, sagt der Geschäftsführer. „Wir wollten keinen Crash wie 2016.“ Damals waren die Bisons unter Manager Jorgo Vlachojannis pleite gegangen.

Das werden sie diesmal nicht tun. Lieber ziehen sie sich freiwillig und damit in aller Ehre zurück. Und was, wenn in letzter Minute plötzlich doch noch ein Geldgeber auftauchen und jenen „deutlich sechsstelligen Betrag“ mitbringen sollte, den Stolle als zum Überleben notwendig erachtet, noch gut eine Woche wäre dafür ja Zeit? „Dann beantragen wir die Lizenz und machen weiter“, sagt der Bisons-Geschäftsführer. Er sagt auch: „Ich glaube nicht daran, dass so ein weißer Ritter auftaucht.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Frank Ketterer

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Erstellt:
7. Mai 2021, 17:20 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 46sec

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