Bitteres Pokal-Aus für den KSC

Hamburg (da) – Trotz einer 2:0-Führung schied der KSC im Pokal-Viertelfinale beim Zweitliga-Rivalen HSV aus. Im Elfmeterschießen scheiterte der KSC.

Enttäuschung bei den KSC-Spielern nach dem dramatisch verlorenen Spiel in Hamburg. Foto: Markus Gilliar/GES

© Markus Gilliar

Enttäuschung bei den KSC-Spielern nach dem dramatisch verlorenen Spiel in Hamburg. Foto: Markus Gilliar/GES

Die Reihe lange nachhallender Duelle zwischen den Hamburger SV und dem Karlsruher SC war am Mittwochabend um 21.16 Uhr um ein starkes, aber für den Karlsruher SC tristes Stück reicher. Denn das Fußball-Drama im Pokal-Viertelfinale endete mit den Sprechchören von der Nordkurve im Volksparkstadion. „Heuer, wir danken dir.“ Daniel Heuer Fernandes galten die Ovationen, denn der Torwart der Hamburger war nach denkwürdigen 90 Minuten und einer Verlängerung mit tapferen KSClern in Unterzahl zum dritten Mal in Folge zum Helden bei der Entscheidung vom Punkt geworden.
Tragisch für den KSC nach dem 4:5 (1:0, 2:2, 2:3) nach Elfmeterschießen: Beim Showdown vom Punkt schien er nach den Treffern von Jérome Gondorf und Philip Heise sowie dem Fehlschuss des HSV-Kapitäns Fabian Schönlau auf bestem Weg. Doch dann blieben die weiteren HSV-Schützen Vagnoman, Vuskovic und Glatzel kühl und Heuer Fernandes stach hintereinander die Elfmeter von Marvin Wanitzek, Ricardo van Rhijn und Daniel O´Shaughnessy. Den Niederländer hatte KSC-Trainer Christian Eichner noch kurz vor dem Abpfiff der Verlängerung für Tim Breithaupt eingewechselt.

„Der Fußball ist manchmal brutal und immer wieder ein Abbild des wahren Lebens“, bemühte sich KSC-Trainer Christian Eichner nach dem aufwühlenden Match um Nüchternheit, die da nicht nur ihm schwerfällt. Auch dem HSV-Trainer Tim Walter, gebürtiger Bruchsaler, sagte danach: „Es ist schwer, nüchtern Revue passieren zu lassen. Die Freude ist bei uns extrem groß, so wie ich die Niedergeschlagenheit beim KSC sehr bedauerlich finde. Wir waren heute die glücklichen Gewinner.“

In den 90 Minuten hatte der KSC seine 2:0-Führung nach den Toren von Philip Heise (40.) und Philipp Hofmann (50.) eingebüßt, weil Robert Glatzel nach nur zwei Minuten verkürzt hatte und mit seinem zweiten Tor die Verlängerung erzwang, als die sechsminütige Nachspielzeit gerade angebrochen und der nach einer Gelb-Roten Karte für Christoph Kobald ab der 71. Spielminute unterzählige KSC mit seinem aufopferungsvollen Kampf fast an seinem Ziel angelangt war.

Die Temperamente auf dem Rasen, aber auch die daneben, versprachen Hitziges. Doch, anders als beim 1:1 im Liga-Hinspiel, gingen die Trainer Eichner und Walter nicht wieder aneinander hoch. Dafür entwickelte sich ein Fight, der es in sich hatte und der alles bot, was den Pokal so packend und so reizvoll macht. Eichner sah den HSV loslegen, wie er das erwartet hatte. Vom Sound der 25.000 auf den Rängen getragen, verzichtete er auf jedes Abtasten. Die Karlsruher zeigten sich vom Hamburger Dominanzgebaren unbeeindruckt. Nach 13 Minuten trat Philipp Hofmann erstmals vor Heuer Fernades in Erscheinung, bekam hinter seinen Kopfball aber keinen Druck. Um die 20. Minute herum geriet das Spiel richtig unter Starkstrom. Der KSC war da, setzte auf seine Umschaltmomente. Der KSC setzte Nadelstiche: Für Choi war aber vorzeitig Schluss. Seine alten Wadenprobleme brachen auf. Für ihn kam Cueto.

Es war also angerichtet für eine spannende zweite Halbzeit, die der KSC gut begann. Einen Schuss Wanitzeks von der Strafraumgrenze wehrte Heuer Fernandes nach vorne ab, Hofmann war zur Stelle und erhöhte. Die Freude über das 2:0 hielt bei den Gästen nicht lange vor. Eine Linksflanke des von Jatta freigespielten Chakvedaze fand am zweiten Pfosten in O´Shaughnessys Rücken den Kopf von Glatzel, dem der Anschluss gelang, mit dem auch das Publikum wieder zurück war.

Walter nutzte die Phase danach zu einem Dreifachwechsel, nach und nach kamen Reis (55.), Vagnoman (56.) und Alidou (59.) für Kinsombi, Gyamerah und Chakvetadze. Der HSV entwickelte danach immer mehr Wucht und der KSC hatte alle Mühe, dem Druck Stand zu halten. Schließlich geriet Schiedsrichter Felix Zwayer ins Zentrum des Geschehens. Nach einer Flanke von Kittel ging Glatzel bei einem Zweikampf mit Kobald zu Boden. Der Unparteiische entschied auf Strafstoß, was eine stark umstrittene Bewertung war. Im Kölner Keller schauten sie sich die Szene noch mal genau an, was zweieinhalb Minuten dauerte, schließlich schaute sich Zwayer die Bilder selbst noch mal an. Er blieb dabei und schickte den bereits verwarnten Kobald vom Platz. Doch Gesbeck hielt den Strafstoß von Kittel.

Die Nachspielzeit lief bereits, da wurde der KSC bitter erwischt. Nach der nächsten verzweifelten Flanke Jattas von rechts ließen O´Shaughnesy und Gordon im Zentrum zu großen Abstand, in der Lücke stand Glatzel und bugsierte den Ball mit links über die Linie. Mit Beginn der Verlängerung war klar, dass der KSC mutig bleiben und sich nicht etwa in eine Entscheidung vom Punkt hineinretten wollte. Auch im zweiten Part der Verlängerung gelang dem KSC in Unterzahl der schwierige Balanceakt, sich nicht zu tief drängen zu lassen. Der HSV lief an. Der KSC hielt Stand. Bis zum Ende. „Dann ging das Ding in die Lotterie“, sagte Eichner traurig und matt.


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