Brand-Ruine bei Bühl gammelt vor sich hin

Bühl (efi) – Der Verein Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße nimmt die Ruine der früheren Berghof-Klinik an der Sandstraße, die seit Jahren vor sich hin gammelt, ins Visier.

Ein Bild vom November 2016. Die frühere Klinik verunstaltet als Brand-Ruine die Natur an der Sandstraße. Foto: Bernhard Margull/Archiv

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Ein Bild vom November 2016. Die frühere Klinik verunstaltet als Brand-Ruine die Natur an der Sandstraße. Foto: Bernhard Margull/Archiv

Hansjörg Willig, profunder Kenner des Höhengebiets und Vorsitzender des Bühler Vereins Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße, lässt die negative Entwicklung auch überregional bekannter touristischer Einrichtungen entlang der Panoramastraße seit Jahren nicht aus den Augen. Neben dem Niedergang einst so prominenter Hotels und Kurhäuser wie Sand, Bühlerhöhe, Plättig und Hundseck beschäftigt ihn auch der desaströse Zustand einer Brand-Ruine unweit des Kurhauses Sand.

Die frühere Berghof-Klinik unterhalb der Schwarzwaldhochstraße steht seit mehr als zwei Jahrzehnten leer. Nach einem Besitzerwechsel 2006 sollte sie nach Vorstellungen des neuen Eigentümers, ein bulgarischer Geschäftsmann, zu einem Hotel umgewandelt werden. Zu diesem Zweck wurde die „Baden-Badener Höhe-Hotel GmbH“ gegründet. Nach dem Scheitern dieser Pläne, einem zerstörerischen Großfeuer im Juni 2013 und einem weiteren Brand im Sommer 2017 zerfallen die Reste des Gebäudes zusehends. Die Polizei ging in beiden Fällen von Brandstiftung aus.

„Bild des Jammers“

Nach Kenntnis des Kulturerbe-Vorsitzenden werden das Gelände und die Überreste des einstigen 60-Zimmer-Betonklotzes nur 20 bis 30 Meter entfernt von der Sandstraße (L 83) zwischenzeitlich für Airsoft-Spiele und als Lost Place (Vergessener Ort) genutzt. Willig betrachtet die Ruine inmitten eines Tourismusgebietes wie der Hochstraße als „Schandfleck“ und spricht von einem „Bild des Jammers“. Versteckt hinter Bäumen sei das Gebäude dem zunehmenden Verfall preisgegeben – „aus Sicht des Vereins ein untragbarer Zustand“, beklagt der in Herrenwies aufgewachsene pensionierte Oberstudiendirektor. Er befürchtet, dass die Ruine „noch jahrzehntelang vor sich hingammeln“ könnte.

Ein Bild aus den 50er Jahren: Das damalige Kurheim „Straßburger Hof“, später Berghof-Klinik. Im Hintergrund ist das Kurhotel Sand zu sehen. Foto: Archiv Naturschutzzentrum

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Ein Bild aus den 50er Jahren: Das damalige Kurheim „Straßburger Hof“, später Berghof-Klinik. Im Hintergrund ist das Kurhotel Sand zu sehen. Foto: Archiv Naturschutzzentrum

Nach Informationen von Willig werde das Gelände, das sich auf Bühler Gemarkung befindet, Gruppen und Vereinen für Airsoft-Spiele zur Verfügung gestellt. Zudem habe sich die ausgebrannte ehemalige Suchtklinik, in der im Laufe der Jahre zahlreiche ungebetene Besucher ihre Spuren hinterlassen haben, als Ziel für Lost-Places-Fotografen einen Namen gemacht. Im Netz kursieren in diesem Zusammenhang Bezeichnungen wie „Schimmelbude“ oder „Schimmel-Hotel“. Der Kulturerbe-Vorsitzende möchte sich mit diesem „traurigen Bild“ keinesfalls abfinden. Dringenden Handlungsbedarf sieht er, sollte sich bestätigen, was ihm zugetragen worden sei. Demnach, so Willig, sei „noch in diesem Jahr eine Versteigerung angesetzt“.

OB Schnurr: Insolvenzverfahren läuft

Er würde sich wünschen, dass man im Bühler Rathaus aktiv werde und „Flagge zeigt“. Falls tatsächlich eine Versteigerung anstehe, müsse die Stadt „auf der Hut sein“. Sonst, so argwöhnt er, könnten sich „dort oben Glücksritter festsetzen und sich der ruinöse Zustand zementieren“. Mit Blick auf den Besuch von Tourismusminister Guido Wolf, der Anfang Oktober auf Einladung des Kulturerbe-Vereins Hundseck und weitere vom Verfall bedrohte ehemals touristisch genutzte Stätten im Höhengebiet in Augenschein genommen hat, hofft er auf Unterstützung aus Stuttgart. Das Land, erwartet Willig, könnte mithelfen, dass die „Schandflecken“ an der Schwarzwaldhochstraße verschwinden. „Die Gemeinden allein können das nicht schultern.“ Aus Sicht des Bühler Vereins kommen für die Berghof-Ruine nur ein Abriss und die Renaturierung des Geländes infrage.

Nach Kenntnis von OB Hubert Schnurr läuft „derzeit ein Insolvenzverfahren“. Als Eigentümer firmiere noch immer die „Baden-Badener Höhe-Hotel GmbH“. Man müsse jedoch abwarten, ob bei einer Versteigerung überhaupt jemand Interesse zeige. „Wir als Stadt werden nicht tätig werden“, schließt der Rathauschef definitiv aus.

Von der im Wald etwas abseits gelegenen Ruine, auch in ihren Augen „ein Schandfleck“, gehe „keine unmittelbare Gefahr“ aus – anders als bei Hundseck, dessen Anbau akut einsturzgefährdet sei und die Stadt tätig werden lasse, sagt die im Rathaus für Baurecht zuständige Fachbereichsleiterin Corina Bergmaier. „Wir haben die Berghof-Klinik aber ebenso im Blick wie Hundseck und Sand“, versichert Bergmaier. „Lost Places“ existierten auch in der Region. Einmal sei ein Hinweis auf den Berghof bei der Stadtverwaltung eingegangen, erinnert sie sich. Über Airsoft-Spiele, die dort ausgetragen werden, sei nichts bekannt. Beim Amtsgericht Baden-Baden weiß man noch nichts über eine Versteigerung, die in nächster Zeit die Berghof-Immobilie betreffen könnte. „Alles, was dieses Jahr noch stattfindet, ist bereits veröffentlicht“, lässt Rechtspflegerin Angelika Pfistner wissen.

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Erstellt:
5. November 2020, 23:00 Uhr
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