Boostern ohne Impfzentren

Rastatt (nad) – Ob und wo man sich boostern lassen kann, also die dritte Corona-Schutzimpfung bekommt – diese Frage sorgt momentan für Verwirrung. Letztlich liegt diese Entscheidung beim Arzt.

Manche Arztpraxen boostern, andere nicht: Mobile Impfteams könnten für ein breiteres Angebot sorgen. Foto: Sven Hoppe/dpa

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Manche Arztpraxen boostern, andere nicht: Mobile Impfteams könnten für ein breiteres Angebot sorgen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die dritte Dosis der Corona-Schutzimpfung soll dabei helfen, mit weniger Neuinfektionen und milderen Krankheitsverläufen durch den Winter und die vierte Welle zu kommen. Doch es herrscht Verwirrung: Wer kann sich den sogenannten Booster spritzen lassen und vor allem wo?

Schließlich wurden die Impfzentren in Bühl und Baden-Baden zum Oktober geschlossen und in diesem Zuge auch die dort angegliederten mobilen Impfteams außer Dienst gesetzt. Spritzen auf dem Supermarktparkplatz, beim Samstagsbummel auf dem Markt oder spät abends nach der Arbeit beim „After-Work-Impfen“: Noch vor wenigen Wochen wurde quasi immer und überall geimpft, jetzt ist das Angebot überschaubar und niemand scheint so richtig zu wissen, wo man sich denn nun seinen Booster holen kann.

Trotzdem appellieren Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Lothar Wieler, Chef des Robert Koch Instituts (RKI), an die gesamte Bevölkerung, sich sechs Monate nach der zweiten Impfung boostern zu lassen, um besser geschützt durch die vierte Welle zu kommen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hingegen empfiehlt die Auffrischimpfungen momentan für Personen ab 70 Jahren, Pflegepersonal und für Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen beziehungsweise einem geschädigten Immunsystem.

Landkreis plant keine Sonderimpfaktionen

Diese unterschiedlichen Aussagen sorgen für „komplette Verwirrung“, betont Dr. Jürgen Schönit, Vorsitzender der Ärzteschaft Rastatt und Umgebung, gegenüber dem BT. Er denkt aber, dass sich die meisten an die Empfehlungen der Stiko halten werden, beziehungsweise versuchen, „individuelle Lösungen“ für die Patienten zu finden.

Die Ärzteschaft in der Region scheint sich also noch uneinig darüber zu sein, welcher Empfehlung sie folgen sollen: In manchen Arztpraxen werden Patienten, die sich gerne boostern lassen wollen, weggeschickt, wenn sie unter 70 Jahre alt sind oder nicht zur Risikogruppe gehören. Andere Praxen wiederum boostern jeden, der möchte. „Insgesamt wird es wahrscheinlich sehr schwierig werden, in einem begrenzten Zeitraum die Drittimpfungen durchzuführen“, sagt Schönit.

Spahn kritisierte erst am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin: „Das Tempo beim Boostern reicht nicht.“ Für Arztpraxen, die Patienten wegschicken, statt ihnen die Auffrischimpfung zu geben, habe er kein Verständnis.

Doch es fehlt eine offizielle Regelung: „Die letztendliche Entscheidung, ob eine Booster-Impfung durchgeführt wird, trifft der behandelnde Arzt“, erklärt Benjamin Wedewart, Pressesprecher des Landratsamts Rastatt. Er gab weiter darüber Auskunft, dass keine Sonderimpfaktionen des Landkreises geplant sind und auch nicht damit gerechnet wird, dass „das Land eine Reaktivierung von Impfzentren beabsichtigt“.

Unterstützung von mobilen Impfteams

Die mobilen Impfteams (MIT) wurden dem Klinikum Karlsruhe zugeordnet, um „vorrangig die vulnerablen Gruppen in den Pflegeeinrichtungen bei Bedarf mit Booster-Impfungen zu versorgen“, so Wedewart. Darüber seien die Pflegeeinrichtungen informiert worden. „Es besteht zusätzlich die Möglichkeit, das MIT für andere Einsatzarten – etwa für sogenannte Pop-up-Impfzentren – zu beanspruchen.“

Dieses Angebot hat nun beispielsweise die Stadt Gaggenau angenommen: Dort werden mit dem MIT aus Karlsruhe zwei Sonderimpfaktionen im Gaggenauer Rathaus organisiert – am 12. November von 13 bis 18 Uhr sowie am 20. November von 9 bis 14 Uhr.

Außerdem gibt Dr. Martin Holzapfel, regionaler Pandemiebeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung, in Kooperation mit der Stadt Rastatt Bürgern die Möglichkeit, sich ohne Anmeldung zum ersten, zweiten oder dritten Mal gegen Corona impfen zu lassen: Im Rossi-Haus wird montags bis freitags von 11 bis 18 Uhr geimpft. „Ein relatives Alleinstellungsmerkmal im weiten Umkreis“, unterstreicht Schönit.

Ihr Autor

BT-Volontärin Natalie Dresler

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Erstellt:
4. November 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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