Brausenhersteller Hansgrohe hält Umsatz stabil

Schiltach/Baden-Baden (tas) – Der Schildtacher Badausstatter Hansgrohe kommt im Pandemiejahr 2020 gut durch die Krise. Denn der Bauboom beflügelt den Absatz in Deutschland.

Bei Brausen ist Hansgrohe bereits groß im Geschäft, nun kommen Ablaufsysteme für Duschen dazu.Fotos: Hansgrohe

© Hansgrohe

Bei Brausen ist Hansgrohe bereits groß im Geschäft, nun kommen Ablaufsysteme für Duschen dazu.Fotos: Hansgrohe

Auf den ersten Blick konnte der Corona-Schock dem Schwarzwälder Badausrüster Hansgrohe kaum etwas anhaben. Während viele deutsche Industriekonzerne im vergangenen Jahr unter Einnahmerückgängen zu leiden hatten, schaffte es der Armaturen- und Brausenhersteller, seinen Umsatz nahezu konstant zu halten.

Am Ende des vergangenen Geschäftsjahrs lag er bei1,074 Milliarden Euro, ein leichter Rückgang von 1,4 Prozent. Bereinigt um den Einfluss von Wechselkursschwankungen war er sogar nahezu konstant. Zum Vergleich: Im „normalen“ Geschäftsjahr 2019 lag der Zuwachs bei einem Prozent.

Nach dem pandemiebedingten Nachfrageknick im März und April hatte das Unternehmen im zweiten Halbjahr 2020 zur Aufholjagd geblasen. „In einigen Monaten konnten wir sogar neue Rekorde beim Umsatz verzeichnen“, sagt Hansgrohe-Chef Hans Jürgen Kalmbach. „Dank des einzigartigen Engagements aller unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist Hansgrohe an den Herausforderungen gewachsen und geht gestärkt aus dem Krisenmodus hervor.“ Die Vorzeichen für 2021 seien gut.

Auch auf der Gewinnseite hat das Unternehmen Corona gut verstoffwechselt, die Rendite legte um 1,7 Punkte auf 18,3 Prozent zu. Das Betriebsergebnis stieg dabei auf 197 Millionen Euro, ein Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hier profitierte Hansgrohe von Einmaleffekten. So reduzierten sich beispielsweise etliche marketing- und vertriebsbezogene Kosten aufgrund der Pandemie. Vieles fand digital statt, Messen und andere Veranstaltungen konnten pandemiebedingt nicht durchgeführt werden.

„Sehr großes Potenzial bei Armaturen und Brausen“


Den Spareffekt nutzen die Schwarzwälder, um ihre Rücklagen zu stärken: Die Eigenkapitalquote stieg von 52 auf 54 Prozent an. Und auch strategisch hat Hansgrohe seine Finanzkraft eingesetzt. Ende vergangenen Jahres übernahm der Brausenspezialist den niederländischen Duschrinnenhersteller Easy Sanitary Solutions (ESS) mit seinen rund 100 Mitarbeitern, um sein Produktspektrum im Bereich der Entwässerungslösungen auszubauen. Kalmbach: „Wir sehen noch ein sehr großes Potenzial bei Armaturen und Brausen, aber auch in solch verwandten Anwendungsfeldern.“

Besonders gut lief es für die Schwarzwälder im vergangenen Jahr im Heimatmarkt. Hier legte der Umsatz um knapp zwölf Prozent auf über 290 Millionen Euro zu. Eine solche Entwicklung habe es seit mehr als 20 Jahren nicht mehr im Unternehmen gegeben, sagt Vertriebsvorstand Christophe Gourlan. Gerade vom boomenden privaten Wohnungsbau in Deutschland profitierten die Schiltacher. In den USA hingegen, wo die Pandemie im vergangenen Jahr tiefe Spuren hinterlassen hatte, brach der Umsatz ein: Nordamerika schlägt mit einem Minus von rund 21 Prozent auf 62 Millionen Euro Umsatz zu Buche, China erholte sich wieder rasch und bescherte Hansgrohe ein Plus von 6,6 Prozent auf 168 Millionen Euro.

„Wir haben im Pandemiejahr 2020 sehr viel dazugelernt“, sagt Kalmbach – vor allem, was den Ausbau der digitalen Prozesse im Unternehmen betrifft. Hier will das Unternehmen weiter kräftig investieren – egal ob in Produktion, Logistik, Administration und der Kundenkommunikation. Gleichzeitig soll der Personalstamm anwachsen – speziell an den Standorten in Schiltach, Schramberg oder Offenburg. Von den mehr als 4.700 Mitarbeitern arbeiten derzeit etwa 3.000 in Deutschland.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
19. April 2021, 22:30 Uhr
Lesedauer:
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