Brandanschlag in Malsch: Acht Jahre Haft gefordert

Malsch/Karlsruhe (sl) – Ein 88-Jähriger soll das Haus seiner Tochter angezündet haben. Der Staatsanwalt wirft ihm Heimtücke vor. Sein Verteidiger spricht allerdings von „durchgebrannten Sicherungen“.

Am Landgericht Karlsruhe findet die Hauptverhandlung gegen den betagten Malscher statt, der sich seit der Tat in U-Haft befindet. Foto: David Ebener

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Am Landgericht Karlsruhe findet die Hauptverhandlung gegen den betagten Malscher statt, der sich seit der Tat in U-Haft befindet. Foto: David Ebener

Acht Jahre Gefängnis für versuchten Mord und besonders schwere Brandstiftung: So plädiert die Staatsanwaltschaft im Fall des 88-jährigen Malschers, dem vorgeworfen wird, das Wohnhaus seiner Tochter angezündet und dabei versucht zu haben, seinen Schwiegersohn zu töten. Anders sieht es der Verteidiger des Angeklagten, der die Tötungsabsicht verneint.
Schon am zweiten Tag der Hauptverhandlung hat die Kammer am Karlsruher Landgericht am Donnerstag die Plädoyers der Verfahrensparteien angehört. Wichtiger Knackpunkt dabei: Wollte der Senior seinem Schwiegersohn ans Leben und hat er den Tod weiterer im Haus lebender Personen, darunter Minderjährige, in Kauf genommen? Staatsanwalt Daniel Mattern ist sich sicher: Ja.

Die Familie ist zerrüttet, der alte Mann fühlt sich von seiner Tochter, der er das Haus überschrieben hat, finanziell ausgenommen und um sein Lebenswerk betrogen. Besonders auf dem Kieker hat er jedoch deren Ehemann, den er für einen Faulenzer hält. Das äußerte der 88-Jährige auch gleich bei seiner Festnahme gegenüber der Polizei. Die Brandstiftung zu leugnen, versuchte er da gar nicht erst; „das haben die Schmarotzer verdient“, waren seine Worte. Und bereits 2019 hatte er der Tochter brieflich angekündigt: „Es wird hier alles in Flammen stehen, auch dein Faulenzer ist dann dabei, eure Tage sind gezählt“. Die Drohung trug ihm schon damals eine Geldstrafe ein.

Eine spontane Tat, wie es der Angeklagte am Donnerstag erneut darlegte, mochte der Staatsanwalt auch angesichts von mutmaßlich eigens getroffenen Vorkehrungen nicht erkennen: Benzinkanister und ein gemieteter Fluchtwagen standen bereit. Heimtückisch habe er die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt, als er den Mann und dann die Terrasse mit Benzin besprengte und anzündete, um dem verhassten Schwiegersohn einen grausamen Feuertod zu bereiten. Er habe dabei zu gemeingefährlichen Mitteln gegriffen, denn das schnelle Ausbreiten der Flammen habe er nicht unter Kontrolle gehabt. Das Haus brannte schließlich weitgehend ab.

Auf Mord steht lebenslänglich. Zugunsten des Angeklagten warf der Staatsanwalt dessen hohes Alter in die Waagschale. Ein psychiatrisches Gutachten hatte ergeben, dass wegen einer beginnenden Demenz eine verminderte Steuerungs- und damit Schuldfähigkeit zumindest nicht völlig auszuschließen sei.

Die Anwältin des Opfers und Nebenklägers schilderte nochmals eindringlich die Situation am Tatabend: Der Angeklagte habe seinem Schwiegersohn in die Augen gesehen, seine Tochter habe sogar noch Worte an ihn gerichtet, als ihr Vater ihren Ehemann mit Benzin bespritzte und das brennende Streichholz auf ihn warf. Die verheilten Verbrennungen schränkten ihren Mandanten bis heute ein. Er befinde sich in psychiatrischer Behandlung. Mindestens 12.000 Euro Schmerzensgeld und den Ersatz aller materiellen Schäden forderte sie vom Angeklagten.

Dessen Verteidiger Michael Stortz wurde in seinen Ausführungen grundsätzlich. „Wir können auf diese Weise Juristerei nicht betreiben“, klagte er. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger würden seinen Mandanten als einen Tyrannen darstellen und klischeehaft in eine Ecke drängen. „Ich will die Tat gar nicht gutheißen“, räumte der Anwalt ein. Seinem Klienten seien an dem Abend die Sicherungen durchgebrannt, nachdem ihn seine Familie „ins Aus und ins Nichts getrieben hat“. Die vom Staatsanwalt angeführten Mordmerkmale seinen nicht gegeben, die Verbrennungen des Nebenklägers durch das Handeln des Angeklagten „nicht kausal verursacht“. Der Anwalt forderte eine Strafe nicht über fünf Jahren. Im Schlusswort sagte der Senior, dass es im leidtue.

Die Schwurgerichtskammer will das Urteil am 19. Oktober um 13.30 Uhr verkünden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
14. Oktober 2021, 17:28 Uhr
Lesedauer:
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