Blechlawine soll aus Ort verbannt werden

Hügelsheim (mak) – Die Gemeinde Hügelsheim hat den Planungsprozess für das städtebauliche Entwicklungskonzept bis 2040 abgeschlossen. Ein wichtiges Ziel: Weniger Verkehr auf der Hauptstraße.

Eine mögliche Route für eine Ortsumgehung ist die Kreisstraße parallel zum Rheindamm. Die Abzweigung ist jedoch nicht ausreichend für Laster dimensioniert. Foto: Koch

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Eine mögliche Route für eine Ortsumgehung ist die Kreisstraße parallel zum Rheindamm. Die Abzweigung ist jedoch nicht ausreichend für Laster dimensioniert. Foto: Koch

Eine dauerhafte Entlastung der Ortsdurchfahrt, der Umgang mit der PFC-Belastung und die Schulentwicklung sind drei Themenfelder, die der Gemeinderat als „sehr dringend und sehr wichtig“ einstuft. Dies ist eines der Ergebnisse des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) Hügelsheim 2040, das gestern von Planerin Petra Schippalies und Bürgermeister Reiner Dehmelt vorgestellt wurde. Über allem steht als Leitbild das Zusammenwachsen der Ortsmitte mit der Hardtwald- und Hochfeldsiedlung.
Als krönender Abschluss der zweijährigen Planungsphase war eine Präsentation der Ergebnisse vor breitem Publikum vorgesehen, doch diese Pläne fielen den Corona-Verordnungen zum Opfer. In einer rund 60-seitigen Informationsbroschüre, die kostenlos im Rathaus ausliegt oder von der Homepage heruntergeladen werden kann, sind die Ergebnisse der Bürgerworkshops und Gemeinderatssitzungen zusammengefasst und mit Plänen illustriert. „Ich war überrascht vom Ansturm auf die Auftaktveranstaltung, aber auch auf die Bürgerworkshops“, freute sich Dehmelt über ein noch nie da gewesenes Ausmaß an Bürgerbeteiligung. Zumal der Prozess auch „Neubürger aus den Siedlungen“ aktiviert habe, denen die Verwaltung signalisieren konnte, dass man ihre Sorgen ernst nimmt, führte der Rathauschef beim Pressegespräch aus.

Auch Städteplanerin Petra Schippalies, die gemeinsam mit Katrin Hansert den Planungsprozess moderiert und gestaltet hatte, hob die „außergewöhnlich große Resonanz“ der Hügelsheimer hervor. Eine umfassende Betrachtung der Gesamtentwicklung einer Kommune sei „extrem wichtig“, meist befasse sich der Gemeinderat nur mit einzelnen Themen, habe aber kein Entwicklungsziel, das für die Festlegung von Prioritäten entscheidend sei.

Ein großes Problem in der Spargelgemeinde ist die Blechlawine, die tagtäglich durch den Ort rollt. Das Aus für die geplante Ostanbindung an den Baden-Airpark, die Hügelsheim entlastet hätte, war zwar zunächst ein schwerer Schlag für Dehmelt, doch beim Pressegespräch gab er sich kämpferisch: „Wir lassen uns dadurch nicht entmutigen.“

Ein Nachtfahrverbot für Lastwagen sei ein Ziel, das relativ kurzfristig umgesetzt werden könnte, urteilt der Bürgermeister. Im Hinblick auf eine mögliche Ortsumfahrung sieht es hingegen anders aus. Die Kreisstraße 3758, die parallel zum Rheindamm verläuft, wäre eine mögliche Strecke, allerdings ist die Fahrbahnbreite von 5,75 Metern für den Begegnungsverkehr von Lastwagen nicht ausreichend. „Als die Straße in den 1960er Jahren gebaut wurde, war sie zunächst einen Meter breiter geplant, doch man wollte damals der Landwirtschaft nicht so viel Fläche wegnehmen“, blickt Dehmelt zurück. Aber auch zwei Kurven, unter anderem die bei der Nato-Rampe, müssten erst für den Schwerlastverkehr ausgebaut werden. Bei der Auffahrt auf die B 500 bei der Staustufe gebe es beim Abbiegen in Richtung Frankreich „erhebliche Wartezeiten“, zudem fehle eine Aufstellspur für Rechtsabbieger, nannte Dehmelt einige Gründe, warum diese Route, die nur wenige Minuten Umweg darstellten, bislang noch nicht als Umgehung realisiert wurde. Doch im Hinblick auf Alternativen zur Ostanbindung gebe es keine Denkverbote, meint der Rathauschef.

Zu den größten Herausforderungen der Innenentwicklung zählt das Zusammenwachsen von Kernort (60 Prozent der Bevölkerung) mit den beiden südlichen Siedlungen. Die dazwischen liegende Fläche könnte mit dem Bau einer öffentlichen Einrichtung (Sporthalle, Seniorenwohnen), einem Vereinshaus, Biergarten, Trimm-dich-Pfad oder Abenteuerspielplatz gestaltet werden. Reiner Dehmelt hofft, dass sich die Bürger weiterhin mit der Ortsentwicklung befassen. Gleich nach den Sommerferien geht es mit der Neugestaltung der Schwarzwaldstraße weiter.

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Erstellt:
31. Juli 2020, 14:00 Uhr
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