Brief an die Regierungspräsidentin

Gernsbach (stj) – Ein Großteil des Gemeinderats und Bürgermeister Julian Christ wenden sich im Kampf um den Erhalt der HLA Gernsbach mit einem Schreiben an Sylvia Felder.

Auch wenn die Schülerzahlen rückläufig sind, ist die HLA „grundsätzlich sehr gut und zukunftsorientiert aufgestellt“, heißt es in einem Brief an die Regierungspräsidentin. Foto: Juch

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Auch wenn die Schülerzahlen rückläufig sind, ist die HLA „grundsätzlich sehr gut und zukunftsorientiert aufgestellt“, heißt es in einem Brief an die Regierungspräsidentin. Foto: Juch

Mit einem gemeinsamen Schreiben an Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder setzen sich Bürgermeister Julian Christ, die Gemeinderatsfraktionen von Freien Bürgern, SPD und Grünen sowie die Gruppierung der AfD für den Erhalt der Handelslehranstalt (HLA) Gernsbach ein. Darin heißt es, man habe „mit Sorge die Signale aus Rastatt wahrgenommen, dass eine Schließung als Möglichkeit gesehen wird und die Entscheidung hierüber zeitnah anstehen könnte“.

In dem Brief, der in Kopie auch an Landrat Toni Huber ging und an die Abteilungspräsidentin Schule und Bildung im Regierungspräsidium Karlsruhe, Anja Bauer, verweisen die Kommunalpolitiker auf den hohen Stellenwert der Bildungseinrichtung für das ganze Murgtal und darüber hinaus. „Wenngleich die Schülerzahlen – nicht zuletzt auch aufgrund der allgemeinen demographischen Delle – leicht rückläufig waren, ist die HLA Gernsbach grundsätzlich sehr gut und zukunftsorientiert aufgestellt“, betonen die Unterzeichner, die sich auch direkt an die Gernsbacherin Felder wenden: „Wie Sie aus Ihrer Zeit als Abgeordnete unseres Wahlkreises wissen, ist die Lehrerschaft überaus engagiert und versteht es, die jungen Menschen bestmöglich auf ein erfolgreiches Berufsleben vorzubereiten.“

Öffentliche Diskussion kontraproduktiv?

Zudem erinnern die Gemeinderatsmitglieder „an das hervorragende pädagogische Konzept“ der Schule in Trägerschaft des Landkreises Rastatt, die den Namen Gernsbachs nicht zuletzt durch zahlreiche Erfolge in überregionalen Wettbewerben bekanntgemacht habe. „Daher ist es für uns ganz klar, dass die HLA an unserem Bildungsstandort erhalten bleiben muss.“

Der Bürgermeister, die drei Fraktionssprecher und die AfD machen auch auf die rund zwei Millionen Euro aufmerksam, die in den zurückliegenden Jahren in die Gebäudesubstanz und die Ausstattung der Schule investiert worden sind. Das Bemühen des Schulträgers, sich für eine Stabilisierung der Schülerzahlen an der HLA einzusetzen, erkenne man an. Umso schwerer sei es „für uns nachzuvollziehen, dass diese Bemühungen womöglich nicht weitergeführt werden und eine Schließung als Option angesehen wird“. Die Unterzeichner des Schreibens bitten die Regierungspräsidentin darum, sich für die HLA stark zu machen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich der Standort weiter stärken lässt. Wichtig sei, dass man offen und lösungsorientiert mit allen beteiligten im Gespräch bleibe und sich gemeinsam für den Erhalt der HLA in Gernsbach einsetze.

Als einzige Fraktion hat die CDU den Brief an ihre frühere Gemeinderatskollegin Felder nicht unterzeichnet. „Wir halten die öffentliche Diskussion über die HLA für kontraproduktiv“, erklärt Frauke Jung auf BT-Anfrage. Die Fraktionsvorsitzende betont, dass die Schule tolle Arbeit leiste, allerdings glaube sie nicht daran, dass es die Anmeldezahlen steigert, wenn andauernd über die Zukunft der Bildungseinrichtung spekuliert werde. Das sehe sie nicht als förderlich an.

Zudem verweist Frauke Jung auf die Ankündigung des Landratsamts Rastatt, es handele sich um einen „absolut ergebnisoffenen Prozess“. Diesen wolle die CDU-Fraktion aktiv, transparent und positiv mitgestalten – auch wenn der Gemeinderat dabei keine eigene Entscheidungsbefugnis hat. Die Gernsbacher Christdemokraten seien gegen eine Schließung. „Wir brauchen zunächst alle Fakten wie die Entwicklung der Schülerzahlen in den vergangenen Jahren und wie der Landkreis als Schulträger darauf reagiert hat, um dann im Gemeinderat darüber beraten zu können. Abzuwägen sind auch städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten, die sich durch eine Nutzung der Immobilie und der Parkplätze ergeben könnten“, so Jung.


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