Botschaft der Nächstenliebe bei Ostergottesdienst

Bühl (red) – Wie stellen sich die Menschen die Auferstehung vor? In seinem Ostergottesdienst verglich Pfarrer Wolf-Dieter Geißler die Erfahrungen der Jünger damals mit der Situation der Menschen in Zeiten der Corona-Krise. Nachdem Geißler die Gottesdienste bislang in der Ulrika-Nisch-Kapelle und während der Zeit seiner Quarantäne sogar in seinem Wohnzimmer gefeiert hatte, feierte er die Ostergottesdienste am Sonntag und gestern in der (fast) leeren Stadtkirche St. Peter und Paul.

Botschaft der Nächstenliebe bei Ostergottesdienst

In der fast leeren Stadtkirche feiert Pfarrer Wolf-Dieter Geißler am Ostersonntag und -montag die Gottesdienste.Foto: Kirchengemeinde

So konnten die Gottesdienste durch die Organisten Johannes Thäter am Ostersonntag und Wolfgang Trenkle am Ostermontag musikalisch umrahmt werden. Als besondere Überraschung für die vielen Online-Mitfeiernden hatte der Gemeindepfarrer zu beiden Ostergottesdiensten die junge Sängerin Anna Groll eingeladen, die mit ihren Musikbeiträgen zu einer festlich-fröhlichen Stimmung beitrug.

Celine Meier ergänzte die musikalische Untermalung mit ihrer Querflöte. In seiner Ansprache schlüpfte Pfarrer Geißler in die Rolle des Apostels Jakobus und schilderte aus dessen Sicht die Erfahrungen von Tod und Auferstehung. Der Tod Jesu kam für die Freunde wenige Tage nach dem begeisternden Empfang in Jerusalem gänzlich unerwartet und hatte alle erschüttert. Durch den grausamen Tod Jesu sei ihnen deutlich geworden: Nichts ist selbstverständlich. Es sind uns Grenzen gesetzt. Wir können nicht alles.

Diese Erfahrungen von damals machen Menschen auch heute in der Krisensituation, betonte Geißler. Allerdings wurde den Jüngern durch die Begegnungen mit dem Auferstandenen deutlich, was auch für heute gilt: „Egal was passiert: Gott lässt uns nicht im Stich“, brachte Geißler in der Rolle des Apostels die Osterbotschaft auf den Punkt. „Es gibt immer eine Auferstehung von Glaube, Hoffnung und Liebe. Es gibt einen Neuanfang der Nächstenliebe, der Beziehungen.“

Dieser Neuanfang habe längst schon begonnen, betonte der Pfarrer. Das Herauskommen aus den Häusern werde zwar noch auf sich warten lassen, aber das Heraustreten aus den Ängsten, dem Egoismus und der Vorstellung, alles selbst machen zu können und zu müssen, sei längst in Gange. „Warten Sie nicht auf die Auferstehung“, appellierte der Geistliche, „sie hat längst begonnen.“

Am Ende des Gottesdienstes lud Pfarrer Geißler alle ein, die frohe Botschaft von Ostern weiterzusagen. „Den Virus der Nächstenliebe kann man über das Telefon übertragen, Corona nicht!“ Viele Menschen in allen Teilen der Welt litten nicht nur aufgrund der Pandemie sehr große, auch materielle Not.

Deshalb erinnerte er nochmals an seine bereits am Palmsonntag gestartete „Ostergeschenkaktion“ und bat um Spenden für die Kinder in der Partnergemeinde in Lima, das Straßenkinderhaus in Kolumbien und das Kinderkrankenhaus in Bethlehem. Ebenso lud er dazu ein, das Licht der Osterkerze, die er zu Beginn des Gottesdienstes geweiht hatte, in die Stadt und in die Häuser zu tragen. Dazu können in der kommenden Woche kleine Kerzen, die in der Stadtkirche kostenlos zu erhalten sind, an einer Osterlaterne entzündet werden.

Der Gottesdienst am Ostermontag richtete sich insbesondere an alle Kinder und vor allem die Erstkommunikanten, die sich monatelang auf ihre Erstkommunion vorbereitet und gefreut hatten und nun ganz besonders viel Geduld aufbringen müssen, da ein neuer Termin für den Weißen Sonntag nicht absehbar ist.