Botschaft am Baden-Badener Augustaplatz nicht zu überhören

Baden-Baden (agdp) – Mehr als 1.000 Teilnehmer waren bei der Friedenskundgebung am Sonntag in Baden-Baden dabei. Mit eindringlichen Wortbeiträgen und Transparenten wurde der Friedenswunsch deutlich.

Stehen für Frieden ein: Sowohl die Teilnehmer mit ihren Transparenten als auch Sprecher Dimitry Becker (auf dem Holzpodest) pochen auf die europäische Einigkeit. Foto: Christiane Krause-Dimmock

© agdp

Stehen für Frieden ein: Sowohl die Teilnehmer mit ihren Transparenten als auch Sprecher Dimitry Becker (auf dem Holzpodest) pochen auf die europäische Einigkeit. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Die Friedenskundgebung auf dem Augustaplatz bildete es ganz deutlich ab: Die Leidenschaft pro Ukraine ist auch in der Kurstadt sehr groß. Der Raum auf dem inzwischen zum beliebten Versammlungsbereich mutierten Areal war dementsprechend sehr eng.

Deutsche, Ukrainer und Russen griffen am Sonntag zum Mikro – und standen Schulter an Schulter im Publikum. Die Transparente, die in der deutlich mehr als 1.000 Personen zählenden Menge in die Höhe gehalten wurden, waren von klarer Sprache. Von „Stop Putin – stop War“ über bunte „Peace“-Schilder bis hin zur Erinnerung daran, dass MIR auf Russisch Frieden bedeutet, war darauf zu lesen.

Auch die Wortbeiträge waren eindringlich, die Botschaft unüberhörbar deutlich. „Die Merkel-Jahre waren keine guten Jahre für Europa“, betonte etwa Oliver Ehret von Pulse of Europe. Viel sei in dieser Zeit geschehen, doch hierzulande habe es keine Wirkung gehabt. „Wir Deutschen haben es einfach ausgesessen.“ Die schnelle Aufnahme der Ukraine in westliche Bündnisse sei keine gute Idee und werde auch die Probleme nicht lösen, appellierte er vielmehr an den Zusammenhalt der Europäer. „Putin braucht einen starken Verhandlungspartner. Er will uns Angst machen“, und er werde siegen, wenn die Menschen sich ängstigen lassen.

Berichte von Hilfslieferungen

US-Präsident Joe Biden mache seiner Meinung nach im Augenblick eine gute Figur. Doch sei das keine Garantie dafür, dass nicht in ein paar Jahren der nächste Präsident komme, der die Europäer im Stich lassen könnte, wenn es zu einer neuen Krise kommt. „Wir müssen selbst groß werden. Putin hat uns gezeigt, dass wir selbst etwas tun müssen.“

Dass Freundschaften von der Krise unberührt bleiben können und auch sollen, demonstrierten Dimitry Becker und Alexius Schneider, die aus der Ukraine beziehungsweise aus Russland stammen. „Ihr wisst gar nicht, was für ein hohe Gut es ist, seine Meinung frei zu äußern“, erinnerte Becker daran, was momentan an anderem Ort in Europa geschehe. Er selbst stamme aus Kiew, gehe zwar tagsüber arbeiten, aber zuhause, da überfalle ihn der Gedanke an den Krieg sofort wieder. Deshalb habe er etwas tun müssen, berichtete er von Hilfslieferungen, die er mit großer Unterstützung durch seinen Arbeitgeber habe organisieren können. „Ich bin mit meiner ganzen Seele stolz auf jeden Einzelnen von Euch“, berichtet er vom Zuspruch seiner Hilfsaktion. „Die Menschen kommen, sie weinen, sie spenden, manche wollen einfach nur reden.“ Es sei überwältigend. Letztlich könne jeder etwas tun. „Nicht jeder kann kämpfen, aber ihr könnt auf die Straße gehen, eure Meinung sagen“, ermunterte er die Teilnehmer.

Gemeinsames Zeichen: Auch viele Ukrainer – wie diese Familie – nahmen an der Veranstaltung teil. Foto: Christiane Krause-Dimmock

© agdp

Gemeinsames Zeichen: Auch viele Ukrainer – wie diese Familie – nahmen an der Veranstaltung teil. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Mit eindrucksvollen Bildern von einer extrem großen Menschentraube, die sich über den gesamten Vorplatz vor dem Palais Gagarin bis weit hinter das Gebäude erstreckte, einem kleinen Schülerchor, der die Europa-Hymne anstimmte sowie Marc Marshall, der spontan ebenfalls einen Liedbeitrag beisteuerte, verlief sich am Ende die Versammlung nur sehr langsam. Es herrschte Gesprächsbedarf. Hier werden die Organisatoren der Kundgebung Pulse of Europe Baden-Baden, „Baden-Baden ist bunt“ und das Aktionsbündnis Mittelbaden sicher noch nachlegen.

Ihr Autor

Christiane Krause-Dimmock

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Erstellt:
6. März 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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