Blut, schwarzer Humor und Fantasy

Baden-Baden (wyst) – Sechs Streamingtipps für die dunkle Jahreszeit: Diese Serien-Highlights starten bei Netflix und Co. im Monat November.

Die neue Amazon-Prime-Serie basiert auf der gleichnamigen Bestsellerreihe „Das Rad der Zeit“, deren Story in einer mittelalterlich-mythischen Welt spielt. Foto: Jan Thi/Sony Pictures Television Inc. and Amazon Content Services LLC

© Jan Thijs

Die neue Amazon-Prime-Serie basiert auf der gleichnamigen Bestsellerreihe „Das Rad der Zeit“, deren Story in einer mittelalterlich-mythischen Welt spielt. Foto: Jan Thi/Sony Pictures Television Inc. and Amazon Content Services LLC

Schtonk diesmal als Serie, ein Wiedersehen mit Joe Exotic und viel schwarzer Humor: Wir stellen die interessantesten Neuerscheinungen vor, die im November bei Streaminganbietern oder im Bezahlfernsehen starten.

„Der Therapeut von nebenan“ (ab 12. November, AppleTV+) – New York 1982: Der gutmütige „Marty“ Markowitz (gespielt von Hollywood-Star Will Ferrell) hat gerade die Familienfirma geerbt, doch der tapsige Kerl ist vom Unternehmerdasein überfordert und hat Panikattacken – das führt ihn zum profitgierigen Psychiater Isaac „Ike“ Herschkopf (Paul Rudd), der den unsicheren Marty sofort als hilfloses Opfer erkennt. Der clevere Therapeut schleicht sich in sein Leben, er bringt die Firma des reichen Textilhändlers unter seine Kontrolle und gewinnt immer mehr prominente Klienten – bis er den Bogen überspannt. Die schwarze Comedyserie aus der jüdischen Community New Yorks adaptiert einen populären US-Podcast, der auf einem wahren Fall basiert: den unmoralischen Psychiater, der reiche Leute schröpfte, gab es wirklich.

„Tiger King: Großkatzen und ihre Raubtiere“ (ab 17. November, Netflix) – Ganz schön schräg: Mitten in der ersten Coronawelle ging die Dokuserie „Tiger King“ über den exzentrischen Privatzoo-Betreiber Joe Exotic mit der Vokuhila-Frisur weltweit viral. Offenbar passte ihre Skurrilität in eine aus den Fugen geratene Welt, die unfassbaren Geschichten sorgten für Ablenkung. Jetzt gibt es eine zweite Staffel der True-Crime-Serie, und Fans können sich auf ein Wiedersehen mit Joe Maldonado-Passage alias Joe Exotic freuen, wenngleich dieser im Gefängnis sitzt: Wegen Anstiftung zum Mord und Tierquälerei wurde er zu 22 Jahren Haft verurteilt, vergeblich hatte er den scheidenden Präsidenten Donald Trump um Begnadigung angefleht.

„Das Rad der Zeit“ (ab 19. November., Amazon Prime Video) – Mit dieser neuen Fantasyserie will Amazon am großen Rad drehen: Sie basiert auf der Bestsellerreihe „Das Rad der Zeit“, deren Story in einer mittelalterlich-mythischen Welt spielt, in der manche Frauen zaubern können. Die Serie stellt die Magierin Moiraine (Rosamund Pike) in den Mittelpunkt, die mit fünf Weggefährten eine gefährliche Reise antritt – ein Gruppenmitglied soll laut Prophezeiung ein wiedergeborener Drache sein, der die Menschheit retten oder vernichten wird. Drache? Da klingelt es bei Kennern sofort, und schon wird die Serie als neues „Game of Thrones“ gehandelt. Die literarische Vorlage gilt mit 4,5 Millionen Wörtern als umfangreichster Romanzyklus der Geschichte, Stoff genug für viele Fortsetzungen wäre im Erfolgsfall also vorhanden.

„Dexter: New Blood“ (ab 22. November, Sky) – Es gehört bekanntlich zum Schwierigsten, eine beliebte Serie gekonnt zu beenden. Bei „Dexter“ war das nach Ansicht vieler Fans missglückt, als die schwarzwitzige US-Thrillerserie um einen sympathischen Killer (er tötete böse Menschen, die dem Arm des Gesetzes entkommen waren) 2013 endete. Jetzt gibt es eine Fortsetzung, in der wieder Michael C. Hall den mörderischen Forensiker spielt: Dexter lebt unter falschem Namen in einer einsamen Waldhütte, er arbeitet in einem pittoresken Ort im Norden der USA als Waffenverkäufer und ist wegen seiner Hilfsbereitschaft bei jedermann beliebt. Doch dann wird er von den Dämonen der Vergangenheit eingeholt und beginnt wieder mit dem Töten. Melodramatischer als früher, aber unterhaltsam: Das Comeback kann sich sehen lassen.

„Faking Hitler“ (ab 30. November, RTL+) – Die Mediensatire „Schtonk!“ über die Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher, eine grelle Farce mit Stars wie Uwe Ochsenknecht, Götz George und Christiane Hörbiger, schrieb 1992 Kinogeschichte. Nun gibt es eine Neuadaption als sehenswerte Serie – diesmal spielt Moritz Bleibtreu (leider etwas blass) den dreisten Kunstfälscher Konrad Kujau, der sich Hitlers Tagebücher aus den Fingern saugt, und Lars Eidinger (schillernd) den Reporter, der den großen Coup wittert. Die vertraute Story wird zeitgeistig gepimpt: In einer Nebenhandlung ist eine junge Journalistin in der Redaktion toxischem Chauvinismus ausgesetzt, rechnet mit ihrem Vater (Ulrich Tukur) ab, der bei der Waffen-SS war, und darf sich auch verlieben. Die Serie ist realistischer als der Film, weniger schrill, aber doch witzig.


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