Bisons Bühl: Erst Coup, dann Tabellenführer

Bühl (win) – Sensationserfolg für den Volleyball-Bundesligisten Bisons Bühl: Am Samstag gewannen die Zwetschgenstädter gegen den deutschen Meister Berlin und grüßen nun selbst von der Tabellenspitze.

Bisons-Herde auf Höhenflug: Die Bühler Spieler feiern den Coup gegen den Hauptstadtclub. Foto: Frank Seiter

© toto

Bisons-Herde auf Höhenflug: Die Bühler Spieler feiern den Coup gegen den Hauptstadtclub. Foto: Frank Seiter

Es ist eine gerne verwendete Floskel über Spiele, die mehr Zuschauer verdient gehabt hätten, doch selten dürfte dieser Spruch so sehr seine Berechtigung gehabt haben, wie bei der Partie der Volley Bisons Bühl gegen den amtierenden deutschen Meister Berlin Recycling Volleys. Und es braucht auch keinerlei prophetische Gaben, um sich die Bühler Großsporthalle in einem solchen Spiel als Hexenkessel vorzustellen.

Erstmals nach 545 Tagen kassierten die Hauptstädter wieder eine Niederlage auf nationaler Ebene, Bühl grüßt nach dem 3:1 (25:22, 25:18, 26:28, 25:22)-Erfolg gegen einen in Bestbesetzung angetretenen Champion – trotz eines Spiels weniger – überraschend von der Tabellenspitze. Vor allem der zweite Satz dürfte mit das Beste gewesen sein, was eine Bühler Volleyball-Mannschaft je abgeliefert hat.

Zu Beginn der Partie sah das noch ganz anders aus: Gästecoach Cedric Enard hatte vor dem Spiel eindrücklich vor den Bisons gewarnt und entsprechend mit Benjamin Patch, Sergey Grankin und dem brasilianischen Olympiasieger Eder Carbonera seine Topspieler aufs Feld geschickt.

Berliner Aufschlagschwäche

Grankin zeigte auch gleich seine Klasse, narrte den Bühler Block mit seinen schnellen Pässen ein ums andere Mal, die Hausherren konnten zunächst nur staunen. Dass die Bisons bei der ersten Technischen Auszeit nicht aussichtslos zurücklagen, dafür sorgten andererseits die Berliner mit ihrer unfassbaren Aufschlagschwäche, den ersten „eigenen“ Punkt machte Bühl erst beim 5:7 durch Mittelblocker Mathäus Jurkovics. Doch Berlin blieb am Drücker, setzte sich auf 16:11 ab und schien nichts anbrennen zu lassen. Nach und nach stellte sich jedoch Bühls Block besser auf die gegnerischen Angriffe ein, und auch der eigene Angriff punktete immer häufiger. Niklas Kronthaler sorgte mit zwei cleveren Angriffspunkten zum 22:21 für die erste Bühler Führung, Alpar Szabo machte wenig später mit einem Monsterblock gegen Patch den Gewinn des ersten Satzes klar.

Berlin machte auch im zweiten Satz zunächst viel Druck, doch diesmal ließ sich Bühl nicht abschütteln und zur Satzmitte kippte die Partie. Mit viel Einsatz und guter Abstimmung in der Feldabwehr – sowie klugem Angriffsspiel – wurde Berlin der Zahn gezogen.

Enard brachte mit Cody Kessel einen neuen Außenangreifer, wechselte später sogar Grankin aus, doch Bühl zog sein Spiel durch. Berlin bäumte sich auf, steigerte sich im dritten Satz vor allem in der Feldabwehr und im Block deutlich, doch dominant waren die Gäste auch in dieser Phase nicht. Zwar gelang dank starker Angriffsleistung in einer hitzigen Schlussphase knapp der Satzgewinn, doch Bühl ließ sich davon nur kurz beeindrucken.

Kolevich: „Mannschaft hat sehr gut zusammengearbeitet“

Auch im vierten Satz spielten beide Mannschaften auf Augenhöhe – bis zur Crunchtime. Der 24. (!) Aufschlagfehler Berlins brachte Bühl den 21:21-Ausgleich, danach erlegte Tomas Lopez mit zwei Blockpunkten gegen Patch und einem Angriffspunkt den Favoriten fast im Alleingang. Ein weiterer Aufschlagfehler Berlins war dann der passende Schlusspunkt.

„Die Mannschaft hat sehr gut zusammengearbeitet und wir haben es geschafft, den starken Berliner Angriff unter Kontrolle zu bekommen“, war Kolevich nach Spielende fast rundum zufrieden. Allein die Verletzung von Szabo, der im vierten Satz beim Stand von 10:11 durch Tim Stöhr ersetzt werden musste, sorgte für einen Wermutstropfen. „Am Knochen scheint nichts passiert zu sein“, erklärte Kolevich, die weiteren Untersuchungen müssten dennoch abgewartet werden. Stöhr hingegen macht weiterhin als Universalspieler Furore. Nach Einsätzen auf Außen und auf der Diagonalen im ersten Spiel, kam er nun als Mittelblocker zum Einsatz. Auch hier machte er seine Sache ganz ordentlich.

Bereits am Mittwoch geht es für die Bisons weiter, mit Unterhaching gastiert dann der Aufsteiger in der Großsporthalle.

Zum Artikel

Erstellt:
2. November 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 50sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.