Boule kann jeder mit jedem spielen

Rastatt (as) – Ob sportlich ambitioniert oder Freizeitspaß: Die Kugelsportart Boule hat in der Region viele Anhänger. Vorteil: Man braucht keine besondere Ausrüstung und jeder kann mit jedem spielen.

Der Kugelmagnet ist ein beliebtes Hilfsmittel, um sich nicht immer bücken zu müssen.  Foto: Frank Vetter

© fuv

Der Kugelmagnet ist ein beliebtes Hilfsmittel, um sich nicht immer bücken zu müssen. Foto: Frank Vetter

Boule ist eine Lebensphilosophie, für viele Deutsche wie ein Stück Urlaub in Frankreich. Ruhe und Gelassenheit zeichnen die Kugelsportart aus, die auch in Mittelbaden in den Ortschaften nahe der französischen Grenze in den vergangenen Jahren zunehmend Anhänger gewonnen hat. Für manche steht dabei die Geselligkeit im Vordergrund, andere sind durchaus sportlich sehr ambitioniert unterwegs.

Vielerorts sind Bouleplätze entstanden und es haben sich Freizeitgruppen zusammengetan. Mehr als um sportlichen Wettbewerb geht es vielen dabei um Gemeinschaft und Geselligkeit in Verbindung mit Bewegung an der frischen Luft. So gehört Boule wie beispielsweise in Au am Rhein auch oft zum Angebot von Seniorengruppen.

Es bedarf keiner außerordentlichen Kondition oder Fitness, um mit den Metallkugeln möglichst nah an das „cochonnet“ (zu deutsch Schweinchen), also die kleine hölzerne Zielkugel, zu werfen. Es geht mehr um Konzentrationsfähigkeit und taktisches Geschick. Der Vorteil: Die Grundregeln sind nicht schwierig (siehe „Zum Thema“), man braucht keine teure Ausrüstung und man bleibt in Bewegung.

Wie in Frankreich mitten im Ort


In Frankreich liegen die Plätze zum Pétanquespielen, wie es dort heißt, meist zentral im Ort – als Treffpunkt der Generationen, Ort für Kommunikation und Geselligkeit. Diese Komponenten sind auch für Boulespieler in der Region von zentraler Bedeutung. Der Bouleclub Durmersheim beispielsweise verzichtet deshalb bewusst auf ein eigenes Vereinsgelände, erzählt Vorsitzender Stephan Bastian, und spielt mitten im Ort. Auf dem nach der französischen Partnergemeinde Chennevières benannten Platz, zugleich Marktplatz der Gemeinde, ist das französische Flair schon vorgegeben.

Die ungezwungenen Treffen dienstags und donnerstags ab 18.30 Uhr locken auch immer wieder Neugierige zum Mitmachen – genau das sei gewollt, sagt Bastian. Dank einer entsprechend größeren Laterne könne man bis in den Herbst hinein spielen. Im Winter ist Pause: „Für uns ist Boule ein Sommerspaß“, betont Bastian.

Der 1979 gegründete und seit 1981 als Verein eingetragene Bouleclub Durmersheim gehört mit zu den ältesten in der Region. 80 Mitglieder, davon rund 40 Aktive „jagen die Sau“, wie die Boulespieler sagen. Dabei ist man durchaus auch sportlich ambitioniert – eine Mannschaft spielt in der Landesliga.

Ein professionelles Training gibt es für die Durmersheimer Spieler allerdings nicht. „Wir spielen einfach gemeinsam“, sagt Bastian, der weiß, dass man sich damit von anderen Bouleclubs unterscheidet, die sportlich ambitioniert unterwegs sind.

So wie der Boule-Club Rastatt, den es seit 1981 gibt. Er ist als Ausrichter vieler Turniere, Meisterschaften und Ligaspieltage bis hin zur Bundesliga bekannt und sogar einer der Mitbegründer des organisierten Ligaspielbetriebs in Baden-Württemberg, erzählt Monika Glattfelder, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Mit der 2002 erbauten, 930 Quadratmeter großen Halle im Münchfeld (an der B3 Richtung Sandweier) bietet der Verein 16 gut beleuchtete Indoor-Spielbahnen. Durch die Boulehalle, damals die größte rein für Boulezwecke errichtete Indoor-Anlage, kamen internationale Wettbewerbe in die Barockstadt. Und auch andere Vereine – nicht nur Bouleclubs – sind immer wieder zu Gast auf der Anlage, die auch 64 Außenspielbahnen mit Flutlicht bietet. Boule als Team-Event ist gefragt, berichtet Glattfelder.

Der Club zählt 110 Mitglieder und spielt mit einer Mannschaft in der höchsten baden-württembergischen Liga und mit drei weiteren Teams in den regionalen Ligaklassen. Damit ist er laut Glattfelder dort einer der am stärksten vertretenen Vereine, der stolz auf viele nationale und auch internationale Erfolge verweisen kann. Im baden-württembergischen Pokal spielt Rastatt in der aktuellen Saison unter 167 Vereinen unter den besten 16, die Frauen-Mannschaft hat gerade bei der Deutschen Meisterschaft den neunten Platz belegt und die Jugendmannschaft U17 die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft errungen. Mit den Schwestern Laura und Sarah Caliebe hat der BC zudem zwei Nachwuchsspielerinnen im Nationalkader.

„Integrativster Sport, den es gibt“


Und ihre Mutter Anya Caliebe, selbst erfolgreiche Spielerin, steht dem Verein als Trainerin zur Verfügung. Sie macht gerade den B-Trainerschein. Dadurch gelingt es dem BC Rastatt, den Nachwuchs früh zu fördern und sich einen „Unterbau“ an Spielern zu schaffen. Die Jüngsten im Verein sind sechs Jahre alt. „Wir haben Spitzenspieler über mehrere Generationen im Verein, die auch international gespielt haben. Davon profitiert man enorm“, weiß die Trainerin.

Doch was macht für sie alle die Faszination an Boule aus? „Der Boulesport ist der wohl integrativste Sport, den man sich vorstellen kann“, sagt Anya Caliebe: „Alt und Jung, Anfänger und Spitzensportler, Behinderte und Nicht-Behinderte – Boule kann jeder mit jedem spielen!“ Ab 30 Euro für einen Satz Kugeln und beim BC Rastatt einem Vereinsbeitrag von rund fünf Euro im Monat (bis einschließlich 14 Jahre kostenfrei, bis 18 zahlt man den halben Beitrag) sei es zudem ein verhältnismäßig günstiger Sport.

Und es ist einer, der verbindet – schon allein dadurch, dass die „Community“ in Deutschland doch relativ überschaubar sei, erzählt Sarah Caliebe. Da begegne man sich bei Turnieren immer wieder. „Wir haben durch Boule Freunde in ganz Deutschland“, verdeutlicht Anya Caliebe, die durch den Sport auch ihren Mann Rainer kennengelernt hat, ebenfalls erfolgreicher Turnierspieler.

Wer sportlich ambitioniert spielt, braucht natürlich dann doch auch eine gewisse Kondition. Denn eine Kugel wiegt zwischen 650 und 800 Gramm (600 die Kinderkugeln). „An einem Turnierwochenende läuft man rund zehn Kilometer, macht etwa 3.000 Kniebeugen und bewegt einige Tonnen Material“, verdeutlicht Caliebe. Außerdem müsse man die Konzentration lange aufrechthalten können, weil ein Turniertag oft von 9 bis 21 Uhr dauert. „Das macht es anspruchsvoll“, weiß Anya Caliebe, die betont: „Man spielt eigentlich immer gegen sich selber“. Der Verein freut sich, dass nach der Corona-Zwangspause langsam wieder Normalität einkehrt und plant gerade eine Winterrunde. Wer das Boulespielen einfach mal ausprobieren möchte, ist dienstags und donnerstags ab 18 Uhr zum Schnuppern immer willkommen.

Zur unverbindlichen Jagd auf die Sau trifft sich auch in Ötigheim seit Jahren regelmäßig ein fester Kreis von 18 bis 20 Personen, berichtet Manfred Brunner – dienstags und samstags um 15 Uhr an der Tennisanlage. Die fünf Boule-Bahnen sind dort vor Jahren auf Initiative von älteren Tennisspielern in Kooperation mit dem örtlichen Tennisclub entstanden. Winterpause machen die Ötigheimer nur, wenn das Wetter ganz schlecht ist oder die Bahnen schneebedeckt sind. „Ansonsten gibt es Handschuhe und warme Kleidung“, sagt Brunner – und anschließend ein geselliges Beisammensein zum Aufwärmen. Wie allerorten macht das wohl für viele auch den Charme des Spiels aus. Denn der sportliche Ehrgeiz ist bei den Ötigheimern nicht so ausgeprägt, behauptet Brunner – zumindest nimmt man nicht am Ligaspielbetrieb teil.

rfolgreicher Nachwuchs des Boule-Clubs Rastatt: Sarah Caliebe, Millie Adler und Laura Caliebe (von links). Foto: Frank Vetter

© fuv

rfolgreicher Nachwuchs des Boule-Clubs Rastatt: Sarah Caliebe, Millie Adler und Laura Caliebe (von links). Foto: Frank Vetter

Wer liegt näher an der „Sau“? Mit dem Maßband wird genau gemessen. Foto: Frank Vetter

© fuv

Wer liegt näher an der „Sau“? Mit dem Maßband wird genau gemessen. Foto: Frank Vetter

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

Zum Artikel

Erstellt:
17. Oktober 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 19sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.