Blicker: Erst Veröffentlichung, dann Aufstieg?

Karlsbad (rap) – Dietmar Blicker ist den Fußball-Interessierten in Mittelbaden ein Begriff. Zehn Jahre trainierte er den 1. SV Mörsch, seit Sommer 2018 den nordbadischen Verbandsligisten ATSV Mutschelbach. Nun geht er unter die Autoren.

Früher zehn Jahre in Gelb-Schwarz, nun in Blau-Schwarz: ATSV-Coach Dietmar Blicker (rechts) und sein Co-Trainer Ronald Zaisser. Foto: ATSV Mutschelbach

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Früher zehn Jahre in Gelb-Schwarz, nun in Blau-Schwarz: ATSV-Coach Dietmar Blicker (rechts) und sein Co-Trainer Ronald Zaisser. Foto: ATSV Mutschelbach

Dietmar Blicker ist unter die Autoren gegangen. Gemeinsam mit Lukas Kwasniok, seines Zeichens Trainer des Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, und Michael Bischof. Natürlich dreht sich das Erstlingswerk des Trios um den Fußball. Wie sollte es auch anders sein, ist Dietmar Blicker doch im positiven Sinne fußballverrückt. Neben seiner Tätigkeit als Hochschulsportleiter am Institut für Sport- und Sportwissenschaft am KIT ist der 49-Jährige noch Trainer des nordbadischen Verbandsligisten ATSV Mutschelbach sowie im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Zweitligisten Karlsruher SC für die Qualitätssicherung, Traineraus- und -fortbildung zuständig.

Aufgrund der Corona-Pandemie ruht seit Mitte März der Spielbetrieb in allen Ligen. An ein Training oder gar Spiel ist daher nicht zu denken. Für den langjährigen Trainer des Verbandsligisten 1. SV Mörsch jedoch kein Grund, die Füße hochzulegen. So bereitet Blicker derzeit Vorlesungen und Lerninhalte für das bevorstehende Semester an der Uni vor und feilt mit Bischof und Kwasniok, der aufgrund der Spielpause in der Regionalliga momentan auch im Homeoffice in Muggensturm weilt, weiter eifrig an dem literarischen Werk. „Wir sind in den letzten Zügen und freuen uns, wenn das Buch erscheint“, verrät Blicker, wenngleich ihn derzeit durchaus andere Sorgen – Stichwort Corona – umtreiben: „Meiner Familie und mir geht es gut. Wir haben aber viele Freunde in Italien, hauptsächlich in der Region um Bergamo, die es ja bekanntlich sehr schlimm erwischt hat. Was man da von Erzählungen hört, ist schon sehr schlimm. Man kann nur hoffen, dass es bei uns in Deutschland nicht solche Ausmaße haben wird.“

Um sich davon wenigstens etwas abzulenken, widmet er sich also weiter mit voller Hingabe dem elektronischen Werk. Doch mit dem E-Book „Offensive – Mit dem Ball in der Endzone“ betritt auch Blicker Neuland. Das gut 100-seitige Werk umfasst 20 konzipierte Spielprinzipien, wie sich eine Mannschaft in der gegnerischen Endzone unter Gegnerdruck verhalten soll, damit sie zum Torabschluss kommt – im besten Fall natürlich mit einem Tor gekrönt. Auch Standardsituationen und Coaching-Hinweise finden in dem Buch, das das Trio in Eigenregie erarbeitet hat, Anklang. „Man kann es in etwa mit den Playbooks vergleichen, die es im American Football gibt“, meint Blicker und erklärt: „So ein Buch im Bereich Fußball gab es bislang noch nicht.“

„Können stundenlang über Fußball philosophieren“

Die Idee dazu kam dem Trio vor einigen Jahren, als Kwasniok Coach der U 19 des KSC und Bischof dessen Co-Trainer war. „Wir drei können stundenlang über Fußball philosophieren“, sagt Blicker und lacht. Bei einem Buch soll es freilich nicht bleiben, vielmehr streben sie an, daraus eine Serie zu entwickeln. Weitere Themen wie das Umschaltspiel oder die Spieleröffnung seien denkbar, so Blicker. Schließlich sind die Köpfe der drei Fußballverrückten voller Ideen rund um das runde Leder, die nur warten, auf Papier – oder das Tablet – gebracht zu werden.

Derzeit bleibt es aber nur bei der (grauen) Theorie, die Corona-Krise hat auch der Verbandsliga in Nordbaden einen Strich durch die Fußball-Rechnung gemacht – ganz zum Leidwesen von Dietmar Blicker. Schließlich klopft der 49-Jährige bereits in der zweiten Saison beim neuen Verein mit seinen Kickern ganz schön heftig an die Tür zur Oberliga. Als derzeit Drittplatzierter befindet sich der ATSV Mutschelbach mittendrin im Aufstiegsrennen. „Kurz oder lang wollen wir den Sprung in die Oberliga schaffen, ganz klar“, redet Blicker nicht lang um den heißen Brei herum. Jedoch sei die Konkurrenz um die Aufstiegsplätze in Nordbaden weitaus größer als in Südbaden. „Hier wollen sieben, acht Vereine nach oben, in Südbaden sind es meist nur zwei, drei. Das macht die Angelegenheit schwieriger, aber auch reizvoller.“

Die Rahmenbedingungen für Oberliga-Fußball im kleinen Karlsbader Ortsteil sind aber allemal gegeben. So hat der ATSV erst ein neues Trainingszentrum gebaut, auch das Stadion kann sich sehen lassen – wie die Infrastruktur im Gesamten. Dass der Verein ambitioniert ist, zeigen allein fünf Aufstiege in den vergangenen sieben Jahren. „Ich habe mir den ATSV ganz bewusst ausgesucht. Ich bin ein Trainer, der, wie schon in Mörsch, längerfristig denkt und arbeitet. Ich hatte total Lust auf dieses Projekt und es macht total Spaß mit den Jungs zusammen zu arbeiten“, sagt Blicker, der trotz „der professionellen Strukturen“ den „familiären“ Charme des Vereins betont – durchaus eine Gemeinsamkeit mit dem 1. SV Mörsch. „Der ATSV ist in kurzer Zeit zu meiner sportlichen Heimat geworden“, sagt der Hochschulsportleiter.

Ob bereits in der zweiten Saison der Aufstieg in die Oberliga gelingt? Blicker ist da etwas skeptisch. Keinesfalls wegen der Kader-Qualität, sondern aufgrund der Corona-Krise. An ein geregeltes Saisonende bis zum 30. Juni glaubt er nicht mehr. Jedoch skizziert Blicker, der in Elchesheim wohnt, im BT-Gespräch ein durchaus denkbares Szenario: Über den 30. Juni hinaus spielen, neue Saison erst im September starten, Winterpause verkürzen. „Die ist sowieso viel zu lang“, findet der ehemalige Torjäger. „Und falls die Saison abgebrochen oder annulliert wird, greifen wir halt nächstes Jahr wieder an. Die Welt geht nicht unter, falls wir nicht aufsteigen.“

SVM lässt Blicker weiter nicht los

Auch wenn sich Dietmar Blicker in Mutschelbach pudelwohl fühlt, so ganz lässt ihn die alte Liebe, also der 1. SV Mörsch, nicht los. „Natürlich verfolge ich, was in der Sandgrube abgeht. Ich schaue mir meistens im Livestream die Spiele an. Wenn sie das Training übertragen würden, dann wahrscheinlich sogar das“, sagt Blicker und lacht. „Auch wenn diese Saison nicht nach Wunsch läuft, muss man sich um den SVM keine Sorgen machen. Die haben für die kommende Saison eine gute Mischung aus eigenen Talenten und erfahrenen Stützen“, findet Blicker, der vor allem zum sportlichen Leiter Pascal Huber, der auch im Nachwuchsleistungszentrum des Zweitligisten arbeitet, regen Kontakt hat. Sicherlich werden dann auch einige Anekdoten aus der Vergangenheit erzählt.

Für Blicker aber zählt nun die nahe Zukunft mit der Veröffentlichung des E-Books und dann – falls irgendwann wieder der Ball rollen sollte – das Aufstiegsrennen mit seinem ATSV. „Wir haben noch einige Ziele vor uns“, kündigt er an.

Ob mit Kwasniok und Bischof in Sachen Taktikbücher oder als ATSV-Coach – so viel steht fest: Langweilig wird das Fußballleben des Dietmar Blicker nicht.

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Erstellt:
16. April 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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