Brombeere alleiniger „Schlecksel-Star“

Gernsbach (ham) – Eine süße Konstante gibt es in Gernsbach auch in Corona-Zeiten: den Schlecksel-Wettbewerb. Bei der neunten Auflage ist die Brombeere der „Star“.

Sternekoch Bernd Werner (von links), Initiatorin Sabine Katz und Julian Christ präsentieren das Werbeplakat für den Marmeladen-Wettbewerb 2020. Foto: Metz

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Sternekoch Bernd Werner (von links), Initiatorin Sabine Katz und Julian Christ präsentieren das Werbeplakat für den Marmeladen-Wettbewerb 2020. Foto: Metz

„Es war klar, dass wir etwas finden müssen, was in die momentane Corona-Zeit passt“, spannt Sabine Katz die Zuhörer um Bürgermeister Julian Christ kurz auf die Folter, um das Geheimnis für alle Marmeladen-Freunde zu lüften: Die Brombeere steht dieses Jahr beim neunten Schlecksel-Wettbewerb in Gernsbach im Mittelpunkt.

Nachdem viele nicht in die Ferne schweifen während der Pandemie, soll nach den Pfirsichen aller Art heuer in den Konfitüren eine einheimische Frucht zu Ehren kommen. Diese können die Daheimgebliebenen „jeder für sich sammeln. Brombeerhecken gibt es in und um Gernsbach herum genug“, weiß Initiatorin Katz und freut sich wie Christ, dass „wenigstens etwas in diesem Jahr bleibt wie zuvor: Der Schlecksel-Wettbewerb begeistert die Gernsbacher. Viele kaufen sich die Kreationen und genießen sie zum Frühstück“.

Jury-Mitglied Bernd Werner freut sich ebenso über die Wahl der Frucht. Der Sternekoch gibt den Marmeladen-Machern auch gleich noch den Tipp, es bei der Brombeere nicht zu übertreiben mit der Experimentierfreude, etwa durch Kreationen wie Brombeere mit Schokolade, Kaffee oder gar einer Grapefruit. „Die Frucht lässt nicht so viel Spielraum“, befindet Werner und empfiehlt, die Konfitüre „ganz klassisch herzustellen. Wenn man den Reifepunkt der Brombeere erwischt, sorgt das für eine Geschmacksexplosion“. Nur gegen ein „bisschen Vanille“ zur Verfeinerung hat der Sternekoch nichts einzuwenden: „Ansonsten ist der Eigengeschmack der Frucht auf den Punkt zu bringen“, unterstreicht Werner noch einmal.

Sollten sich Teilnehmer an den kleinen Kernen der dunklen Frucht stören, könne man die Brombeeren „passieren. Das ist auch Champions League – aber sehr viel Arbeit“, warnt er. Letztlich gelte: „Auf dem Treppchen standen meistens jene, die die Frucht als Star aufleben ließen!“

Initiatorin Katz schließt sich geschmackstechnisch an und äußert den „Wunsch, dass die Teilnehmer deshalb mehr Kreativität und Aufwand in die Dekoration“ der Marmeladengläser und der Etiketten stecken. Dafür setzt die Buchhändlerin gerne mit der Jury einen Sonderpreis aus, ebenso für Erzählungen und Gedichte rund um die Erlebnisse mit der Brombeere. „Das fließt auch mit in die Bewertung ein“, betont die Buchhändlerin, „wichtig ist, dass alle schon Spaß beim Sammeln der Brombeeren haben und uns davon auch berichten.“ Im Vergleich zur Heidelbeere als einem der Vorgänger bei den anderen acht Wettbewerben müsse diesmal keiner „über das mühselige Sammeln jammern. Brombeeren hat es genug“, meint Katz und schiebt schmunzelnd nach, „und man braucht auch keine so langen Arme wie bei den Heidelbeeren.“

Wer heuer die reduzierte Sammel-Mühsal überwunden hat und eine schmackhafte Marmelade in drei Gläser für die Jury, den Publikumspreis und den Produzenten der Sieger-Schlecksel abgefüllt und das Rezept notiert hat, kann bei der öffentlichen Kür am Mittwoch, 21. Oktober, 18 Uhr, mehrere Preise gewinnen. Die Auswahl treffen Katz, Werner, Vorjahressieger Claus Neumann und Jasmin Christ. Laut ihrem Gatten ist sie „gerne wieder dabei“, auch wenn sie dann als frischgebackene Mama mit Kinderwagen anrollen muss.

Die Kreationen der Teilnehmer werden bereits nach der Wahl auf Schloss Eberstein für einen wohltätigen Zweck verkauft. Die Reste dient Katz außerdem im November auf dem Wochenmarkt an – zusammen mit Julian Christ. Dem Schultes kam gestern spontan der Einfall, dass er doch gleich noch seine „Strafe des Narrengerichts“, die die Waldschädder während der Fastnacht mit „Marmelade-Kochen“ verhängt hatten, durch den Verkauf ableisten könne.


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