Brezel und Brötchen: Darum werden sie in Rastatt teurer

Rastatt (BNN) – Die Leckereien bei den Bäckern in der Region werden teurer: Die Brezel hat die Schallgrenze von einem Euro gerissen. Warum die Bäcker an der Preisschraube drehen, hat viele Gründe.

Ab in den Ofen: Patrick Dietsche schiebt in seiner Bäckerei in Rastatt Backwaren in den Backofen. Die Brezel kostet beim ihm seit vergangener Woche ein Euro. Foto: Hans-Jürgen Collet/BNN

Ab in den Ofen: Patrick Dietsche schiebt in seiner Bäckerei in Rastatt Backwaren in den Backofen. Die Brezel kostet beim ihm seit vergangener Woche ein Euro. Foto: Hans-Jürgen Collet/BNN

Patrick Dietsche seufzt. Der Bäckermeister der gleichnamigen Bäckerei in der Rastatter Innenstadt kämpft aktuell an vielen Fronten. Vier Verkäuferinnen fallen plötzlich gleichzeitig aus – Corona. Das Geschäft muss aber weiterlaufen.

Die steigenden Energie- und Rohstoffpreise belasten sein Geschäft zusätzlich. Ein Brezel kostet mittlerweile einen Euro. Früher ging das beliebte Laugengebäck für 80 Cent über die Theke.

Pandemie hinterlässt Spuren

„Ich habe gedacht, das mit Corona wird besser, aber es trifft uns aktuell härter als während der ganzen Pandemie“, klagt Dietsche. Die Frauen würden nun ein bis zwei Wochen ausfallen. „Wir sind zwar ganz gut durch die letzten zwei Jahre gekommen, aber wir haben die Pandemie gespürt“, erklärt der Bäcker. Insbesondere die Lockdowns mit geschlossenen Schulen und Geschäften waren belastend. Dazu fehlten die Feste. Viele Kunden bräuchten im Homeoffice keine belegten Brötchen von Dietsche.

Der Bäckermeister hat schon im vergangenen Jahr an der Preisschraube für sein gesamtes Sortiment gedreht. In diesem Jahr war er nochmal dazu gezwungen. „Das Mehl ist im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent teurer geworden“, sagt der Bäckermeister. Aber es sei nicht nur das Mehl. Die ganzen Saaten hätten im Preis ebenfalls zugelegt. Auch die Preise für Quark, Butter und Öl sind gestiegen. Ein Kilogramm Butter koste aktuell acht Euro. „Strauchtomaten für belegte Brötchen haben früher drei Euro gekostet, nun sind sie doppelt so teuer.“

Auch Michael Schröder von der Bäckerei Helmut Schröder in Ötigheim war gezwungen, seine Preise in diesem Jahr zweimal zu erhöhen. Sein Mehl-Zulieferer erhöhte den Preis um 30 Prozent. „Es gibt keinen Rohstoff, der nicht hoch ist“, sagt der Bäckermeister. Die Gründe seien vielfältig: Corona-Pandemie, davongaloppierende Energie- und Rohstoffpreise, Ukraine-Krise.

„Rohstoffe eine Frage des Preises“

„Leider müssen wir die ganzen Kosten weitergeben, sonst sind wir schneller weg als wir gucken können“, sagt der 42-Jährige. Er hofft, dass er die Preise nun konstant halten kann. Schröder ist aber pessimistisch.

„Die Preissteigerungen sind schon enorm“, sagt Norbert Kronimus von der gleichnamigen Bäckerei in Iffezheim. Die Rohstoffe seien mittlerweile eine reine Frage des Preises. Auch seine Bäckerei musste die Preise nach oben anpassen. Der Kundenstrom habe etwas abgenommen. Das liege aber nicht an den Großbäckereien, die Kronimus nicht als direkte Konkurrenz sieht, weil die einen anderen Kundenstamm bedienen.

Der Bäckermeister weist noch auf eine weitere Schwierigkeit hin. Die Bäckereien müssen ihre Rohstoffe mit mehr Vorlaufzeit bestellen. „Lieferausfälle hatten wir bislang noch keine. Bei der Hefe sind wir auf eine andere Sorte ausgewichen“, erzählt Kronimus. Das größte Problem der Bäcker sieht der 73-Jährige aber ganz woanders. „Der Nachwuchs fehlt. Unser Handwerk ist wegen der Arbeitszeiten unattraktiv.“ Es sei sehr schwierig, Lehrlinge zu finden. Er habe sich sehr über die Übernahme der Bäckerei Austen in Baden-Baden gefreut.

Das bestätigen Dietsche und Schröder ebenfalls. „Es liegt nicht am Geld, sondern vor allem an den Arbeitszeiten“, erklärt Schröder. Er habe einige Angebote von Bäckern aus Bosnien-Herzegowina gehabt die hätten sofort anfangen können. Das sei aber nichteuropäisches Ausland und dementsprechend hoch seien die bürokratischen Hürden.

Ein Preistreiber könnte auch die Erhöhung des Mindestlohnes werden, darin sind sich die drei Bäcker ebenfalls einig. „Wenn der Mindestlohn kommt, wird es wahrscheinlich die nächste Preissteigerung geben“, meint etwa Bäckermeister Schröder. Er sei für gerechten Lohn. Aber bei der Schülerin, die am Wochenende im Café jobbt, sei die Angleichung an den Mindestlohn wenig sinnvoll.

Zum Thema:

Preiserhöhungen: Die Bäcker haben in Rastatt und Umgebung ihre Preise über die Jahre relativ stabil gehalten. Patrick Dietsche weiß schon gar nicht mehr, wann er seine Preise korrigieren musste. Michael Schröder erhöhte die Preise 2011, 2017, 2020, zweimal 2021 und bereits zweimal 2022.

Was kostet...?: Eine Brezel kostet bei beiden einen Euro. Für ein großes Mischbrot verlangte Dietsche im Februar 3,20. Mittlerweile muss er 3,60 Euro verlangen. Ein normales Weizen-Mischbrot kostet bei Schröder 4,20 Euro. Am 1. Januar war dasselbe Brot noch 15 Prozent günstiger.

Die Öfen: Schröders Ofen wird mit Heizöl betrieben. Im Jahr verbraucht er bis zu 14.000 Liter Heizöl. „Wir haben noch Anfang des Jahres getankt. Leider haben wir nicht vollgemacht.“ Denn dann kam der Ukraine-Krieg und der Heizölpreis kletterte laut Schröder auf 1,90 Euro. Er hofft, dass er in nächster Zeit auf 1,15 Euro fällt, damit er nachtanken kann. Patrick Dietsches Ofen läuft mit Gas. Er verbraucht 165.000 Kilowattstunden im Jahr.

Weizen: Das Weizen kann den Bäckern zufolge in Deutschland nicht knapp werden. Dietsche und Schröder beziehen ihr Mehl aus der Region. Allerdings orientiert sich die Preisgestaltung des Weizens an seinem Börsenwert.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Dominik Schneider

Zum Artikel

Erstellt:
28. April 2022, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 22sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.