Bock aufs Bockbierfest

Kuppenheim (sawe) – Neuanfang beim Harmonika-Spielring Kuppenheim: Nach der coronabedingten Zwangspause planen die Musiker ihr Bockbierfest erstmals in und an der neuen Veranstaltungshalle.

Begeisterter Akkordeonspieler: Hans-Joachim Hörig, Vorsitzender des Hamonika-Spielrings. Foto: Sabine Wenzke

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Begeisterter Akkordeonspieler: Hans-Joachim Hörig, Vorsitzender des Hamonika-Spielrings. Foto: Sabine Wenzke

Der Harmonika-Spielring Kuppenheim hat ganz schön viel Bock. Bock aufs Bockbierfest, das nach coronabedingter Pause erstmals wieder am 21. und 22. Mai steigen soll. Die 46. Auflage der traditionsreichen Veranstaltung ist zugleich eine Premiere im doppelten Sinn: Sie findet erstmals in der neuen Veranstaltungshalle und auf der danebenliegenden Festwiese draußen statt und ist damit das erste größere Vereinsfest am neuen Standort in der Knöpflestadt.
Ohne Zuschüsse des Landes, der Banken und Spenden, so der Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Hörig „stünden wir jetzt finanziell mit dem Rücken an der Wand.“ Den Neustart verbindet der Harmonika-Spielring daher mit der Hoffnung, dass ordentlich Geld in die Kasse gespült wird. Erste Erfahrungen mit dem neuen Veranstaltungsort und den Abläufen konnte der Verein mit dem Kinderkleiderflohmarkt sammeln, der 2020 stattfand und dann im März 2022 (noch mit Maskenpflicht). Gleichwohl: Wäre ein Hygienekonzept für das Bockbierfest erforderlich geworden mit einer Beschränkung der Besucherzahlen, dann hätten die Musiker die Finger davon gelassen.

„Zu aufwendig“, winkt Hörig ab: „Das wäre ein Fass ohne Boden gewesen.“

„Da ging ein Ruck durch den Verein“

Jetzt aber freuen sich die Aktiven auf viele Gäste, die sie mit kulinarisch Deftigem und klangvollen Genüssen verwöhnen wollen. Musikalische Gäste sind angesagt, aber auch das Orchester des Gastgebers will sich präsentieren, ebenso wollen sich Musikschüler des Vereins erste öffentliche Lorbeeren verdienen.

Da keine Online-Proben stattfanden, ruhte der Probenbetrieb weitgehend in der Pandemie. Das war insofern misslich, als der Verein im vergangenen Jahr nach 37 Jahren unter der Leitung von Heinz Huber mit André Thoma einen neuen Dirigenten bekam, der sein Orchester erst noch richtig kennenlernen muss und umgekehrt.

Und wie begeistert man nach zwei Jahren Zwangspause wieder seine Orchesterspieler? Die Antwort: Man fährt einfach mal zusammen weg. Auf die Idee brachte Hörig ein Aufruf des Harmonika-Landesmusikerverbands zu einem Probenwochenende in einer Jugendherberge unter dem Motto: „Proben trotz Corona“. Als Anreiz lockte der Verband mit einem ordentlichen Zuschuss. Der Harmonika-Spielring überlegte, doch bis er sich entschieden hatte, war das Anmelde-Portal aufgrund der enormen Nachfrage schon wieder geschlossen. Die Kuppenheimer fuhren trotzdem – auf eigene Kosten der Akkordeonspieler, schliefen zwei Nächte in einer Jugendherberge in Heidelberg, probten viel, nutzten aber auch die Stunden der Freizeit dazwischen für gemeinsame Unternehmungen und zum Austausch. Der Ausflug habe nicht nur für das Musizieren, sondern auch für die Kameradschaft und den Kontakt zum neuen Dirigenten „ganz viel gebracht“, spricht Hörig von einem regelrechten Motivationsschub: „Da ging ein Ruck durch den Verein.“ Seinen ersten öffentlichen Auftritt wird das 18-köpfige Erwachsenenorchester im Alter von 30 bis 60 Jahren nun am 15. Mai haben beim Kelterfest in Muggensturm.

„Akkordeon kann man überall spielen“

Zwar gab es keinen Online-Probe-Betrieb in der Pandemie, jedoch Online-Unterricht: Gleichwohl reduzierte sich die Anzahl der Schüler, die im Akkordeon- und Keyboardspiel unterrichtet werden, auf 16, vor Corona waren es 25. Erschwerend hinzu kam, dass die langjährige Lehrerin aus gesundheitlichen Gründen aufhören und jemand ad hoc einspringen musste. Den Unterricht erteilen nun der neue Dirigent Thoma und Hubert Bürkle, der schon einmal vor 15 Jahren Ausbilder und Leiter des Jugendorchesters war. Apropos Jugendorchester: Das gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Der Aufbau eines solchen gehört aber zu den Zielen des Harmonika-Spielrings für die Zukunft, ebenso wie die Wiederbelebung der Kooperation Schule/Verein mit der Favoriteschule. Und nicht zuletzt sollen wieder neue Mitglieder gewonnen werden: Vor Corona waren es 220, aktuell sind es noch 192.

„Die Pandemie hat uns mit vielen Einschränkungen viel Kraft und Organisationsvermögen abverlangt, um den Verein über Wasser und am Leben zu erhalten“, bilanziert der 65-Jährige, der seit 55 Jahren Mitglied im Verein ist und sich seit 27 Jahren an dessen Spitze engagiert. Hans-Joachim Hörig ist selbst aktiver Spieler und verrät am Ende noch, warum Akkordeonspielen so toll ist: „Es ist ein vielseitiges Instrument. Man kann es nicht nur im Orchester, sondern überall auch alleine spielen – zu Hause, bei Geburtstagen oder am Lagerfeuer“. Info: www.akkordeon-orchester-kuppenheim.de.


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